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Studentenleben live

Wo ist das Licht?

Es dauert ein bisschen, bis ich erkenne, was es ist, das mich stört. Irgendwas ist. Es ist das Licht. Wenn ich in der Morgendämmerung zwischen den (zugegebenermaßen nicht so) hohen Gebäuden des Europaviertels zur Arbeit gehe, sehe ich kaum, ob der Himmel jetzt grau ist oder blau. Mir fehlt die Weite des Himmels aus Kapstadt. Egal ob vor meiner Wohnung in Observatory, am Strand in Clifton oder – natürlich – auf dem Tafelberg: Von überall konnte man das strahlende Blau sehen. Mir fehlen die bunt leuchtenden Farben, die Offenheit der Menschen, die Lässigkeit des Lebens. Stattdessen nur der Wecker, der jeden Morgen erbarmungslos klingelt, wütende belgische Fahrradfahrer in grellgelber Warnweste und mit Trillerpfeife bewaffnet, und diese klirrende Kälte. Außerdem ist Brüssel super-teuer und super-edel.

Und trotzdem kann man viel entdecken: Schmucke Kirchen verstecken sich in modernen Arbeitsvierteln und überraschenderweise höre ich hier fast weniger Deutsch als in Kapstadt. Nachts kann ich frei und unbesorgt herumlaufen, sowieso laufe ich so viel wie nie in Kapstadt. Das erste Mal zur Arbeit Radeln hat ein Lächeln auf mein Gesicht gezaubert und ein paar Sonnenstrahlen konnte ich unter meiner Mütze auch schon genießen. Trotz leichtem „Kap-Weh“ gefällt es mir hier.

Autor: Luisa  |  Rubrik: studium  |  Dec 24, 2014
Autor: Luisa
Rubrik: studium
Dec 24, 2014

Studentenleben live

Rote Karte für den Präsidenten

Der 17. November ist in Tschechien ein Feiertag. Man gedenkt quasi doppelt: Dem Studentenaufstand 1939, der sich gegen die Schließung der tschechischen Universitäten und Hochschulen im damaligen Protektorat Böhmen und Mähren richtete, und, daraus resultierend, den 50 Jahre später stattfindenden ersten Protesten der samtenen Revolution. Eigentlich hatte man sich 1989 zum Gedenken an jenen Studentenprotest getroffen, doch daraus wurde recht bald eine Massendemonstration gegen die kommunistische Gegenwart.
Auch heute wird dieser Tag zu Demonstrationen genutzt, 2014 vor allem gegen Präsident Zeman. Die rote Karte für den Präsidenten einigte die Zeman-Gegner. Tatsächlich hatte sich der tschechische Präsident scheinbar (wieder mal) einiges zu Schulden kommen lassen. Abgesehen davon, dass er auf Dienstreisen in China und der Ukraine wohl mit Aussagen provozierte, die umgehend von der Regierung dementiert werden mussten, schwirrte eine Woche lang nur ein Thema durch die tschechischen Medien: Zeman, wie er mit wüstesten Beschimpfungen und vulgärsten Ausdrücken im Live-Interview über die russische Band „Pussy Riot“ herzog. Plötzlich wollte niemand mehr diesen Präsidenten gewählt haben, er sei eine Schande für Tschechien und solle einen Arzt zu Rate ziehen, um seine Alkoholprobleme zu lösen (Kommentar der Lidové Noviny, einer tschechischen Tageszeitung). Kurz: Der Rückhalt in der Bevölkerung sinkt enorm ...

 

Autor: Inga  |  Rubrik: studium  |  Dec 23, 2014
Autor: Inga
Rubrik: studium
Dec 23, 2014

Studentenleben live

Mann oder Frau - oder was denn nun?

Gegen Ende meines Praktikums hatte ich die einmalige Gelegenheit, mit zwei siebten Klassen (also 46 Teenagern zwischen zwölf und dreizehn) auf Klassenfahrt nach Köln zu reisen. Klingt anstrengend. War es auch! Mir taten vor allem die „normalen“ Reisenden leid, die mit uns im ICE saßen. Gekreische hier, Gekicher da, und nachher sah es aus wie ein Schlachtfeld, obwohl wir mehrmals ermahnt hatten, allen Müll wegzuwerfen.

Davon abgesehen gab es zwei absolute Highlights auf dieser Fahrt, bei denen ich gemerkt habe, dass, auch wenn sich die Teenager sehr erwachsen fühlen, ihnen doch ein paar Jährchen an Lebenserfahrung fehlen.

Situation eins: 46 mehr oder weniger pubertierende Jugendliche aus einem kleinen Dorf im Schwarzwald sehen einen Erotik-Shop. Es gab ein großes Hallo und es wurden dutzende Fotos mit den Smartphone-Kameras geschossen. Dass Köln nicht nur eine sehr alte römische Stadt mit einem wunderschönen gotischen Dom, sondern auch die heimlich Hauptstadt der „SchwuLesBiTrans“-Bewegung ist, wurde in den Vorbereitungen anscheinend verschwiegen.

Situation zwei: Wir stehen vor der Baustelle, an der das ehemalige Kölner Stadtarchiv eingestürzt ist. Plötzlich kommt eine Frau aus der Kneipe gegenüber dazu und erzählt uns aus erster Hand, was da damals passiert ist. Es ist doch hochinteressant, einen Augenzeugenbericht zu hören, könnte man meinen. Aber was die meisten Schülerinnen und Schüler leider nur interessiert hat ist, ob die Augenzeugin nun Mann oder Frau war. Ununterbrochen habe ich neben mir Getuschel gehört. „Nein, das ist ein Mann, das sieht man doch!“, „He, nein, guck doch mal genau hin, das ist eine Frau!“

Offensichtlich haben sie noch nie darüber nachgedacht, dass sich nicht alle Menschen in eine der beiden Kategorien Mann oder Frau einteilen lassen wollen. Und dass es doch in dieser Situation, in der ein Mensch uns einfach seine oder ihre Erlebnisse vom Einsturz des Stadtarchivs erzählen möchte, völlig egal ist, was für ein Geschlecht er oder sie hat. Aber gut, mit zwölf oder dreizehn Jahren ist es auch nicht schlimm, darüber noch nicht nachgedacht zu haben. Schließlich sind die meisten mit ihrer eigenen Entwicklung beschäftigt. Trotzdem konnte ich mir einen Kommentar nicht verkneifen und vielleicht ist ja doch bei dem einen oder anderen angekommen, dass alle Menschen unterschiedlich sind.

Autor: Rose  |  Rubrik: studium  |  Dec 19, 2014
Autor: Rose
Rubrik: studium
Dec 19, 2014