interaktiv

Studentenleben live

Was ist wichtig?

Autor:
Luisa

Rubrik:
studium

01.12.2015

Den Alltag erlebe ich mit schwerer Literatur unter dem einen und Laptop unter dem anderen Arm. Von der Vorlesung geht’s in die Bibliothek, von der Bibliothek zum Sport und von da aus ins Bett, um für den nächsten Tag wieder fit zu sein. Jede Minute ist verplant mit Lernen, „aktiver“ Entspannung, Freunde treffen, Aufgaben des Alltags. Da bleibt mir wenig Zeit, um innezuhalten und ein bisschen über das Leben zu reflektieren.

Rausgerissen aus dem Alltag werde ich regelmäßig durch zwei Sachen: Erstens gibt es die „Law Clinic“, in der Studierende zusammen mit Anwälten eine ehrenamtliche Rechtsberatung anbieten. Bei der letzten Beratung war eine äußerst kompetente Sozialberaterin bei uns und ließ sich von dem Anwalt an meiner Seite beraten. Sie beeindruckte mich durch wahnsinnige Sachkompetenz, eine sehr schnelle Auffassungsgabe und Sprachkenntnisse in mindestens vier Fremdsprachen. Aber einem Anschreiben an den Arbeitgeber eines ihrer Klienten, der von ihr als Sozialarbeiterin kommt, wird wenig Beachtung geschenkt – und so muss sie den Rechtsanwalt bitten, diesen Brief aufzusetzen. Dabei wurde mir bewusst, mit was für essentiellen Problemen andere Menschen zu kämpfen haben. Ich bekam einen Einblick in die Welt der Arbeitgeber und in die der Arbeitnehmer, die um jeden Euro kämpfen müssen.

Zweitens finde ich Ablenkung vom Alltag durch die Vortragsreihe „Was ist wichtig“, in der ein Professor regelmäßig in kleiner Runde eindrucksvolle Bekannte von ihm einlädt, um darüber zu reden, was in ihrem Leben wichtig ist. Bei der letzten Veranstaltung erzählte die derzeitige Pastorin der St. Michaelis-Kirche in Hamburg (dem guten, alten Michel) von ihrem Werdegang und den Herausforderungen in ihrem Leben. Sie berichtete von ihrer Doppelrolle als Pastorin, die allzeit verfügbar sein soll, und der Mutter und Ehefrau, die Zeit mit ihrer Familie verbringen will. Kritische Fragen beantwortete sie ruhig und bedacht. Aufrichtig erzählte sie von schwierigen Zeiten in ihrem Leben und persönlichen Momenten, in denen sie auch ins Zweifeln gekommen ist. Sie ist eine Frau, die mit beiden Beinen im Leben steht und die die gesamte Zuhörerschaft mit ihrer authentischen und ruhigen Art in ihren Bann gezogen hat. Ich empfinde die Vortragsreihe als ein Durchatmen vom akademischen Alltag und eine Inspiration und Rückbesinnung auf das, was im Leben wirklich zählt.

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