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Barrierefrei studieren?

Ich fordere Gerechtigkeit (Teil 1 von 3)

Autor:
Daniela

Rubrik:
studium

04.12.2009

Gerechtigkeit. Ein großer und schwer wiegender Terminus, wie sich schon in Platons Politeia zeigte. Seitdem haben immer wieder bedeutende Philosophen versucht, ihn zu bestimmen. Und nun möchte auch ich, eine kleine, blinde Studentin, etwas dazu sagen.

Auch bei uns in Erlangen halten Studenten seit Tagen das Audimax besetzt. Wir führen Großdemonstrationen durch oder tragen die Bildung zu Grabe. Einige von uns übernachten regelmäßig dort und stoßen psychisch wie physisch an ihre Grenzen, weil es so viel zu organisieren und zu diskutieren gibt. Vor allem diskutieren wir. Jeder hat etwas zu sagen.

Und ich frage mich, ob sich Gerechtigkeit gleichsetzen lässt mit Gleichberechtigung.

Aber was ist Gleichberechtigung?

Ich hatte einen Prof, der mir vorschlug, für sein Seminar kein Referat zu halten. Schließlich war ich nicht an einem Schein interessiert. Aber alle anderen Studenten, auf die das ebenfalls zutraf, mussten eine Präsentation vorbereiten. Nur dass es für mich als Behinderte viel länger gedauert hätte und viel umständlicher gewesen wäre, dies zu tun. Ist es also gerecht, mich aus der Liste der Referenten zu streichen? Ist das Gleichberechtigung? Nachteilsausgleich?

Ein anderer Dozent sorgte für Barrierefreiheit, indem er erklärte, ich müsse die klausurrelevanten Texte nicht einscannen. Stattdessen sollte ich nach einem Buch suchen, das es sowohl in Brailleschrift als auch in der normalen Printausgabe für Sehende gibt. Auf Grundlage dieses Buches erstellte der Dozent für mich eine separate Klausur.

Ist das Nachteilsausgleich?

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