interaktiv

Die Lehrer von morgen

Erwachsen werden

Autor:
Hannah

Rubrik:
studium

17.10.2017

Ich befinde mich gerade in einer seltsamen Phase. Eine sehr gute Freundin hat dieses Jahr geheiratet, eine andere ist verlobt. Das ist ein merkwürdiges Gefühl für mich, denn ich lebe immer noch im Studentenwohnheim in einer WG, führe eine Fernbeziehung und bin nicht einmal so sehr in die Familie meines Freundes integriert, dass wir gemeinsam Weihnachten feiern. Dabei bin ich eigentlich gedanklich gar nicht so weit von diesem Erwachsenenleben entfernt. Ich bin aus dem WG-Alter raus und freue mich, wenn meine Mitbewohnerinnen mal außer Haus sind und ich die Wohnung ganz für mich habe. Ich sehne mich danach, allein oder mit meinem Freund zusammen zu wohnen.
Gestern hat mich ganz spontan eine Freundin nach ihrer Examensprüfung besucht und ich habe mehrere Stunden mit ihr verbracht. Durch diese Spontaneität habe ich mich wie im ersten Semester gefühlt, weil meine Tage nun normalerweise durchstrukturiert sind mit ausgemachten Treffen, Arbeit und Uni. Freunde in weiter entfernten Städten habe ich schon länger nicht mehr gesehen – in den ersten Semestern war das einfacher. Da hatte ich noch keinen Nebenjob und keinen Stress und ich war fast verbissen darauf, Menschen kennenzulernen und mir ein Umfeld aufzubauen. Jetzt bin ich voll und ganz hier angekommen und suche wo es geht nach Freiräumen, nach Zeit für mich. Das ist in meiner aktuellen Situation ziemlich schwierig, da meine Mitbewohnerin und gute Freundin gerade ihr Examen absolviert und im Anschluss für ihr Referendariat nach Freiburg ziehen wird – da müssen wir die verbliebene gemeinsame Zeit nutzen.
Na ja, wahrscheinlich ist diese Phase gar nicht so seltsam. Wir werden erwachsen und setzen das eben unterschiedlich gut um. Wirklich seltsam ist nur die Vorstellung, dass zwei meiner Freundinnen diesen Herbst ihr Studium beenden und dann nicht mehr im Raum Stuttgart wohnen werden. Nach dem Abi habe ich zu vielen Freunden den Kontakt verloren. Wie sich das mit Freunden aus dem Studium verhält, kann ich noch nicht einschätzen – und davor habe ich wirklich ein wenig Angst.

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