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Barrierefrei studieren?

Mobilitätstrainer, aber nicht ausgebildet

Über den Streik der BVG habe ich ja schon berichtet. Nun wollte ich aber nicht jeden Abend von Sebastian abhängig sein. Es war doch möglich, dass ich einmal früher Feierabend machte als er oder länger blieb. Tatsächlich kam das dann nie vor, aber theoretisch stellten wir uns darauf ein, indem Sebastian mir noch den Weg vom Hauptbahnhof zum Büro und zurück beibrachte. Wir gingen ihn oft zusammen und wir gingen ihn langsam. Sebastian nahm sich die Zeit, die ich brauchte, um mir die Strecke von Mal zu Mal besser einzuprägen. Er wies mich auf Merkmale hin, die mir die Orientierung erleichterten. Und so tastete ich mich von einem Erkennungszeichen zum anderen vorwärts und immer, wenn ich das nächste erreicht habe, war mir klar, dass ich noch richtig bin.

Ich bekam das sichere Gefühl, dass Sebastian nicht zum ersten Mal mit Blinden zu tun hatte. Er wusste, wie er mir helfen konnte und er brachte Ideen ein, die mir selbst nicht in den Sinn gekommen wären. So befestigte er, damit ich unsere Bürotür gut wiederfinden konnte, schon am ersten Tag einen kleinen Gummi am Türgriff. Daher musste ich die Türen nicht jedes Mal wieder umständlich abzählen. Mit der Zeit schätzte ich z.B. die Entfernung zu den Toiletten zwar richtig ab, doch der Gummi bestätigte mir noch einmal, dass ich nicht vor der falschen Tür stand; gut so.

Innerhalb von vier Wochen wunderte sich zu meiner Überraschung nur einer darüber, der die Klinke drückte. Und niemand nahm den Gummi weg, nicht einmal eine Putzfrau.

 

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  May 16, 2008
Autor: Daniela
Rubrik: studium
May 16, 2008

Barrierefrei studieren?

Manchmal müssen Blinde eben draußen bleiben

Ich sollte vor allem die Parlaments- und sonstige Arbeit eines Abgeordneten kennen lernen. Das habe ich dann getan. Nichts machte mich so nervös wie im Plenum zu sitzen, während „mein" Abgeordneter vorne stand und redete. Zugleich war auch dies eine tolle Erfahrung. Den Umgang eines Politikers mit Vereinen konnte ich auch kennen lernen.

Ich könnte zu diesem Praktikum durchaus noch das eine oder andere schreiben. Aber was ist dabei für Blinde das Wichtigste?

Zum Beispiel, dass sie keinen Zugriff auf das Intranet haben. Ich brachte meinen Computer mit Sprachausgabe und Braillezeile selbst mit. Wenn ein Blinder ein Praktikum plant, sollte er zuerst die Schwierigkeiten ausräumen, die auftreten, weil er nicht einfach so an irgendeinem Computer arbeiten kann.

In diesem Fall wurde mir der Zugang zum Internet ermöglicht, sodass ich zumindest recherchieren konnte. Und Mails empfangen :-). Mich für das bundestagsinterne Netz freizuschalten, war hingegen nicht machbar; nicht mit einem externen Rechner, auf den ich aber nun einmal angewiesen bin. Ich fand das schade, aber verständlich. Und als Sebastian mir erzählte, was das Intranet im Vergleich zu der für alle zugänglichen Website http://www.bundestag.de zusätzlich beinhaltet, war mir klar, dass es ohnehin nicht viel mehr ist und nichts Aufregendes. Und ist nicht der Internet-Auftritt des deutschen Bundestages schon kompliziert genug? Wem die Homepage nicht vertraut ist, der sucht oft lange und vergeblich nach einer bestimmten Information.

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  May 14, 2008
Autor: Daniela
Rubrik: studium
May 14, 2008

Barrierefrei studieren?

Meine Rechte im Deutschen Bundestag Teil 2

Praktikanten im Bundestag werden nicht überfordert. Sie übernehmen häufig kleine Aufgaben wie z.B. die Post zu holen und vorzusortieren. Es ist kaum zu glauben, wie viel Post jeder einzelne Abgeordnete täglich bekommt und wie viel Zeit es schon in Anspruch nimmt, diese auch nur zu überfliegen. Ich konnte das selbstverständlich nicht tun. Ich wurde auch nicht - wie andere - mit Abspülen beauftragt. Vielmehr erledigte ich immer wieder Recherchearbeiten im Internet oder führte ab und zu ein Telefonat.

Auch überprüfte ich Herrn Rohdes Homepage auf Barrierefreiheit, so gut ich das eben konnte, nachdem ich mir dafür ein wenig Vorwissen angeeignet hatte. Diese Arbeit kostete mich viel Zeit und zahlreiche Nerven, da die Website für Blinde eine mittlere Katastrophe ist.

Zudem schrieb ich mehrere Texte, darunter zwei Reden; natürlich keine, die Herr Rohde im Plenum halten sollte. Und doch war es diese Beschäftigung, die mir am meisten Spaß machte und für mich gleichzeitig die größte Herausforderung darstellte. Was sagt man in einer Ansprache über jemanden, der geehrt wird, wenn sich über seine Person kaum Informationen finden lassen und wenn bei der Veranstaltung noch fünf weitere Redner zu Wort kommen? Und wie schafft man es ein Grußwort zu verfassen, solange man zu der Gruppe, für die es geschrieben werden soll, nicht einmal ansatzweise einen Zugang findet?

Erwartet mich im Arbeitsleben nicht genau das? Schon jetzt praktische Erfahrungen zu sammeln, ist also das A und O.

 

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  May 8, 2008
Autor: Daniela
Rubrik: studium
May 8, 2008