interaktiv

Studieren im Ausland

Am Puls Europas

Autor:
Luisa

Rubrik:
studium

06.11.2017

Am Europakolleg zu studieren, heißt, nah am Puls der (europäischen) Zeit zu sein. Mitzuerleben, wie die Spanier entsetzt und fassungslos den Vorlesungssaal verlassen, als die Katalanen ihre Unabhängigkeit erklären. Einem Streitgespräch zwischen zwei Italienern zu lauschen, ob die Lombardei die Unabhängigkeit verdient hätte. Mit den Briten darüber zu trauern, dass es den Brexit geben wird. Und auch mehr über Nachbarländer der EU zu lernen, beispielsweise über den Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan, der immer noch Auswirkungen auf die jüngste Generation hat.
Ich muss zugeben, am Anfang war diese Internationalität einer der Gründe, warum mir das Einleben schwerer fiel als zu Beginn meines Studiums in Hamburg. Ich habe hier gemerkt, dass ich mit Deutschen mehr gemeinsam habe, als ich dachte. Die Unterschiede zu den anderen Nationalitäten haben es mir erschwert, schnell Freundschaften zu schließen. Denn hier gibt es nicht den „kleinsten gemeinsamen Nenner“, auf den man sich bei Auslandssemestern berufen kann – zum Beispiel, aus dem gleichen Land oder vom gleichen Kontinent zu kommen. Denn es geht ja gerade darum, sich nicht immer mit den Deutschen zusammenzutun, sondern darum, unter diesen 50 Nationalitäten seine Freunde zu finden, ohne sich auf Gemeinsamkeiten wie Sprache, Filme aus der Kindheit oder Politik auszuruhen. So kann man nur wenige Filter anwenden, um sich Freunde aus diesen 350 Menschen rauszusuchen – und das führt zu Überforderung.
Wenn man sich jedoch an diese Vielfalt gewöhnt hat, ist sie wahnsinnig bereichernd. Ich genieße es, kurz nach der Wahl in Österreich mit mehreren Österreichern über das Ergebnis diskutieren zu können. Oder mit Belgiern darüber, warum Populismus bei ihnen gar nicht als problematisch angesehen wird. Ich finde es aufregend, auf einer persönlichen Ebene so viele der aktuellen europa- und weltpolitischen Probleme mitzuerleben, und möchte immer wieder daran erinnert werden, warum ich so von der Idee und den Werten der Europäischen Union überzeugt bin. Und je weiter das akademische Jahr fortschreitet, desto eher finden sich Gemeinsamkeiten. Zum Beispiel das schwierige Paper über eine wirtschaftspolitische Empfehlung für einen europäischen Staat, unter dem meine Kommilitonen und ich gerade leiden - gemeinsam.

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