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Studieren im Ausland

Wir müssen reden

Vor ein paar Wochen war ich auf einer von der pro-europäischen Vereinigung „EU-topia“ organisierten Veranstaltung zur Rechtsstaatlichkeit in Ungarn. Auf dem Podium sprachen eine Journalistin, eine polnische Studentin vom Europakolleg und der ungarische Botschafter in Belgien. Diese Veranstaltung hat mir sehr deutlich gemacht: Man darf nie aufhören, zu reden. Der Botschafter wusste von Anfang an, dass er sich in dieser Runde in der Defensive befinden würde. Er wollte „dem Rest von Europa“ die ungarische Sicht auf die Dinge näherbringen, „sonst kommt man nicht weiter“. Und nachdem meine Perspektive durch seine Argumente deutlich erweitert wurde, kann ich nicht anders als ihm zuzustimmen.
Dieselbe Erkenntnis habe ich auch am Europakolleg gemacht. Erst heute erzählte mir eine Kommilitonin aus der Ukraine, dass sie sich trotz aller Spannungen zu den russischen Austauschstudierenden gesetzt hat, weil dies eine einmalige Gelegenheit zum Reden sei. Armenische und aserbaidschanische Studenten treffen aufeinander und sind gezwungen, sich miteinander zu arrangieren. Spanische Separatisten und Unionisten liefern sich am Mittagstisch hitzige Diskussionen. Und mit den Polen und Ungarn bedauert man die Probleme der Rechtsstaatlichkeit in ihren Heimatländern – oder debattiert darüber.
Eine weitere Erfahrung, die mir die Notwendigkeit – und auch die Vorzüge – des „Miteinander-Redens“ vor Augen geführt hat, sind die pro-europäischen „Pulse of Europe“-Demonstrationen. „Die EU ist nicht sozial.“ „Die EU? Bloß nicht!“ „Es geht denen eh nur ums Geld.“ Solche Äußerungen kommen immer wieder und zeigen, wie wichtig es ist, mit Menschen zu reden und ihnen eine andere Sicht auf die Dinge zu bieten.

Autor: Luisa  |  Rubrik: studium  |  Jun 6, 2018
Autor: Luisa
Rubrik: studium
Jun 6, 2018

Studieren im Ausland

Auf den Spuren der Prager deutschen Autoren - 2

Im vergangenen Winter war der Auftakt des Projekts zur „Prager deutschen Literatur“, organisiert von der Leipziger und der Prager Germanistik. Das Projekt widmet sich jedes Jahr einem anderen Autoren der Gruppe, über den am Ende ein Sammelband mit Artikeln verschiedener Arbeitsgruppen veröffentlicht wird. Zunächst trafen wir uns alle in Prag und machten uns mit dem Schriftsteller Oskar Baum vertraut und fanden Themen, die wir in unseren Beiträgen behandeln wollen. Nun fand in Leipzig das zweite Treffen statt.
Oskar Baum als enger Vertrauter von Max Brod und Franz Kafka ist aus meiner Sicht eine besonders spannende Persönlichkeit – gerade auch, weil über ihn bisher nur sehr wenig geschrieben wurde und seine Werke mitunter nur schwierig zu bekommen sind. Baum erblindete im Alter von elf Jahren vollständig, was er in seinen Werken thematisierte. Die Beiträge, die in Leipzig vorgestellt wurden, widmeten sich verschiedenen Facetten von Baums Leben und Wirken. Zwei Erzählungen wurden von der Gruppe aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet. Es war dabei nicht nur spannend, sich mit dem Werk näher vertraut zu machen, sondern auch, 20 verschiedene Studierende in ihren Referaten sprechen zu hören.
In meinem Beitrag werde ich gemeinsam mit einer Prager Studentin Baums Rolle im Prager Kreis, das heißt innerhalb der Prager deutschen Autoren, näher beleuchten. So war Baums Wohnung in Prag zentraler Treffpunkt des Kreises. Auch Kafka verkehrte hier regelmäßig und führte darüber hinaus – unter anderem während seines Aufenthalts bei seiner Schwester auf dem Land in Zürau – einen intensiven Briefwechsel mit Oskar Baum.
Die einzelnen Beiträge werden in den kommenden Monaten noch geschliffen, außerdem gibt es noch vieles zu recherchieren. Schon jetzt hat mir das Projekt einen ganz neuen Blick auf Prag und das Leben der Prager deutschen Autoren beschert.

Autor: Ferdinand  |  Rubrik: studium  |  Jun 1, 2018
Autor: Ferdinand
Rubrik: studium
Jun 1, 2018

Studieren im Ausland

Sesam öffne dich

Die Einwohner Brügges fand ich von Beginn an nett. Ich wurde schon auf der Straße angesprochen (natürlich nur auf solchen, die nicht von Touristen überfüllt waren) und gefragt, ob ich hier neu bin, wie mir die Stadt gefällt, wo ich herkomme und was ich hier mache. Dabei führt eine bestimmte Kombination aus Eigenschaften dazu, dass noch mehr Türen geöffnet werden als erwartet: Nett und offen zu sein – und Studierender am Europakolleg.
In letzter Zeit häuften sich die positiven Erlebnisse: Ich bekam überraschend eine kostenlose Führung durch eine der Radiostationen in Brügge, erhielt in einer Kirche den Schlüssel für einen Turm, auf den sonst kein Tourist darf, und in einem Frauenkloster traf ich die Frau eines der ersten Rektoren des Europakollegs, die sich unbedingt mit heutigen Studierenden unterhalten wollte.
Solche inspirierenden Begegnunen zeigen mir, dass das Interesse am Europakolleg groß ist. Das einzige Problem: Wir leben hier in einer Blase. Da man alle Mahlzeiten am Kolleg bekommt, müsste man theoretisch nicht mal einkaufen gehen! Die Routen beschränken sich für viele auf Wohnheim – Bibliothek – Mensa. Selbst wenn man abends weggehen will, ist donnerstags die Studentenbar geöffnet und samstags sind oft Veranstaltungen in den Wohnheimen geboten. Berührungspunkte mit der Außenwelt gibt es kaum.
Daher ist es schwierig, mit den Einheimischen in Kontakt zu treten. Viele Brüggeler vermeiden die touristische Innenstadt, Hochschulsport gibt es nicht und die Veranstaltungen, die für alle Studierende aus Brügge offen sind, fallen für uns vom Europakolleg meist in Klausurphasen oder Phasen mit sonstigen Abgabefristen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich hier gar nicht so richtig Fuß gefasst habe.
Ein Schritt in die richtige Richtung ist daher aus meiner Sicht das Gastfamilienprogramm, bei dem der Kontakt zwischen einem Studierenden und einem Ehepaar aus Brügge hergestellt wird. Schon jetzt bin ich mir ziemlich sicher, dass ich mit meiner Gastfamilie mein Leben lang in Kontakt bleiben werde.

Autor: Luisa  |  Rubrik: studium  |  May 29, 2018
Autor: Luisa
Rubrik: studium
May 29, 2018