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Freiwilligendienst im Ausland

Faszination Fahrrad: Von Bratislava nach Belgrad III

Autor:
Inga

Rubrik:
auszeit nach dem abi

29.08.2011

Ich hatte als einzige keinen Reisepass und auch noch nie in meinem Leben einen benötigt. Auf der Seite des Auswärtigen Amts stand Schwarz auf Weiß geschrieben, dass mein Personalausweis für die Einreise nach Serbien und Kroatien ausreichen würde, Erfahrungsberichte besagten aber, dass gerade in Serbien Grenzbeamte aus Lust und Laune lieber den Reisepass sehen.

Ein wenig eifersüchtig schielte ich auf die frischen Stempel meiner Mitradler, die ihre Pässe rasch zuklappten und sich auf ihre Räder schwangen. Dem Erstaunen des Grenzers über 14 Radler, die munter durch Europa fuhren, war es zu verdanken, dass ich neben dem „okay“ nicht nur meinen Perso, sondern auch ein Blatt Papier mit serbischem Stempel zurückbekam. Wie ein Schneekönig freute ich mich über meinen ersten improvisierten Einreisestempel und fast noch mehr darüber, nach acht Tagen endlich im Zielland angekommen zu sein!

Tatsächlich war die Ankunft in Belgrad überwältigend. Wir hatten knapp 800 Kilometer geschafft, keiner hatte aufgegeben, wir hatten uns durch Regen, Wind, Hitze, über Berge, Landstraßen, Schotter und sogar Schnellstraßen gekämpft, und waren endlich am Ziel. Im Park traten unsere Cellisten ein letztes Mal auf, unter freiem Himmel, die Sterne lachten auf uns herab und ein jeder war zu Recht stolz auf sich. Wir strahlten eine besondere Stimmung aus, der Moment zählte, wir waren hier und nirgendwo anders, endlich, nach tagelangen Strapazen dort angekommen, wo wir hinwollten, und mancher war zu Tränen gerührt. Es war der schönste Abend der ganzen Tour.

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