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Mein Freiwilliges Jahr

Welpen

Autor:
Thilo

Rubrik:
orientieren

25.08.2015

Seit einer Weile haben wir zwei neue Freiwillige im Krankenhaus, die ich einweisen soll. An ihrem ersten Tag waren beide unheimlich nervös und unsicher. Er hat gerade sein Abitur gemacht und weiß nicht, was er machen will, weshalb er dieses Jahr zur Orientierung nutzen möchte. Er sieht aus wie eine Mischung aus Bad Boy und Schnösel und hat einen ziemlich kruden Humor. Sie kommt von der Realschule, lebt im betreuten Wohnen mit zwei Jungs zusammen und möchte nach dem FSJ auch in der Pflege arbeiten. Die beiden könnten nicht unterschiedlicher sein. Eine Gemeinsamkeit haben sie aber: Sie werden mir tierisch auf die Nerven gehen.

Das meine ich nicht mal böse. Es ist nur so, dass ich die ständige Fragerei aushalten muss. War ich auch so? Ich muss mir eingestehen, dass ich vermutlich sogar noch schlimmer war. Nicht nur einmal wurde ich deshalb zusammengefaltet, weil ich Menschen von ihrer Arbeit abhielt. Somit muss ich hier Nachsicht zeigen.

Außerdem arbeiten sie sehr langsam. Es ist echt irre, wie unsicher sie sind und wie oft man die Anweisungen wiederholen muss. Dabei fällt mir aber wieder ein, dass mir anfangs auch alles doppelt und dreifach erklärt wurde und erklärt werden musste. Da war keine Ungeduld, sondern sehr viel Rücksicht. Also: freundlich bleiben.

Interessant ist, wie die beiden Freiwilligen an alles herangehen. Sie machen noch aus allem ein großes Ding, weil es für sie neu ist. Medikamente fehlen auf der Station: Katastrophe! Ein Patient hat ist verwirrt: Weltuntergang! Jemand hat die Patientenakte verlegt: ein immenses Vergehen! Was mir mittlerweile völlig normal erscheint, ist für die beiden dermaßen besonders, dass sie es mir auch immer brav erzählen.

Eine Woche muss ich die beiden beim Patiententransport anleiten. Wie mobilisiert man Patienten? Wie schiebe ich Betten und Rollstühle? Wo finde ich die Akten und Kurven? Wo ist das MRT? Wo die CT? Sonographie? Angiographie? EKG? Am Ende haben sich die beiden doch ganz gut angestellt – und in einem Jahr werden sie die Neuen einlernen und vermutlich genauso denken wie ich jetzt.

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