interaktiv

Freiwilligendienst im Ausland

Zu spät begriffen

Autor:
Katha

Rubrik:
orientieren

16.07.2015

Vor einigen Tagen meldeten die Medien wieder einen islamistisch motivierten Anschlag in Frankreich. Die Explosion eines ganzen Gaswerks, in dem zu diesem Zeitpunkt eine Menge Menschen arbeiteten, konnte nur knapp verhindert werden. Diese Nachrichten und die darauf folgende Berichterstattung bringen mich dazu, noch einmal zu reflektieren, was vor fast genau einem halben Jahr in Paris passiert ist.

Es war der 7. Januar 2015. Wie üblich saßen meine beiden Kolleginnen und ich in der Mittagspause bei mir im Zimmer und wir unterhielten uns. Bevor es wieder losging, las ich noch schnell die Spiegel-Eilmeldungen vor: Eigentlich alles wie immer. Irgendwas mit Pegida und ein Attentat. Ich wusste also ziemlich schnell davon, hatte die Tragweite dieser Meldung aber noch nicht begriffen.

Erst am nächsten Tag, als ich mich in einer Hals über Kopf für das ganze Haus anberaumten Schweigeminute wiederfand und ein französischer Nachrichtensender jegliche andere Sendung zugunsten einer permanenten Live-Berichterstattung aus dem Programm strich, wurde mir klar, welch ein erschreckender Ignoranzprozess bei mir eingesetzt hatte. Denn obwohl ich die Meldung gelesen hatte, wurde ich nicht darauf aufmerksam, was eigentlich gerade passierte. Zu viele Nachrichten über Ereignisse, die ziemlich weit entfernt geschehen waren, führten bei mir dazu, die Meldung schlicht und einfach zu überlesen. Nicht einmal das Wort „Attentat“ ließ mich hochschrecken. Da sieht man mal wieder, wie teilnahmslos man wird, wenn man täglich mit so vielen schlechten Nachrichten konfrontiert wird. Und das erschreckt mich sehr!

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