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Praktikum im Studium

Frühstück auf dem Dach

„Wollen wir hochgehen zum Frühstücken?“, fragte mich meine Mitbewohnerin an meinem ersten Dienstag auf Zypern. Wir waren beide aufgestanden, um zur Arbeit zu gehen, und hatten uns zufällig in der Küche getroffen. Dort hatten wir Brote mit Hummus bestrichen und ich hatte mich gerade an unseren Esstisch gesetzt. Da war ich doch etwas verwirrt: Wollte sie lieber alleine in ihrem Zimmer essen?
Fehlanzeige: Was mir vorher noch gar nicht aufgefallen war, war, dass man von unseren Zimmern aus über den Balkon auf das Dach unseres Hauses klettern konnte. Seitdem sitzen wir dort Morgen für Morgen, erzählen, was am Tag zuvor passiert ist, und frühstücken. An manchen Tagen ist es morgens schon so warm und die Sonne scheint so grell, dass ich befürchte, mir schon beim Frühstück einen Sonnenbrand zu holen. Richtig schön ist es aber trotzdem.
Für mein Praktikum auf Zypern bin ich in eine WG gezogen. Damit habe ich richtig Glück gehabt: Wir sind eine recht bunte Mischung! Clara ist bereits seit einem knappen Jahr hier und kommt aus Schweden. Sie hat erst ein Praktikum in Nikosia gemacht, dann ein Jobangebot bekommen und ist kurzerhand geblieben. Marine kommt aus Frankreich, wohnt bereits seit acht Jahren auf Zypern, ist aber erst kurz vor mir in unser Haus gezogen. Sie hat Literaturwissenschaft studiert und promoviert an einer zyprischen Uni. Dann ist da noch Tommy aus Belgien, der ein Praktikum in einem Begegnungszentrum in der UN-Pufferzone macht. Er geht in wenigen Wochen und seine Nachfolgerin ist bereits ins Gästezimmer gezogen: Iris kommt aus den Niederlanden und wird zuerst ein Praktikum in einem Museum in Nikosia machen und anschließend hier ihre Masterarbeit für die Uni schreiben.
Ich finde diese Mischung super spannend! Wir sind alle nicht auf Zypern aufgewachsen und haben Lust, die Stadt und das Land zu erkunden: Gerade seitdem sich Clara ein Auto gekauft hat, wird uns nicht mehr langweilig!

Autor: Marie  |  Rubrik: orientieren  |  Sep 10, 2019

Praktikum im Studium

Was ist auf Zypern los?

Es ist nicht ganz einfach, die Geschichte Zyperns zu erzählen. Die beiden größten Volksgruppen, die heute auf der Insel leben, sind die griechischen Zyprioten und die türkischen Zyprioten. Seit einigen Jahrzehnten stehen sie im Konflikt zueinander: Die Vereinten Nationen entsenden daher seit 1964 Soldaten aus verschiedenen Ländern nach Zypern, um den dortigen Waffenstillstand zu bewachen. Die sogenannte „Friedenstruppe der Vereinten Nationen in Zypern“ ist nach der Friedensmission in Indien und Pakistan sowie der in Israel und Palästina die, deren Einsatz unter den laufenden Missionen schon am drittlängsten andauert, weil der Konflikt nicht gelöst werden kann. Durch ihn gerät man auch schnell in Gefahr, die Geschichte der Insel auf eine Art und Weise zu erzählen, mit der sich eine der beiden Gruppen hintergangen führt. Stattdessen werde ich beschreiben, wie ich Zypern und insbesondere die Hauptstadt Nikosia heute erlebe: Die UN-Pufferzone, die von jenen UN-Soldaten bewacht wird, zieht sich quer durch die Insel und auch quer durch die Altstadt Nikosias, in deren Süden ich wohne.
Nördlich von der UN-Pufferzone wohnen vor allem türkische Zyprioten. Nachdem die Insel geteilt wurde, wurde dort die „Türkische Republik Nordzypern“ ausgerufen. Diese wird nur von der Türkei anerkannt: Das bedeutet, dass nur die Türkei öffentlich sagt, dass es sich dabei wirklich um einen eigenen Staat handelt. Südlich von der UN-Pufferzone wohnen vor allem griechische Zyprioten. Die Republik Zypern, die daher auch nur das Gebiet südlich von der Trennlinie kontrollieren kann, ist inzwischen auch Mitglied der Europäischen Union.
Die Meinungen im Süden sind unterschiedlich: Einige glauben, dass nur das Anerkennen der nördlichen Regionen als eigener Staat der Insel Frieden bringen kann. Viele sind aber strikt dagegen. An einer Haustür einige Meter von meiner entfernt hängt ein Plakat, das dazu aufruft, eben nicht von der „Türkischen Republik Nordzypern“, sondern von „durch die türkische Armee besetzten Gebiete“ zu sprechen.
All das klingt nach komplizierter Politik, aber es hat auch Auswirkungen auf meinen Alltag: Knapp zwanzig Meter Luftlinie nördlich von meinem Haus liegt ein Café, in das ich gerne mit Freunden gehe. Ohne die UN-Pufferzone wäre ich ziemlich schnell dort. Weil ich durch sie aber erst zum nächsten Checkpoint laufen und dort auf beiden Seiten meinen Ausweis vorlegen muss, um die Pufferzone durchqueren zu können, dauert der Fußweg eine knappe halbe Stunde. Da wird mir jedes Mal bewusst, welche Bedeutung Grenzen doch haben.

Autor: Marie  |  Rubrik: orientieren  |  Sep 4, 2019

Praktikum im Studium

Drei Tage voller Aufregung

In ein neues Land zu ziehen, das ist wohl nie langweilig. Für ein Praktikum in einer politischen Stiftung auf Zypern bin ich an einem Samstag aufgebrochen. Weil die Hauptstadt Nikosia, in der ich arbeiten würde, keinen Flughafen hat, bin ich zuerst nach Larnaka, einer kleineren Stadt an der zyprischen Küste, geflogen. Als ich dort ankam, war es bereits kurz vor Mitternacht. Mein erster Eindruck von Zypern: Freundlich waren die Menschen, auf die ich traf, nicht gerade. Egal wen ich darum bat, mir dabei zu helfen, den richtigen Bus zu finden, meist wurde ich weggeschickt.
Gefunden habe ich die Ferienwohnung, die ich mir für die erste Nacht gebucht hatte, dann doch noch. Statt an einer Hotelrezeption konnte ich mir den Schlüssel in einem Supermarkt abholen. Erwartet hatte ich ein winziges Hostelzimmer, tatsächlich gebucht eine Ferienwohnung mit mehreren Zimmern und großem Doppelbett. Schlafen konnte ich die erste Nacht trotzdem nicht. Ich bin mir selbst nicht sicher, woran es liegt, aber bisher sind mir am Anfang von jedem Auslandsaufenthalt Zweifel gekommen. Drei Monate in einem so spannenden Land wie Zypern zu verbringen, das klang vorher super. In der Nacht lag ich aber wach und fragte mich, ob ich hier Freunde finden, ob ich überhaupt sicher in Nikosia ankommen und ob meine Wohnung einigermaßen gemütlich sein würde.
Letztere Angst entpuppte sich ziemlich schnell als unberechtigt: Nach einer knappen Stunde Busfahrt nach Nikosia am nächsten Tag zog ich meinen Reisekoffer durch enge Gassen auf der Suche nach dem Haus, in dem ich wohnen würde. Eine Mitarbeiterin der Stiftung, bei der ich das Praktikum machen würde, hatte mir den Kontakt zum Vermieter vermittelt, der in seinen E-Mails aber recht kurz angebunden wirkte. Als ich bei ihm klingelte, war er dafür umso herzlicher: Er ist Architekt, besitzt mehrere Häuser in Nikosia und scheint die Zimmer leidenschaftlich gerne an Erasmusstudierende, Auslandspraktikanten und Menschen, die aus anderen Gründen länger auf Zypern sind, zu vermieten.
Eine weitere Angst wurde mir noch einen Tag später genommen: bei meinem ersten Arbeitstag. Erst da erfuhr ich, dass ich einen Mitpraktikanten hatte, der gleichzeitig mit mir in der Stiftung arbeiten würde und mir auch gleich eine Stadtführung gab. Außerdem hätte ich herzlicher von den Mitarbeitern nicht begrüßt werden können. Alles in allem dann doch ein sehr gelungener Einstieg!

Autor: Marie  |  Rubrik: studium  |  Aug 28, 2019
Autor: Marie
Rubrik: studium
Aug 28, 2019