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Barrierefrei studieren?

Wohnung gesucht

Eine Unterkunft in Berlin zu finden ist, denke ich, ohnehin nicht einfach. Ich brauchte noch dazu eine, die sich vom Bundestag gut erreichen lässt und nach Möglichkeit nicht teuer ist. Auch hier unterstützte mich Sebastian. Er schrieb mir z.B., welche öffentlichen Verkehrsmittel direkt zum Bundestag fahren, so dass ich schon einmal eine Linie hatte, an der entlang ich nach einer Wohnung suchen konnte. Dann mailte er mir die Adresse eines Vereins für Blinde. Wie sich herausstellte, sind dessen Appartements weit außerhalb und ohne Kochgelegenheit oder Bad. Und was mir am meisten widerstrebte: Angeblich vermietet dieser Verein Appartements an Blinde. Tatsächlich aber nur unter der Bedingung, dass sie eine sehende Begleitperson mitbringen! Damit ist es doch keine blinden-spezifische Hilfe, sondern gleichermaßen lachhaft und ärgerlich.

Die Wohnungssuche ging noch eine Weile weiter, bis Sebastian mir ein passendes Angebot vermittelte. Bekannte von ihm stellten mir und meiner Mutter ihre Berliner Wohnung einen Monat lang zur Verfügung. Das Gute daran war auch, dass diese so günstig gelegen ist und ich zum Bundestag nicht viel laufen, mir also nur wenig Neues einprägen musste. Die Bushaltestelle befindet sich direkt um die Ecke. Dann umsteigen am Bahnhof Zoo und später noch einmal ein kleines Stück Fußweg. Nicht der Rede Wert! Sebastian nahm sich die Zeit, mir und meinen Eltern den Weg vorab zu zeigen und schon nach meinem ersten Praktikumstag fuhr ich stolz alleine zur Wohnung zurück.

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Apr 18, 2008
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Apr 18, 2008

Barrierefrei studieren?

Nur ein bisschen mehr

Ich brauchte also eine vierte Möglichkeit, um den Streik der Berliner Verkehrsbetriebe zu überwinden. Sie fand sich zu meiner Erleichterung dann auch: Meine Mutter brachte mich jeden Morgen zur nächsten S-Bahnstation - die S-Bahnen fuhren noch -, von wo aus Sebastian mit mir zum Büro fuhr. Am Abend wartete meine Mutter dort wieder auf mich.

Sebastian ist der persönliche Referent von MdB Jörg Rohde. Während meines Praktikums beantwortete er nicht nur meine vielen Fragen, sondern zeigte mir auch alles, was ich wissen musste. Meistens war er es, der mich zu den einzelnen Veranstaltungen brachte und später zurückkam, um mich abzuholen. Auch nahm er mich jeden Mittag zum Essen mit. Und er tat noch eine Menge mehr!

Als wir einmal zu dritt unterwegs waren - Herr Rohde, Sebastian und ich -, sprach ich an, wie viel mehr Arbeit Sebastian doch mit mir als mit anderen Praktikanten hätte. „Ein bisschen schon", meinte Herr Rohde. Ich glaubte nicht richtig gehört zu haben. Wusste er denn nicht zu schätzen, was Sebastian da leistete? Aber das musste er wissen, denn manchmal kümmerte auch er sich um mich. Also wollte Herr Rohde mich vielleicht nicht kränken - eine Behinderte, die andauernd eine Begleitung braucht - und wählte deswegen diese Antwort.

Die Wahrheit wird wohl nichts davon sein, sondern ich mache mir nur - wie so oft - viel zu viele Gedanken über Kleinigkeiten. Für Herrn Rohde war das sicherlich nicht mehr als irgendeine Bemerkung. Davon bin ich überzeugt. Wie auch davon, dass ich mit Sebastian wirklich Glück hatte.

 

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Apr 15, 2008
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Apr 15, 2008

Barrierefrei studieren

Streik

Die ersten zwei Wochen lief alles rund - na ja, fast alles. Ich fuhr jeden Morgen mit dem Bus zum Bundestag und am Abend wieder zurück. Aber dann fingen die Berliner Verkehrsbetriebe an zu streiken und wir suchten eine Lösung.

Mitfahrgelegenheit? Wäre eine Möglichkeit gewesen, aber sie fiel uns zu spät ein. Zudem war es hauptsächlich die Verwaltung, die online auf dem Schwarzen Brett des Bundestages so etwas anbot; die Mitarbeiter dort begannen ihren Tag regelmäßig 2 bis 3 Stunden früher als ich.

Ein anderer, flüchtiger Gedanke war, dass MdB Jörg Rohde mit seinem Fahrdienst einen Umweg fuhr und mich mitnahm. Was ihn eine Dreiviertelstunde gekostet hätte und auch nicht immer möglich gewesen wäre. Zum Beispiel nicht, wenn er mit dem Flugzeug aus Nürnberg kam und von dort direkt zu einem Termin musste.

Dritte Idee: Ich fahre mit dem Taxi. Aber es stellte sich bald heraus, dass auch das ausgeschlossen war. Denn entweder waren die Leitungen andauernd besetzt oder es war kein freies Taxi mehr zu haben. Kein Wunder, wenn Busse, U- und Straßenbahnen streiken! Ich hatte weder ein Auto oder Fahrrad, noch wäre es mir möglich gewesen, die Strecke zum Büro zu Fuß zurückzulegen. Dagegen sprach neben meiner Blindheit die große Entfernung.

Ich brauchte also noch eine vierte Möglichkeit. Und wie sah die wohl aus? Das Büro meinte, ich könnte auch einmal zu Hause bleiben. Aber das wollte ich auf keinen Fall, schließlich hatte ich ohnehin nur zwanzig von diesen aufregenden Tagen. Nur, was dann?

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Apr 11, 2008
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Apr 11, 2008