interaktiv

Auszeit vom Studium

Begegnungen - Teil 2

Autor:
Thilo

Rubrik:
orientieren

03.04.2018

Wir erreichten Laos auf dem Landweg. In Houay Xai, einem kleinem Ort am Mekong, entschieden wir uns, bei einem kleinen Projekt zu helfen. Dieses unterstützt insbesondere Menschen aus abgelegenen Bergdörfern, indem ihre Produkte verkauft, lokale Gerichte im Restaurant angeboten und die Kinder zur Schule geschickt werden. Wir fragten die Leiter, ob wir für ein paar Tage mitarbeiten könnten. Wir durften, für 25 Euro am Tag. Wir erhofften uns, bei der Arbeit mit den Einheimischen in Kontakt zu kommen. Doch unser Aufenthalt in Nepal hätte uns eines Besseren belehren müssen: Wir können nicht erwarten, innerhalb von drei Tagen Freundschaften zu schließen. Wieder einmal waren wir zu ungeduldig und deshalb enttäuscht, obwohl wir mit den Einheimischen zusammen Holz gehackt, Fußball auf einem hervorragenden Kunstrasenplatz gespielt und dem Restaurant einen neuen, bunten Anstrich verliehen hatten.
Unzufrieden verließen wir Houay Xai. Hätten wir länger bleiben sollen? War man mit uns zufrieden? Und wo kommen diese Erwartungen bloß her? Es brauchte Zeit, sie wegzuwischen und uns selbst anzuerkennen, dass wir freiwillig unsere Zeit und Geld aufbringen, um zu helfen.
Es ging weiter in den hohen Norden nach Phongsaly, um dort ein Dorf der Akha zu besuchen. Wir übernachteten bei einer Familie, lernten ihr Leben kennen – und fühlten uns in eine andere Welt versetzt. Toiletten gab es keine, wir und vier weitere Traveller schliefen nebeneinander in einem kleinen Raum, umgeben von grunzenden Schweinen und krähenden Hähnen. Negativ war für uns, dass wir recht deutlich zu spüren bekamen, dass die Akha uns weniger als Menschen, sondern als Einnahmequellen betrachten. Trotzdem haben wir mehr gelernt und erfahren, als es zunächst schien. Es sind wie immer unsere Ansprüche, die die Eindrücke schmälern.

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