interaktiv

FSJ in Tschechien

Die großen Uni-Info-Tage

Autor:
Inga

Rubrik:
auszeit nach dem abi

16.07.2010

In weiser Voraussicht beschloss ich letzten Freitag, mich um meine fernere Zukunft zu kümmern. Ein Freiwilliges Soziales Jahr ist schön und gut, aber es ist immerhin nur ein Jahr und endet folglich in relativ absehbarer Zeit. Und danach? Ich wollte nicht schon wieder vor unzähligen unkonkreten Angeboten unbekannter Institutionen stehen, sondern gleich weiter steigen auf der Karriereleiter. Ich war also höchst motiviert, mir die Universität der Nachbarstadt bei einem Hochschulinformationstag anzuschauen, Bewerbungs- und Einschreibedaten hatte ich strebsam aus dem Internet abgeschrieben und nun war ich also auf dem Weg  (ich gestehe zum ersten Mal) zu einer, so dachte ich, riesigen Universität, die nur geballte Intelligenz und Bildung beherbergen konnte. In meiner malerischen Bilderbuchvorstellung war eine Universität mindestens zweihundert Jahre alt, ein wundervoller Altbau mit einem großen, grünen Campusgelände und vielen Studenten, die auf einer Wiese liegen und Bücher lesen oder Karten spielen.

Als ich an der Uni ankam, prüfte ich mit einem schnellen Blick aufs Navi, ob ich hier richtig war, denn es schien mir, als sei ich geradewegs zu meiner alten Schule gefahren, denn ein Betonklotz mit unbeschreiblichen Dimensionen warf seinen Schatten auf eine riesige Asphaltfläche, die wohl einen Parkplatz darstellen sollte. Erschrocken drehte ich mich um und nahm vier bis fünf ähnliche Betonbauwerke wahr, die mir derart bedrohlich vorkamen, dass sich in meinem Kopf das Wort „Gefängnis“ bildete. Ich schluckte kurz und betrat mutig das Gebäude.
Ein sichtlich steifer Professor im Anzug mit rosa Krawatte begrüßte uns und beglückwünschte uns, eine gute Wahl getroffen zu haben: Jura an „seiner“ Uni. Ich war nicht wirklich überzeugt davon, Jura studieren zu wollen, aber für eine Infoveranstaltung reichte mein Interesse und so ließ ich zweieinhalb Stunden die Worte zweier Professoren, eines Rechtsanwaltes, einer Staatsanwältin und einer Richterin über mich ergehen, und hatte für den Rest meines Lebens genug von Jura. Noch in der folgenden Nacht träumte ich von Paragraphen, Zahlen, ungerechten Entscheidungen, Akten und miefigen Büroräumen.

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