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Barrierefrei studieren?

Stecker raus

Ich versuche, die Termine mit meiner Scanassistentin immer so abzustimmen, dass ich unterwegs bin, während sie da ist. Immerhin benötigt sie meinen Arbeitsplatz. Damit mir diese Stunden, die mich einerseits entlasten sollen, andererseits nicht verloren gehen, treffe ich mich währenddessen mit Freunden, gehe zum Einkaufen oder in die Uni. Dorthin muss ich dann allerdings einen alten, absturzgefährdeten Laptop mitnehmen, dessen Akku schon vor Jahren den Dienst aufgegeben hat. Um in einer Vorlesung mitzuschreiben, reicht es aber noch ...

In einem der größeren Säle sitze ich direkt bei der Tür, denn dort befindet sich auch eine Steckdose. Nach der Vorlesung, während ich meine Mitschrift abspeichere und den Computer herunterfahre, strömen alle nach draußen. Da kann es passieren, dass der Eine oder Andere über mein Netzteil stolpert und im Kabel hängen bleibt ...

Oder es kann passieren, dass einer von ihnen spontan beschließt, mir zu helfen.

„Kann ich den Stecker schon rausziehen?“, werde ich dann gefragt.

Manchmal sage ich ja, manchmal nein. Und ich gebe überhaupt keine Antwort, wenn die Frage nicht gestellt wird. So wie neulich, als eine Kommilitonin den Stecker einfach gezogen hat. Sie hat das nur gut gemeint. Das Problem war jedoch, dass der alte Laptop wieder einmal Schwierigkeiten machte und ich noch nicht hatte speichern können. Ich schwankte zwischen Belustigung und leichtem Ärger. Und sie bot sofort an, mir ihre eigene Mitschrift zuzumailen, sobald sie sie abgetippt haben würde.

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Jul 14, 2010
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Jul 14, 2010

Barrierefrei studieren?

Vergessen!

Wäre es möglich, die Hausarbeit erst zu einem späteren Zeitpunkt abzugeben? Ich glaube, diese Frage stellen Studenten ihren Dozenten immer und immer wieder. In meinem Fall lässt sie sich aber mit dem Mehraufwand begründen, den das Erstellen einer Seminararbeit aufgrund meiner einschränkenden Behinderung für mich bedeutet. Und so habe auch ich gegen Ende des vergangenen Semesters zum ersten Mal diese Frage gestellt. Denn ich war mir nicht sicher, ob ich den Abgabetermin würde einhalten können.

Der Dozent reagierte sehr entgegenkommend. Ohne dass ich auf einen solch großzügigen Zeitraum gedrängt hätte, schlug er mir vor, dass ich mich bis Juni mit der Ausarbeitung befassen könnte, wenn ich wollte. Daraufhin passierte, was in solchen Fällen viel zu oft passiert: Ich fing an herumzutrödeln. Denn ich hatte nun weit mehr Zeit, als ich eigentlich gebraucht hätte. Und nur wenig Lust, für die Hausarbeit zu lesen und zu formulieren.

Ende Mai schrieb ich dem Dozenten und fragte ihn, ob es in Ordnung wäre, wenn ich die Arbeit bis Mitte Juni fertigstellte. Er war überrascht. Denn inzwischen hatte er schon wieder vergessen, dass er mir diesen späten Abgabezeitpunkt zugesagt hatte.  Und das war für mich kein gutes Gefühl. Ich kam mir vor, als würde ich etwas einfordern, das nie verabredet gewesen war. Als würde ich betrügen. Oder als könnte er das zumindest annehmen ... Aber was hätte ich denn machen sollen? Mir die Zusage etwa schriftlich geben lassen?

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Jul 1, 2010
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Jul 1, 2010

Barrierefrei studieren?

Eine barrierefreie Welt (Teil 2 von 2)

Wie muss man sich die Deutsche Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB) nun im Einzelnen vorstellen? Zunächst einmal ist neben jeder Bürotür auch in Brailleschrift angebracht, wer sich dahinter verbirgt. >Abtg.-Ltg.< heißt es etwa oder >Lektor<. In anderen Fällen ist zumindest die Raumnummer zu lesen. Das erleichtert die Orientierung für Blinde enorm. Hier in der Uni muss ich mir entweder einprägen, wer oder was wo zu finden ist oder ich muss nachfragen, jedes Mal.

Auch die Knöpfe des Aufzuges sind in der DZB mit Braille beschriftet. Hinzu kommt, dass es eine akustische Ansage gibt. Sobald der Fahrstuhl anhält, übermittelt mir diese, auf welchem Stockwerk ich mich soeben befinde. Ein weiterer, interessanter Punkt ist die Vereinbarung, dass Türen immer entweder ganz geöffnet sein oder aber geschlossen bleiben müssen. Damit wird verhindert, dass sich ein Blinder unangenehm stößt. Aus dem gleichen Grund achtet das Reinigungspersonal darauf, seine Wägen nicht mitten im Flur stehen zu lassen.

Mich auf diese Weise frei und sicher bewegen zu können, war eine neue Erfahrung. Und ich habe sie sehr genossen. Blind zu sein, ist in der DZB normal. Und dafür bin ich nicht nur dankbar, sondern deswegen auch entspannt. Die anderen weichen mir nicht etwa aus, weil sie verunsichert sind. Ich muss ihnen nichts erklären. Der Umgang mit mir und meiner Behinderung ist, anders als in der Gesellschaft und auch an der Uni üblich, völlig selbstverständlich und daher unproblematisch. In den Häusern der DZB findet Inklusion statt – so, wie sie gemeint ist.

 

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Jun 28, 2010
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Jun 28, 2010