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Studieren im Ausland

Versuchskaninchen für die Wissenschaft

Unters Messer für die Forschung? Nicht ganz, aber von 7:30 Uhr bis 16:30 Uhr in einem Sessel sitzen, Blutproben abgeben und nach Plan essen und trinken, um eine Bitterpille aus Kräuterstoffen darauf zu testen, ob sie den Appetit vermindern kann, erscheint mir in Ordnung. Laut den Wissenschaftlern könnte das ein Heilmittel gegen Fettleibigkeit und Übergewicht sein. Für mich als Versuchskaninchen bedeutet es genügend Zeit zu haben, um mehr über das Leben eines Wissenschaftlers zu erfahren.

Edward erklärt, wieso Akademiker und Wissenschaftler seiner Meinung nach erst in den späten 30ern Familien gründen: „Du hast einen Ein-Jahres-Vertrag und im Anbetracht der Ausbildung, die du genossen hast, ist der Gehaltscheck gar nicht so hoch. Keine Bank gibt dir auf dieser Basis ein Darlehen. Für einen anderen Job bist du zu überqualifiziert. Und einfach aus der Tür gehen kannst du auch nicht, weil du viel zu spezialisiert ist, und nicht so leicht eine andere Stelle findest.“ Bis ein Produkt marktreif ist, können Jahrzehnte vergehen.

Die Bitterstoffe scheinen anzuschlagen, mit geringen Nebenwirkungen wie Durchfall. Evolutionstechnisch erklärt Edward das so: Wir haben Geschmacksrezeptoren im Mund und in unserem Magen. Sobald Bitterstoffe über diese Rezeptoren wahrgenommen werden, ist das eine Warnung dafür, dass das, was auch immer dem Körper zugeführt wurde, giftig oder unverträglich sein könnte. Nach dem Motto „lieber hungern als sterben“ suggeriert der Körper ein Völlegefühl oder zumindest den Anreiz, die Nahrungsaufnahme zu stoppen. „Es ist schon ein gutes Gefühl, vielleicht etwas gutes für die Gesellschaft zu tun“, meint der Versuchsleiter, der davor im Leistungssport geforscht hat. Ich jedenfalls bekam 150 Dollar für meinen „Körpereinsatz“.

Autor: Manuel  |  Rubrik: studium  |  Jun 13, 2014
Autor: Manuel
Rubrik: studium
Jun 13, 2014

Studieren im Ausland

Fischsuppe mit Lesebrille

Gestern spielte auf dem Roznik, dem Hausberg von Ljubljana, eine der bekanntesten Ex-Yu-Rockbands, nämlich Riblja Corba (Serbisch für „Fischsuppe“).

Diese alten Bands, wie Hladno Pivo, Bjelo Dugme und noch viel mehr erfreuen sich auf dem ganzen Balkan großer Beliebtheit. Das wusste ich natürlich schon aus meiner Zeit in Novi Sad, aber es war mir nicht klar, dass es auch in Slowenien eine so große Jugo-Nostalgie gibt. Schließlich steht Slowenien im Vergleich zu den anderen ex-jugoslawischen Staaten noch ganz gut da und müsste sich nicht nach den „guten alten Zeiten unter Tito“ zurücksehnen. Aber wahrscheinlich ist es einfach etwas Menschliches, die Vergangenheit zu glorifizieren.

Das Konzert jedenfalls war sehr gut besucht, die Fans drängelten sich, man wurde von links nach rechts und wieder zurück geschubst und alle - außer uns Erasmus-Studis - konnten die Texte lückenlos mitsingen. Die Rocker sahen zugegebenermaßen nicht mehr so frisch aus wie in den Videos aus den Achtzigern, aber da sie ja auch schon im Rentenalter sind, sei ihnen das verziehen. Sie erinnerten mich ein bisschen an die Stones, die ja auch noch touren, obwohl sie sich in ihren Lehnstuhl zurückziehen könnten. Es ist schön, wenn Musiker nicht die Freude an der Musik verlieren, und noch bis ins hohe Alter auf der Bühne stehen. Aber ganz ernst konnte ich den Frontsänger nicht mehr nehmen, als er kurz vor Beginn des zweiten Liedes seine Lesebrille aus der Tasche zog und begann, den Text von einem DIN-A4-Blatt abzulesen. Schade, dass er selbst nicht mehr wusste, wie der Text eigentlich ging. Aber immer noch besser, als wenn er etwas Falsches gesungen hätte. Dann wären die Fans wahrscheinlich auf die Barrikaden gegangen. Dann doch lieber eine kleine Gedankenstütze für Senioren. Schließlich hatten auch die Stones in Berlin 2006 ein Display, auf dem der Text mitlief, und eine der großen Berliner Zeitungen titelte: „I can't get no ... ähh?“

Was mir persönlich zu denken gegeben hat, war die Tatsache, dass neben uns ein paar Fans plötzlich ihre serbische Flagge aus der Tasche zogen und anfingen, sie herumzuschwenken und sich vor ihr zu fotografieren. Andere Fans streckten Daumen, Zeige- und Mittelfinger hoch, was ein serbisch-nationalistischer Gruß ist. Ist denn Riblja Corba nicht eine Band aus der Zeit, in der Jugoslawien noch ein Land war und die einzelnen Ethnien nicht versuchten, sich mit allen nationalistischen Mitteln voneinander abzugrenzen? Im Prinzip natürlich schon, das Problem ist nur, dass die Band und vor allem der Frontsänger wohl während der 90er Jahre die Serbische Armee in Bosnien und Kroatien unterstützte und zum Teil sehr fragwürdige Lieder aufnahm. Erstaunlich, dass sie in Slowenien aufgetreten sind, wo Menschen aus allen Ex-Yu-Staaten zusammenleben. Aber vielleicht ein Schritt in die richtige Richtung, wenn die Fans das auch so verstehen würden.

Autor: Rose  |  Rubrik: studium  |  Jun 11, 2014
Autor: Rose
Rubrik: studium
Jun 11, 2014

Studieren im Ausland

Angemalter Hahn

Ich bedankte mich bei meinen Nachbarn dafür, dass ich ihr Telefon hatte benutzen dürfen, und ging strahlend zurück zu in meine Wohnung. Ich hatte noch ein paar Stunden Zeit, bis mein Betreuer kommen würde, und so kochte ich noch die restlichen Bohnen, zusammen mit Reis und machte mir dazu einen Tomaten-Zwiebel-Salat. Diese Tradition hatte ich aus Nicaragua übernommen. „Gallo Pinto“ heißt das nicaraguanische Nationalgericht, was so viel wie „angemalter Hahn“ bedeutet, da die Bohnen den weißen Reis rot färben. Über die letzten Jahre war es zu dem Essen geworden, das ich am häufigsten bei mir zu Hause gekocht hatte, und während die anderen Austauschstudierenden, die mit nach Fortaleza gekommen waren, nicht sonderlich begeistert gewesen waren, als sie hörten, dass auch in Fortaleza viele Leute täglich Reis mit Bohnen aßen, war ich völlig zufrieden damit.

Autor: Esther  |  Rubrik: studium  |  Jun 11, 2014
Autor: Esther
Rubrik: studium
Jun 11, 2014