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Bachelor live

Der Seebär

Im März führte mich die Recherchereise für unseren Zweitjahresfilm an der Filmhochschule München nach Hamburg. Da wir einen Film über Containerschiffahrt machen, landeten wir irgendwann in einem Seemannsclub mitten im Hamburger Hafen. Dort kam ich mit Max ins Gespräch. Er ist Ehrenamtlicher in dem Seemannsclub und besucht in dessen Auftrag Schiffe, um sich um die Belange der Seeleute an Deck zu kümmern. Hauptsächlich verkauft er SIM-Karten und macht dabei auf den Seemannsclub aufmerksam. Dort können die Seeleute, die sich gerade in Hamburg aufhalten, verschiedene Angebote nutzen; zum Beispiel können sie Billard, Tischtennis und vieles mehr spielen. Es gibt eine Bar, Sofas und Sessel zum Chillen und auch einen Raum der Stille. Da haben ganz viele Religionen ihren eigenen Schrein und die Seeleute aus aller Welt können zu ihrem jeweiligen Gott beten.
Irgendwann erzählte Max, dass er selbst lange Zeit zur See gefahren ist. In den 1960er-Jahren ging er im zarten Alter von 15 Jahren das erste Mal an Bord eines Frachters. Er hat damals noch mit Leuten zusammengearbeitet, die in den 1950er-Jahren von Deutschland aus auf Walfang gegangen waren. Die ganze Welt hat er gesehen, wobei er vor allem in Südamerika unterwegs gewesen ist.
Heute ist der Warentransport über Container ein nicht mehr weg zu denkender Standard. Damals allerdings wurde die Ladung noch in Säcken und Kisten transportiert und musste von Hand oder per Kran verladen werden. Insgesamt fuhr Max über zwanzig Jahre zur See, bevor er dann als Hafenarbeiter in Hamburg anfing. Das Leben als Seemann habe sich seither grundlegend verändert. Heute würde er die Arbeit auf den Containerschiffen nicht mehr machen wollen.

Autor: Conny   |  Rubrik: orientieren  |  Apr 26, 2019
Autor: Conny
Rubrik: orientieren
Apr 26, 2019

Bachelor live

Dionysos Stadt

An den Münchner Kammerspielen steht ein Stück namens „Dionysos Stadt“ auf dem Spielplan. Es orientiert sich an den griechischen Dionysien, den antiken Festspielen zu Ehren des Gottes Dionysos, und dauert mit Pausen ganze zehn Stunden. Auf moderne Weise werden darin die großen griechischen Tragödien behandelt.
Mit meiner Freundin ging ich an einem Samstag um 13 Uhr in das Stück. Auch wenn wir uns erst wieder gegen 23 Uhr auf den Heimweg machen würden, hatte ich nicht das Gefühl, eine große Anstrengung vor mir zu haben. Ich konnte mich eigentlich ganz gut auf diesen Zeitrahmen einstellen, auch wenn er sich völlig abseits von meinem alltäglichen Zeitrhythmus bewegt. Der Saal war voll, bevor es losging, gab es eine Einführung durch den Hauptdarsteller Nils Kahnwald. Einem Rentner in der ersten Reihe versprach er fünfzig Euro, wenn er bis zum Ende bleiben würde. Den Schein pinnte Kahnwald gut sichtbar an den Bühnenrand. Die Einführung ging dann fließend über ins Spiel. Im ersten Teil ging es um Prometheus, der den Menschen das Feuer brachte und dadurch den Zorn und die Strafe des Zeus auf sich zog. Nach zwei Stunden gab es die erste halbstündige Pause. Dehn- und Gymnastikübungen fanden in den Gängen statt. Teil zwei behandelte in einem bildgewaltigen Bühnenbild und mit fulminanter Live-Musik die Schlacht von Troja. Gegen 18 Uhr war dann die große Halbzeitpause, in der wir uns ein Stück Pizza am Marienplatz holten.
Der dritte Teil „Die Orestie“ war komplett improvisiert und im Stil einer Telenovela à la „Sturm der Liebe“ inszeniert. Es war ein makabrer Mix aus witziger Unterhaltung und brachialer Gewalt. In der folgenden Pause wurden die Gymnastikübungen ausgedehnter, ebenso wie die Euphorie über das Spektakel, das dargeboten wurde.
Im vierten und letzten Teil spielten die Bühnendarsteller auf einem Kunstrasen eine halbe Ewigkeit Fußball. Dazu wurde ein Essay vorgetragen über den legendären Kopfstoß von Zinédine Zidane im WM-Finale 2006. Nach all den niederträchtigen Wirbelstürmen auf der Bühne stellte sich schließlich ein Gefühl menschlicher Demut ein. Es ging am Ende nicht darum, die griechische Mythologie intellektuell zu verstehen und deuten zu können, sondern es war ein zutiefst menschliches Stück, das auch aufgrund der Länge die Kraft hatte, im Publikum eine Gemeinschaft entstehen zu lassen. Ich war auf merkwürdige Weise erschöpft und doch hellwach und wahnsinnig beseelt von der Erfahrung der letzten Stunden. Die versprochenen 50 Euro wurden dem Rentner tatsächlich ausgehändigt. Aber das Geld war am Ende mehr als nebensächlich.

Autor: Conny   |  Rubrik: studium  |  Apr 11, 2019
Autor: Conny
Rubrik: studium
Apr 11, 2019

Bachelor live

Die Messe

In meinen Semesterferien habe ich mehr Zeit, meinem Nebenjob als Werkstudent in einer Münchner Werbeagentur nachzugehen. Ich wurde Mitte Januar ins Boot geholt, um den einzigen Videoredakteur der Firma zu unterstützen. Bisher habe ich allerdings leider nicht so viel zu tun gehabt, weil die Auftragslage im Videobereich dünn war.
Jetzt stand aber eine Messe in Wetzlar an, bei der die Agentur vor allem auf der Suche nach neuen Kunden war sowie die Vermarktung nach außen übernahm. Am Sonntag fuhr ich also mit zwei Kollegen aus der Agentur nach Hessen. Da der Hauptsitz der Agentur in Gießen ist, war der größte Teil des Messeteams aus diesem Büro.
Die Messe selbst fand am Montag und Dienstag statt, wobei Montag der wichtigste Tag war, denn hier sollte am Abend ein Film über den ersten Tag gezeigt werden. Für mich im Videoteam bedeutete das also, den Film noch am selben Tag fertigzustellen.
Der Arbeitsprozess sah so aus, dass wir bis zum frühen Nachmittag Interviews mit Besuchern, Ausstellern oder Vertretern aus Politik und Wirtschaft drehten sowie allgemeine Eindrücke und Schnittbilder vom Treiben auf der Messe sammelten. Ab 14 Uhr setzte ich mich dann an den Rechner, sichtete das gedrehte Material, sortierte aus und übergab meine Auswahl dem federführenden Videoredakteur, der bereits parallel die Interviews geschnitten hatte, die das Gerüst des Videos bildeten. Er stellte den finalen Schnitt in Windeseile fertig, sodass wir den Veranstaltern um 18.30 Uhr den fertigen Film präsentieren konnten.
Viele, die mit dem Herstellungsprozess von Videos und Filmen nicht vertraut sind, sehen dahinter wahrscheinlich gar nicht den Aufwand. Trotzdem waren viele beeindruckt, dass wir Aufnahmen im Film hatten, die nur wenige Stunden zuvor entstanden waren. Damit hat die Agentur eine hohe kreative und organisatorische Leistungsfähigkeit bewiesen. Am Ende waren die Veranstalter total begeistert und auch ich war zufrieden mit meiner persönlichen Arbeit und dem gelungen Einstand in der Firma. Mein Start in die Agentur und das Team hätte kaum besser laufen können.

Autor: Conny   |  Rubrik: studium  |  Apr 5, 2019