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Barrierefrei studieren?

Dank meiner lieben Mutter

Ein Problem, das meine vier Wochen in Berlin betraf, konnten wir ziemlich schnell lösen. Um genau zu sein, waren es mehrere, um die sich meine Mutter kümmerte. Als im vergangenen Sommer der Praktikums-Termin stand, schlug sie vor mich zu begleiten.

Ich bin mir nach wie vor sicher, dass ich es irgendwie auch alleine geschafft hätte mich in der fremden Umgebung zurechtzufinden; nicht zuletzt, da es dort einen Begleitdienst für Blinde gibt, auf den ich dann eben gelegentlich zurückgegriffen hätte. Aber so ist es doch auch eine sehr schöne Zeit geworden. Ich hatte es bequem, weil Mama Einkauf, Kochen und Putzen übernahm, was z.B. auch hieß, dass ich den Weg zum Supermarkt nicht lernen musste. Ich konnte mich also voll und ganz auf die zahllosen Eindrücke konzentrieren, die ich im Bundestag gewann und mich an den Wochenenden entspannen. Die Wochenenden boten mir Dank Mama auch eine gute Möglichkeit, der Stadt und kulturellen Aspekten näher zu kommen. Ohne Mama wäre ich sicherlich öfter alleine in meiner Wohnung gesessen oder hätte so lange z.B. die Stasi-Gedenkstätte gesucht, bis ich verzweifelt und enttäuscht hätte aufgeben müssen.

Und auch Mama genoss die viele freie Zeit und nutzte sie zu Unternehmungen, so dass sie ganz gut mit Berlin vertraut wurde. Sie bekam wie ich einen Hausausweis für den Bundestag - als meine Begleitperson, falls ich Hilfe brauchte - und hatte damit die Möglichkeit, sich die Parlaments-Gebäude weit umfangreicher anzuschauen als die meisten anderen Besucher.

 

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Apr 9, 2008
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Apr 9, 2008

Barrierefrei studieren?

Ganz - oder gar nicht?

Als Blinde einen Praktikumsplatz zu finden, ist eine schwierige Sache - ich habe darüber berichtet. Und wenn man ihn erst einmal hat, treten weitere Probleme auf, die Sehende ohne allzu große Schwierigkeiten lösen können. Zum Beispiel, mich in der fremden Stadt zurechtzufinden; und das quasi über Nacht.

Wie komme ich am besten von meiner Wohnung zum Praktikumsplatz? Ist ein Weg mit öffentlichen Verkehrsmitteln möglich oder der Fußweg nötig? Und falls ich nicht fahren kann: Wie kompliziert ist der Fußweg? Lässt er sich leicht einprägen? Denn viel Zeit bleibt mir nicht, ihn mir zu merken. Jeder Tag zählt! Und zu spät zu kommen ist wirklich unangenehm.

Für Sehende gibt es Karten, auf denen unter anderem Straßennamen eingezeichnet sind. Für Blinde nicht. Wir müssen immer fragen, um zu erfahren, wo wir uns gerade befinden. Sehende können die Pläne von U-, S- oder Straßenbahnen lesen. Sie erfassen mit einem Blick, wie lange sie noch warten müssen, bis der nächste Bus kommt. Blinde müssen auch hier zuerst fragen. Und wenn wir eine falsche Auskunft bekommen, verfahren wir uns, weil wir uns darauf verlassen haben. Bis uns das auffällt, ist die Orientierung längst verloren. Und doch: Wir müssen irgendwie zurück. Irgendwie weiter!

In nächster Zeit will ich hier über solche, aber auch über ganz andere Erfahrungen berichten, die ich bei meinem Praktikum im Deutschen Bundestag gemacht habe. Dort konnte ich zahlreiche Eindrücke gewinnen und eine Menge Interessantes erleben, das ich gerne mit Euch teilen möchte.

 

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Apr 3, 2008
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Apr 3, 2008

Barrierefrei studieren

Tafelanschriften für Blinde

Was passiert, wenn ein Dozent etwas an die Tafel schreibt? Ganz genau: Die Studenten schreiben die Anschrift ab.

Aber was passiert, wenn eine Studentin im Kurs blind ist und der Dozent den Eintrag nicht auch diktiert?

In diesem Fall habe ich zwei Möglichkeiten: Entweder meine Kommilitonen bitten, mir die Zeilen zu diktieren, womit ich sie vom Unterricht abhalte. Oder aber, solange sich mir der Inhalt nicht auf andere Weise erschließt, zu verzweifeln. Vor allem, wenn es sich um Zeichnungen handelt. Und wenn der Dozent immer nur sagt, dass er den neuen Punkt „hier" oder „da" in die Grafik einträgt. Wo ist das, „da"?

Einen Dozenten habe ich, der beherrscht dieses Spiel bis zur Perfektion. Nicht einmal die Sehenden verstehen seine Grafiken. Oftmals versteht er sie ja sogar selbst nicht. Also ist es unmöglich den Inhalt zu begreifen, wenn man ihn lediglich hören und die einzelnen, neu besprochenen Aspekte häufig nicht schnell und eindeutig zuordnen kann.

Ich kann den Dozenten darauf hinweisen, dass er auch laut aussprechen sollte, was er an die Tafel schreibt. Manche erinnern sich regelmäßig daran. Andere vergessen es ebenso regelmäßig wieder, so dass ich nur nach der Stunde darum bitten kann, dass mir der Dozent oder eine Tutorin die Zeichnung noch einmal so erklärt, dass sie auch einer Blinden verständlich wird. Was immer wieder Zeit und Kraft kostet. Man muss zäh sein als behinderte Studentin. Und das bin ich.

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Apr 1, 2008
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Apr 1, 2008