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Auszeit vom Studium

Das goldene Land - Teil 2

Wir haben in den vergangenen Monaten auf unserer Reise schon so manchen Markt bestaunt, die Vielfalt an Produkten bewundert und auch die Art und Weise, wie Lebensmittel präsentiert werden können. Aber auf einem Markt mit einem Einheimischen zu sein, ist eine gänzlich neue, bereichernde Erfahrung, Cotu ließ uns ständig wissen, was die Verkäufer über uns sagten, nämlich meistens, dass sie uns schön finden und mögen, wie wir lächeln. Sie boten uns verschiedene Gemüsesorten an – einer sogar ein ganzes Schwein – und buhlten um unsere Aufmerksamkeit. Es herrschte eine herzliche Atmosphäre.
Ein Burmese lud uns sogar auf die Hochzeit seines Sohnes ein, die direkt am Markt stattfand. Wir setzten uns auf die kleinen Plastikstühle, bekamen eine klassische burmesische Nudelsuppe sowie Tee und mussten zur Gegenleistung etliche Fotos mit dem Brautpaar, deren Eltern, Freunden und Verwandten schießen. Traditionell sitzen die unverheirateten Frauen am Eingang der Hochzeit und empfangen die Gäste und deren Geschenke für das Brautpaar, was ihnen Glück für die Partnersuche in Zukunft bringen soll. Auf dem Markt kauften wir noch klassische burmesische Wickelröcke (Longyi), blieben an einem Süßigkeitenstand hängen und genossen ein unglaublich gutes burmesisches Frühstück in einen unscheinbaren Imbiss.
Schließlich starteten wir das richtige Abenteuer mit dem 22-jährigen Bruder von Cotu, dessen leichtsinniger und arroganter Fahrstil auf dem Motorrad bei mir mehrere Beinah-Herzinfarkte verursachte. Wir machten Halt auf einer lächerlich hohen Brücke, genossen dabei den Ausblick über das schier endlose Tiefland Myanmars und legten Kilometer um Kilometer auf unserem Weg zum Schlangentempel zurück. Dieser wirft die Frage auf, ob es nicht doch eine höhere Macht gibt. Denn hier leben 50 Boa Constrictor, wohl eine der gefährlichsten Schlangenart der Welt, mit drei Nonnen und Mönchen zusammen – sie schlafen sogar nebeneinander! Befremdlich und bedrohlich ist die Stimmung für uns dennoch, als wir all die ineinander gewundenen Reptilien in den Fenstern liegen sahen.
Das Highlight des Tages aber wartete noch auf uns, schließlich wurden wir zu Cotu und seiner Familie nach Hause eingeladen. Und genau dort wurden wir mit uns selbst konfrontiert …

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  Apr 30, 2018
Autor: Thilo
Rubrik: orientieren
Apr 30, 2018

Auszeit vom Studium

Das goldene Land - Teil 1

Yangons Piere bieten eine spannende Kulisse: Über den breiten Yangon-Fluss, der die ehemalige Hauptstadt Myanmars und die Provinz Dala wie zwei Welten trennt, schippern unzählige, völlig überfüllte Passagierbötchen. Große Containerschiffe werfen Wellen auf, die diesen Nussschalen das Leben schwer machen. Zudem kreisen die Möwen aufgeregt im Licht der absinkenden Sonne. Hier trafen wir auf Cotu, der unseren Myanmar-Aufenthalt prägen und uns das Land näher bringen sollte.
Cotu ist ein 26 Jahre alter Mann, der in der Provinzstadt Dala lebt, die wenig vom wachsenden Reichtum Yangons abbekommt. Seit zwei Jahren studiert er an der Universität in Yangon Englisch – was man hört, denn er spricht akzentfreies Englisch. Er sprach uns einfach an: „Wo kommt ihr her?“ So kamen wir ins Gespräch – bis er fragte, was wir uns in Myanmar ansehen wollen: eher Attraktionen wie die Shwedagon-Pagode und die Tempelfelder von Bagan oder das Leben abseits der abgetretenen Pfade? Wir liebten seit unserer Zeit in Nepal das Ursprüngliche und Echte, deshalb mussten wir nicht lange überlegen – worauf uns Cotu zu unserer Überraschung kurzerhand zu sich nach Hause einlud.
Am nächsten Morgen fuhren wir mit ihm per Fähre nach Dala. Dort angekommen, lernten wir Cotus Vater kennen. Vor ein paar Jahren hat er einen Schlaganfall erlitten, wurde aber aufgrund des fehlenden Geldes nicht medizinisch behandelt. Es gibt keine soziale Absicherung in Myanmar, weshalb die Familie für sich selbst aufkommen muss. Cotu arbeitet als Putzkraft in verschiedenen Einrichtungen, während sein 22-jähriger Bruder auf den Straßen Yangons Wasserflaschen verkauft. Es ist ein hartes Leben. Trotzdem freute sich Cotus Vater über unseren Besuch. Uns wurde bewusst, wie groß der Kontrast zwischen der Metropole Yangon und dieser kleinen, nur einen Katzensprung entfernten Stadt Dala ist. Wenig später wurden wir von Cotus jüngerem Bruder und einem seiner Freunde mit gemieteten Motorrädern überrascht. Und los ging ein neues Abenteuer.

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  Apr 19, 2018
Autor: Thilo
Rubrik: orientieren
Apr 19, 2018

Auszeit vom Studium

Kopflos in Kambodscha

Auf dem Mekong, diesen ungreifbaren Mengen Wassers, ging es mit dem Boot von Vietnam nach Norden, Richtung Kambodscha. Wir übernachteten in Phnom Penh, der Hauptstadt des faszinierenden Landes. Leider ist sie auch die weltweite Hochburg für Kinderprostitution und -handel, erfuhren wir. Zuletzt besuchten wir Angkor Wat, den größten Tempelkomplex der Welt, der wohl bei jedem Asien-Reisenden auf der To-do-Liste steht.
Julia und ich ließen uns treiben, lauschten mal mehr, mal weniger aufmerksam all den Ausführungen und Erzählungen des Reiseleiters, der mit seiner monotonen Erzählweise oft Anlass gab, ein kleines Nickerchen zu machen. Wir genossen zusammen mit Julias Eltern die guten Hotels, die oft ein eigenes Universum darstellten und mich überforderten – diesen Luxus bin ich nicht gewohnt. Oft sehnten wir uns nach Freiheit und nach Leerlauf, um über Erlebtes und Gelerntes nachdenken zu können, wie wir es zuvor oft in Nepal, Thailand und Laos getan hatten. Stattdessen ging es schnell von einem Programmpunkt zum nächsten. Immerhin wurde es dadurch nie langweilig.
Dennoch bin ich mehr als dankbar und froh, von Julias Eltern auf diese zweiwöchige Reise mitgenommen worden zu sein. In Siem Reap verabschiedeten wir sie schließlich, um uns zu unserem letzten Reiseziel aufzumachen …