interaktiv

Studieren im Ausland

Es riecht nach Abschied

Autor:
Luisa

Rubrik:
studium

06.07.2018

Noch eine Woche bis zur Abschlussfeier. Das Thema Abschied begleitet mich überall. Schon vor Wochen kamen die ersten E-Mails mit Dingen, die wir für das Ende des Studienjahres berücksichtigen müssen, mit Informationen, letzten Umfragen zu den Kursen und dem Studienjahr. Einladungen zu Abschlusspartys häuften sich.
Insbesondere von der Verwaltung bekommt man klar vermittelt, dass unser Abschied keine Lücken hinterlassen wird: Auszug ist am Montag in einer Woche; spätestens um 10 Uhr morgens muss ich mein Zimmer geräumt haben – keine Zeit zum Ausschlafen, für ein Frühstück mit Freunden oder um ein letztes Mal sentimental durch Zimmer und Wohnheim zu schlendern. Auch die anderen E-Mails mit den Informationen, was wir noch alles erledigen müssen, sind nüchtern gehalten. Kein warmes Wort des Abschieds; kein Verständnis dafür, dass einigen diese Zeit des Abschieds vielleicht schwerfällt. Wobei, einigen fällt es anscheinend überhaupt nicht schwer, sie sind teilweise schon abgereist.
Wenn man Erzählungen vom College vor 30 Jahren mit unserer Situation heute vergleicht, habe ich schon etwas Wehmut à la „die guten alten Zeiten“: Damals waren es 80 Studierende, der Rektor saß inmitten seiner Schüler beim Abendessen und hat fleißig mitdiskutiert. Insgesamt schien in dieser kleineren Gruppe ein viel größerer Zusammenhalt und Austausch zu herrschen. Das ist zwar nicht völlig verloren gegangen, aber ich habe das Gefühl, dass auch das Europakolleg unter Rationalisierung und den Zwängen des Kapitalismus gelitten hat. Es wirkt auf mich manchmal wie ein Durchschleusen von Studierenden zu kommerziellen Zwecken. Wie viele sind tatsächlich noch aus idealistischen Gründen hier und wie viele nur, um Karriere bei der EU zu machen? Zwar kann man sich mit vielen gut unterhalten, aber nur über gesellschaftliche, politische Themen. Philosophische, moralische oder persönliche Unterhaltungen hatte ich weniger als erhofft.
Klar, es liegt immer an jedem Jahrgang, etwas aus der Zeit am College zu machen. Aber durch die steigende Zahl an Studierenden und der Sachlichkeit der Verwaltung glaube ich, dass einiges an Atmosphäre und Potenzial des Colleges im Laufe der Jahre abhandengekommen ist.

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