Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Barrierefrei studieren?

Ich fordere Gerechtigkeit (Teil 3 von 3)

Schon im Magisterstudiengang muss ich manchmal von früh bis spät lernen. Wochenlang. Und im Bachelor werden weit mehr Klausuren geschrieben. Außerdem fällt hier bei der Endabrechnung jede Note ins Gewicht.

In einer Sonderregelung soll daher festgelegt werden, dass Behinderte, bei denen nun einmal ein nicht zu bestreitender Härtefall vorliegt, die Regelstudienzeit überschreiten dürfen. Natürlich müssen sie das nicht. Und ich will es auch nicht. Ein Semester länger zu studieren oder auch zwei, das ist für mich kein Nachteilsausgleich. Das ist ein gestohlenes Jahr.

Aber welche Alternative gibt es?

Wahrscheinlich keine. Wer einen gleichwertigen Abschluss braucht, kann schließlich nicht weniger oder vereinfachte Prüfungen ablegen. Denn damit hätte er keine vergleichbaren Kenntnisse vorzuweisen.

Zudem hat nicht jeder Behinderte gegen die gleichen Erschwernisse anzukämpfen. Ein Rollstuhlfahrer oder auch ein Lahmer braucht beim Lesen nicht so lange wie ein Blinder. Er muss keinen Text einscannen. Aber auch er hat Schwierigkeiten, zum Beispiel wenn es darum geht, pünktlich zu den Seminaren zu kommen. Die Wege sind manchmal lang, die Minuten, die zwischen einer und der nächsten Veranstaltung liegen, nur wenige.

Doch für jeden einen individuellen Rahmen für die abzulegenden Leistungsnachweise abzustecken, verbietet sich von selbst.

Gerechtigkeit ist und bleibt also ein großes Wort. Und sie herzustellen, ist eine Aufgabe, an der sich letztlich jeder, auch die Universität, die Zähne ausbeißt.

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Dec 29, 2009
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Dec 29, 2009

Barrierefrei studieren?

Ich fordere Gerechtigkeit (Teil 2 von 3)

Dann stand mir die Zwischenprüfung bevor. Und ein paar meiner sehenden Kommilitonen sprachen sich dafür aus, dass ich für den Test ein weniger umfangreiches Lektürekonvolut vorbereiten sollte als sie selbst. Immerhin dauert das Lesen mit Händen und Ohren länger als das mit den Augen, weshalb ich auch für das Lernen eine Menge mehr Zeit brauche. Doppelt so lange, um das Gleiche bewältigen zu können. Sollte ich mich also nur über die Hälfte der Literatur prüfen lassen?

So etwas ist möglich, wenn vorgegeben ist, über wie viele Themen der Student grundlegend geprüft werden soll und wie viele Buchseiten auf die Anzahl der Themen zu verteilen sind. In Absprache mit dem jeweiligen Prof verringert der Student dann einfach das Textvolumen pro Thema. Aber heißt das nicht auch, dass der behinderte Student, der sich für diesen Weg entscheidet, weniger leistet als die übrigen?

Was mich betrifft, so habe ich sicherlich nicht weniger gearbeitet. Aber die inhaltliche Basis, die ich mir auf Grundlage der ausgewählten Bücher geschaffen habe, ist dennoch nicht so breit gewesen.

Nachteilsausgleich? Gerechtigkeit?

Es ließen sich zahlreiche Beispiele dafür anführen, dass Gerechtigkeit – wieder einmal – nur schwer zu gewährleisten ist. Wenn überhaupt.

So werden im Rahmen des Bildungsstreiks auch die Studienbedingungen für Behinderte verhandelt. Denn wer von ihnen kann die Anforderungen erfüllen, die ein Bachelorstudiengang an sie stellt? Ich jedenfalls bezweifle, dass ich einen Einserschnitt hätte erreichen können.

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Dec 16, 2009
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Dec 16, 2009

Barrierefrei studieren?

Ich fordere Gerechtigkeit (Teil 1 von 3)

Gerechtigkeit. Ein großer und schwer wiegender Terminus, wie sich schon in Platons Politeia zeigte. Seitdem haben immer wieder bedeutende Philosophen versucht, ihn zu bestimmen. Und nun möchte auch ich, eine kleine, blinde Studentin, etwas dazu sagen.

Auch bei uns in Erlangen halten Studenten seit Tagen das Audimax besetzt. Wir führen Großdemonstrationen durch oder tragen die Bildung zu Grabe. Einige von uns übernachten regelmäßig dort und stoßen psychisch wie physisch an ihre Grenzen, weil es so viel zu organisieren und zu diskutieren gibt. Vor allem diskutieren wir. Jeder hat etwas zu sagen.

Und ich frage mich, ob sich Gerechtigkeit gleichsetzen lässt mit Gleichberechtigung.

Aber was ist Gleichberechtigung?

Ich hatte einen Prof, der mir vorschlug, für sein Seminar kein Referat zu halten. Schließlich war ich nicht an einem Schein interessiert. Aber alle anderen Studenten, auf die das ebenfalls zutraf, mussten eine Präsentation vorbereiten. Nur dass es für mich als Behinderte viel länger gedauert hätte und viel umständlicher gewesen wäre, dies zu tun. Ist es also gerecht, mich aus der Liste der Referenten zu streichen? Ist das Gleichberechtigung? Nachteilsausgleich?

Ein anderer Dozent sorgte für Barrierefreiheit, indem er erklärte, ich müsse die klausurrelevanten Texte nicht einscannen. Stattdessen sollte ich nach einem Buch suchen, das es sowohl in Brailleschrift als auch in der normalen Printausgabe für Sehende gibt. Auf Grundlage dieses Buches erstellte der Dozent für mich eine separate Klausur.

Ist das Nachteilsausgleich?

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Dec 4, 2009
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Dec 4, 2009