interaktiv

Studentenleben live

Mann oder Frau - oder was denn nun?

Autor:
Rose

Rubrik:
studium

19.12.2014

Gegen Ende meines Praktikums hatte ich die einmalige Gelegenheit, mit zwei siebten Klassen (also 46 Teenagern zwischen zwölf und dreizehn) auf Klassenfahrt nach Köln zu reisen. Klingt anstrengend. War es auch! Mir taten vor allem die „normalen“ Reisenden leid, die mit uns im ICE saßen. Gekreische hier, Gekicher da, und nachher sah es aus wie ein Schlachtfeld, obwohl wir mehrmals ermahnt hatten, allen Müll wegzuwerfen.

Davon abgesehen gab es zwei absolute Highlights auf dieser Fahrt, bei denen ich gemerkt habe, dass, auch wenn sich die Teenager sehr erwachsen fühlen, ihnen doch ein paar Jährchen an Lebenserfahrung fehlen.

Situation eins: 46 mehr oder weniger pubertierende Jugendliche aus einem kleinen Dorf im Schwarzwald sehen einen Erotik-Shop. Es gab ein großes Hallo und es wurden dutzende Fotos mit den Smartphone-Kameras geschossen. Dass Köln nicht nur eine sehr alte römische Stadt mit einem wunderschönen gotischen Dom, sondern auch die heimlich Hauptstadt der „SchwuLesBiTrans“-Bewegung ist, wurde in den Vorbereitungen anscheinend verschwiegen.

Situation zwei: Wir stehen vor der Baustelle, an der das ehemalige Kölner Stadtarchiv eingestürzt ist. Plötzlich kommt eine Frau aus der Kneipe gegenüber dazu und erzählt uns aus erster Hand, was da damals passiert ist. Es ist doch hochinteressant, einen Augenzeugenbericht zu hören, könnte man meinen. Aber was die meisten Schülerinnen und Schüler leider nur interessiert hat ist, ob die Augenzeugin nun Mann oder Frau war. Ununterbrochen habe ich neben mir Getuschel gehört. „Nein, das ist ein Mann, das sieht man doch!“, „He, nein, guck doch mal genau hin, das ist eine Frau!“

Offensichtlich haben sie noch nie darüber nachgedacht, dass sich nicht alle Menschen in eine der beiden Kategorien Mann oder Frau einteilen lassen wollen. Und dass es doch in dieser Situation, in der ein Mensch uns einfach seine oder ihre Erlebnisse vom Einsturz des Stadtarchivs erzählen möchte, völlig egal ist, was für ein Geschlecht er oder sie hat. Aber gut, mit zwölf oder dreizehn Jahren ist es auch nicht schlimm, darüber noch nicht nachgedacht zu haben. Schließlich sind die meisten mit ihrer eigenen Entwicklung beschäftigt. Trotzdem konnte ich mir einen Kommentar nicht verkneifen und vielleicht ist ja doch bei dem einen oder anderen angekommen, dass alle Menschen unterschiedlich sind.

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