interaktiv

Studieren im Ausland

Sesam öffne dich

Autor:
Luisa

Rubrik:
studium

29.05.2018

Die Einwohner Brügges fand ich von Beginn an nett. Ich wurde schon auf der Straße angesprochen (natürlich nur auf solchen, die nicht von Touristen überfüllt waren) und gefragt, ob ich hier neu bin, wie mir die Stadt gefällt, wo ich herkomme und was ich hier mache. Dabei führt eine bestimmte Kombination aus Eigenschaften dazu, dass noch mehr Türen geöffnet werden als erwartet: Nett und offen zu sein – und Studierender am Europakolleg.
In letzter Zeit häuften sich die positiven Erlebnisse: Ich bekam überraschend eine kostenlose Führung durch eine der Radiostationen in Brügge, erhielt in einer Kirche den Schlüssel für einen Turm, auf den sonst kein Tourist darf, und in einem Frauenkloster traf ich die Frau eines der ersten Rektoren des Europakollegs, die sich unbedingt mit heutigen Studierenden unterhalten wollte.
Solche inspirierenden Begegnunen zeigen mir, dass das Interesse am Europakolleg groß ist. Das einzige Problem: Wir leben hier in einer Blase. Da man alle Mahlzeiten am Kolleg bekommt, müsste man theoretisch nicht mal einkaufen gehen! Die Routen beschränken sich für viele auf Wohnheim – Bibliothek – Mensa. Selbst wenn man abends weggehen will, ist donnerstags die Studentenbar geöffnet und samstags sind oft Veranstaltungen in den Wohnheimen geboten. Berührungspunkte mit der Außenwelt gibt es kaum.
Daher ist es schwierig, mit den Einheimischen in Kontakt zu treten. Viele Brüggeler vermeiden die touristische Innenstadt, Hochschulsport gibt es nicht und die Veranstaltungen, die für alle Studierende aus Brügge offen sind, fallen für uns vom Europakolleg meist in Klausurphasen oder Phasen mit sonstigen Abgabefristen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich hier gar nicht so richtig Fuß gefasst habe.
Ein Schritt in die richtige Richtung ist daher aus meiner Sicht das Gastfamilienprogramm, bei dem der Kontakt zwischen einem Studierenden und einem Ehepaar aus Brügge hergestellt wird. Schon jetzt bin ich mir ziemlich sicher, dass ich mit meiner Gastfamilie mein Leben lang in Kontakt bleiben werde.

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