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Studentenleben live

Fahrradstadt

Meinen Führerschein habe ich vor fast fünf Jahren bestanden. Zu Hause brauche ich ihn auch ziemlich häufig, denn ab acht Uhr abends fahren in der Kleinstadt kaum noch Busse, für Fahrrad und Füße spürt man für meinen Geschmack zu sehr die Nähe zum Bergischen Land. Um zu Freunden zu kommen, die mehr als fünf Minuten entfernt wohnen, oder bei den üblichen Treffen in der Innenstadt nehme ich deshalb lieber den fahrbaren Untersatz. Das ist bequemer, schneller und meine Freunde freuen sich, wenn ich sie später noch nach Hause fahren kann.

In Düsseldorf waren die Öffentlichen Verkehrsmittel mein hauptsächliches Fortbewegungsmittel. Ich finde, ein Auto in der Großstadt ist keine gute Idee, sobald man die ruhigeren Wohngebiete verlässt. Doch dafür, mich ausschließlich mit eigener Muskelkraft fortzubewegen, ist mir die Stadt einfach viel zu groß und bei so vielen Bahnen und Bussen komme ich selbst nachts um vier Uhr noch nach Hause – das Semesterticket macht es auch kostenlos möglich.

In Bonn bewege ich mich nun fast ausschließlich mit dem Fahrrad von A nach B. Selbst zur Mathematischen Fakultät, die zu Fuß keine fünf Minuten entfernt ist, fahre ich mit dem Drahtesel – zu den neuen Unifreunden, ins Kino oder zum Unihauptgebäude in der Innenstadt sowieso. Die Stadt ist flach, fahrradfreundlich und langsam merke ich sogar, dass sich meine Kondition etwas verbessert hat – beim wöchentlichen Ausflug zum Haus der Geschichte in der gemeinsamen Freistunde halte ich mittlerweile das Tempo meiner Unifreunde und muss nicht auf jede Ampel hoffen, an der ich sie einholen kann. Als Fahrradstadt ist Bonn wirklich auch gut geeignet, denn es gibt überall Fahrradwege und zusätzliche Rechte – als Fahrradfahrer darf man beispielsweise auch falsch herum in die meisten Einbahnstraßen fahren. Die Autofahrer sind auch darauf eingestellt, dass jeder zweite Verkehrsteilnehmer auf zwei Rädern durch die Gegend strampelt und nehmen daher mehr Rücksicht als in meinem Heimatort, wo es eben nicht so viele Radfahrer gibt.

So gut ausgebaute Radfahrmöglichkeiten haben eigentlich nur Vorteile: Man bleibt fit und umweltfreundlich ist es sowieso. Wenn ich "groß" bin, kaufe ich mir bestimmt mal ein Auto – momentan finde ich mein Fahrrad aber ehrlich gesagt ziemlich super.

Autor: Janna  |  Rubrik: studium  |  Nov 23, 2015
Autor: Janna
Rubrik: studium
Nov 23, 2015

Studentenleben live

Vortragsmarathon

Ich weiß nicht, nach welchem Schema das abläuft, aber es gibt so ein paar Wochen, da reiht sich eine interessante Veranstaltung an die andere. Zeit finden, zum Jura studieren, wird da zu einer echten Herausforderung. Letzte Woche war so eine Woche.

Die erste Veranstaltung, die ich besuchte, hatte das Thema: Was ist eigentlich das islamische Strafrecht? Statt uns mit den Enteignungstheorien beim Diebstahl zu befassen, haben wir einen Einblick bekommen, wie das im islamischen Strafrecht funktioniert. Dem deutschen Strafrecht unbekannt gibt es hier zum Beispiel ein „Vergehen gegen Gott“ oder die Anwendung des Talionsprinzips, wobei Gleiches mit Gleichem vergolten werden kann. Einen hohen Stellenwert hat im islamischen Recht der Zeugennachweis, der im europäischen Recht nicht so hoch angesetzt wird. Für den Nachweis eines Straftatbestands werden zwei männliche Zeugen benötigt, wobei gegebenenfalls auch ein männlicher Zeuge durch zwei weibliche ersetzt werden kann.

Was habe ich aus dem Vortrag mitgenommen? Strafen wie Peitschenhiebe oder Hand abhacken, wie sie im Koran genannt sind, werden wegen des strengen islamischen Prozessrechts fast nie verhängt. Ein Diebstahl ist ein Vergehen gegen Gott, eine Körperverletzung aber nicht. Und unser Strafrecht aus dem 13. Jahrhundert ist für die praktische Anwendung heute ähnlich ungeeignet wie ein harsches islamisches Strafrecht.

Einen weiteren interessanten Vortrag gab es zur Eurokrise, sowohl aus juristischer als auch aus wirtschaftlicher Perspektive. Wie konnte Griechenland so viele Schulden anhäufen? Wie konnte aus einer Staatsschuldenkrise eine Eurokrise werden? Ein Wirtschaftsprofessor gab uns dabei Einblicke in die Fiskalpolitik Griechenlands; ein Europarechts-Professor machte die ungleiche Wirtschafts- und Währungsunion für die Krise verantwortlich, da die Währungsunion vollharmonisiert und im Zuständigkeitsbereich der Union liege, die Wirtschaftspolitik aber fast vollständig in den Händen der Mitgliedsstaaten bleibe. Die Dozenten gaben auch einen Ausblick: Wie sieht ein möglicher Ausweg aus? Euro-Austritt und weitere Hilfspakete finden beide Professoren nicht sehr vielversprechend. Ihrer Meinung nach wäre die richtige Rettung eine Bankenunion.

Für meine Völkerrechts-Klausur im Dezember waren diese Vorträge vielleicht nicht so förderlich, aber für meine Inspiration und Wissensgier auf jeden Fall.

Autor: Luisa  |  Rubrik: studium  |  Nov 20, 2015
Autor: Luisa
Rubrik: studium
Nov 20, 2015

Studentenleben live

Rosensieg

Mit Poetry Slam bin ich das erste Mal in Kontakt gekommen, als wir in der Oberstufe in Deutsch darüber geredet haben. Ganz interessant, aber nicht wirklich mein Genre, war damals mein Fazit, daher habe ich das Thema erst einmal auf Eis gelegt. Doch vor zwei Jahren habe ich durch meine ebenfalls sprachverliebte engste Freundin wieder davon gehört. Wir schicken uns häufig Videos von Slam-Auftritten, die wir gut fanden, oder empfehlen uns gegenseitig einen Slammer. Irgendwie kam dadurch bei mir der Wunsch auf, selbst einmal auf einer Bühne zu stehen. Seitdem habe ich immer wieder versucht, irgendetwas zu schreiben, und mich beim Bonner Rosenkrieg anzumelden, dem hiesigen Poetry Slam.

Am letzten Sonntag im Oktober war es dann so weit. Ich stand im Nyx, der Poetry-Slam-Kneipe in Bonn, und wurde von Minute zu Minute aufgeregter. Ein bisschen Selbstvertrauen gab mir, dass einige meiner neuen Unifreunde im Publikum saßen und mir viel Glück wünschten. Dann begann schon die erste Runde. Als fünfte von sechs Teilnehmern trug ich einen Text vor, den ich geschrieben hatte, als meine Schwester nach Neuseeland geflogen war. Darin habe ich mit vielen Mathematik-Metaphern beschrieben, wie sehr ich sie vermisste. Es gab viel Applaus, meine Mathematiker-Freunde fanden den Text toll, aber die anderen Teilnehmer hatten auch gute Texte und am Ende war ich mehr als überwältigt, weil ich mit den meisten Stimmen ins Halbfinale gewählt worden war.

Mein zweiter Text war für mich vor allem ein symbolischer Abschluss mit meinem Exfreund, der gleichzeitig zum Denken anregen sollte. Es geht darum, dass jeder Mensch sein Päckchen zu tragen hat, es aber auch gut ist, wenn man Menschen hat, die in schweren Zeiten für einen da sind. Und wieder reichte es für die nächste Runde. Mein erster Poetry Slam und dann so ein Erfolg? Damit hatte ich wirklich nicht gerechnet. Die ersten beiden Plätze qualifizieren sich für die Stadtmeisterschaft nächstes Jahr, von daher hatte ich quasi schon gewonnen und trug ganz locker meinen letzten Text vor, in dem ich mit verschiedenen Emotionen untermalt beschreibe, wie emotional inkompetent ich bin, weil ich meine Gefühle nicht zeigen kann.

Um es kurz zu machen: Ich habe tatsächlich den Poetry Slam gewonnen! Ob ich im November erneut antrete, um meinen Sieg zu verteidigen, weiß ich noch nicht, momentan tue ich mich nämlich schwer mit dem Schreiben. Gerade fühlt es sich allerdings toll an, so viel positive Rückmeldung bekommen zu haben und wenn ich es schaffe, neue Texte zu produzieren, will ich sie gerne noch einmal auf einer Bühne vortragen.

Autor: Janna  |  Rubrik: studium  |  Nov 19, 2015
Autor: Janna
Rubrik: studium
Nov 19, 2015