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Freiwilligendienst im Ausland

Hasta luego, Mexiko City!

Autor:
Maja

Rubrik:
orientieren

15.04.2013

Erst habe ich mich gefragt, ob ich den Blog „Adios (tschüß) Mexiko City“ nennen soll, aber dann dachte ich mir „hasta luego“ (bis demnächst) trifft es besser. Vor einer Woche bin ich nämlich aus meiner neuen Heimatstadt auf Zeit zurück nach Deutschland geflogen. Der Abschied war hart, aber es lässt sich doch besser aushalten, wenn man davon ausgeht, bald zurückzukommen.

Obwohl ich ein knappes halber Jahr in Mexiko-Stadt gewohnt habe, konnte ich bei einem Zwischenstopp nach meiner zweimonatigen Reise immer noch viel entdecken: Ich war beispielsweise mit Freunden in Ixtapalapa, einem Stadtteil von Mexiko-Stadt, der für eine ganz besondere Osterprozession bekannt ist. Es war angekündigt, dass drei Millionen Menschen hier sein würden. Wir hatten aber das Gefühl, dass zwei Nullen zu viel angehängt worden waren. Es war beeindruckend zu sehen, wie viel Mühe sich hier an Ostern gegeben wird, den Leidensweg Christi nachzuspielen. Die Prozession zieht fast die gesamte Osterwoche durch den Stadtteil. Als wir dort waren, haben wir die Episode gesehen, in der Jesus zum Tode verurteilt wird.

Eine weitere Entdeckung war für mich der „Mercado de Sonora“, auch als Hexenmarkt bezeichnet. Diesen wollte ich schon die ganze Zeit mal besuchen, bin aber aus unerfindlichen Gründen nie dazu gekommen. Man arbeitet sich durch die Gemüseabteilung und den Papierdekorations- und Plastikblumenteil vor zum Tiermarkt. Wenn dieser erfolgreich durchquert und auch die Holzlöffel- und Schnitzereiwarenstraße passiert sind, kommt man am eigentlichen Hexenmarkt raus. War es die ganze Zeit davor extrem laut und haben alle wild durcheinander geschrien, ist es jetzt auf einmal recht ruhig. Alle sprechen leise oder flüstern. Man hört nur ein seltsames Schaben und Quieken und irgendwelche komischen Gesänge von CDs, die zum Verkauf angeboten werden. Hier bekommt man alles, was man als private Hexe braucht: asiatisches und blondes Frauenhaar, Schädel, Kräuter und Samen aller Art, Hufeisen, Handschellen, Schlangenhaut, Heiligenstatuen, Trommeln, Harze und Rinden, Frösche und Ratten… Ich kam mir vor wie in einem Museum. Ich habe Zitronengras und Kardamom für einen Tee gekauft, aber eigentlich nur, um mir die Stände ein bisschen genauer anschauen zu können. Sogleich wurde ich gefragt, wofür ich die beiden Zutaten brauchen würde. Die Verkäuferin wollte wissen, gegen oder für was dieser Tee denn sei. Nur zum trinken und weil er lecker ist, gab ich zurück. Ich bin schließlich keine Hexe!

Diese netten Entdeckungen, die ich zusammen mit meinen mexikanischen Freunden gemacht habe, haben mir den Abschied nicht gerade leicht gemacht. Aber ich weiß ja: eines Tages werde ich zurückkehren. Hasta luego!

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