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Auszeit vom Studium

Das goldene Land - Teil 2

Autor:
Thilo

Rubrik:
orientieren

30.04.2018

Wir haben in den vergangenen Monaten auf unserer Reise schon so manchen Markt bestaunt, die Vielfalt an Produkten bewundert und auch die Art und Weise, wie Lebensmittel präsentiert werden können. Aber auf einem Markt mit einem Einheimischen zu sein, ist eine gänzlich neue, bereichernde Erfahrung, Cotu ließ uns ständig wissen, was die Verkäufer über uns sagten, nämlich meistens, dass sie uns schön finden und mögen, wie wir lächeln. Sie boten uns verschiedene Gemüsesorten an – einer sogar ein ganzes Schwein – und buhlten um unsere Aufmerksamkeit. Es herrschte eine herzliche Atmosphäre.
Ein Burmese lud uns sogar auf die Hochzeit seines Sohnes ein, die direkt am Markt stattfand. Wir setzten uns auf die kleinen Plastikstühle, bekamen eine klassische burmesische Nudelsuppe sowie Tee und mussten zur Gegenleistung etliche Fotos mit dem Brautpaar, deren Eltern, Freunden und Verwandten schießen. Traditionell sitzen die unverheirateten Frauen am Eingang der Hochzeit und empfangen die Gäste und deren Geschenke für das Brautpaar, was ihnen Glück für die Partnersuche in Zukunft bringen soll. Auf dem Markt kauften wir noch klassische burmesische Wickelröcke (Longyi), blieben an einem Süßigkeitenstand hängen und genossen ein unglaublich gutes burmesisches Frühstück in einen unscheinbaren Imbiss.
Schließlich starteten wir das richtige Abenteuer mit dem 22-jährigen Bruder von Cotu, dessen leichtsinniger und arroganter Fahrstil auf dem Motorrad bei mir mehrere Beinah-Herzinfarkte verursachte. Wir machten Halt auf einer lächerlich hohen Brücke, genossen dabei den Ausblick über das schier endlose Tiefland Myanmars und legten Kilometer um Kilometer auf unserem Weg zum Schlangentempel zurück. Dieser wirft die Frage auf, ob es nicht doch eine höhere Macht gibt. Denn hier leben 50 Boa Constrictor, wohl eine der gefährlichsten Schlangenart der Welt, mit drei Nonnen und Mönchen zusammen – sie schlafen sogar nebeneinander! Befremdlich und bedrohlich ist die Stimmung für uns dennoch, als wir all die ineinander gewundenen Reptilien in den Fenstern liegen sahen.
Das Highlight des Tages aber wartete noch auf uns, schließlich wurden wir zu Cotu und seiner Familie nach Hause eingeladen. Und genau dort wurden wir mit uns selbst konfrontiert …

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