interaktiv

Studentenleben live

Rosensieg

Autor:
Janna

Rubrik:
studium

19.11.2015

Mit Poetry Slam bin ich das erste Mal in Kontakt gekommen, als wir in der Oberstufe in Deutsch darüber geredet haben. Ganz interessant, aber nicht wirklich mein Genre, war damals mein Fazit, daher habe ich das Thema erst einmal auf Eis gelegt. Doch vor zwei Jahren habe ich durch meine ebenfalls sprachverliebte engste Freundin wieder davon gehört. Wir schicken uns häufig Videos von Slam-Auftritten, die wir gut fanden, oder empfehlen uns gegenseitig einen Slammer. Irgendwie kam dadurch bei mir der Wunsch auf, selbst einmal auf einer Bühne zu stehen. Seitdem habe ich immer wieder versucht, irgendetwas zu schreiben, und mich beim Bonner Rosenkrieg anzumelden, dem hiesigen Poetry Slam.

Am letzten Sonntag im Oktober war es dann so weit. Ich stand im Nyx, der Poetry-Slam-Kneipe in Bonn, und wurde von Minute zu Minute aufgeregter. Ein bisschen Selbstvertrauen gab mir, dass einige meiner neuen Unifreunde im Publikum saßen und mir viel Glück wünschten. Dann begann schon die erste Runde. Als fünfte von sechs Teilnehmern trug ich einen Text vor, den ich geschrieben hatte, als meine Schwester nach Neuseeland geflogen war. Darin habe ich mit vielen Mathematik-Metaphern beschrieben, wie sehr ich sie vermisste. Es gab viel Applaus, meine Mathematiker-Freunde fanden den Text toll, aber die anderen Teilnehmer hatten auch gute Texte und am Ende war ich mehr als überwältigt, weil ich mit den meisten Stimmen ins Halbfinale gewählt worden war.

Mein zweiter Text war für mich vor allem ein symbolischer Abschluss mit meinem Exfreund, der gleichzeitig zum Denken anregen sollte. Es geht darum, dass jeder Mensch sein Päckchen zu tragen hat, es aber auch gut ist, wenn man Menschen hat, die in schweren Zeiten für einen da sind. Und wieder reichte es für die nächste Runde. Mein erster Poetry Slam und dann so ein Erfolg? Damit hatte ich wirklich nicht gerechnet. Die ersten beiden Plätze qualifizieren sich für die Stadtmeisterschaft nächstes Jahr, von daher hatte ich quasi schon gewonnen und trug ganz locker meinen letzten Text vor, in dem ich mit verschiedenen Emotionen untermalt beschreibe, wie emotional inkompetent ich bin, weil ich meine Gefühle nicht zeigen kann.

Um es kurz zu machen: Ich habe tatsächlich den Poetry Slam gewonnen! Ob ich im November erneut antrete, um meinen Sieg zu verteidigen, weiß ich noch nicht, momentan tue ich mich nämlich schwer mit dem Schreiben. Gerade fühlt es sich allerdings toll an, so viel positive Rückmeldung bekommen zu haben und wenn ich es schaffe, neue Texte zu produzieren, will ich sie gerne noch einmal auf einer Bühne vortragen.

Diesen Artikel teilen