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Was tun nach dem Abi?

Warten.

Das ist das, was ich tue.

„Warten, worauf?“, fragt mich eine herrenlose Stimme. Ich blicke auf. Ich weiß es nicht.

Beim Umschauen fällt mir nur der graue Raum auf, der mich umgibt. Und die Leuchttafel mit der gelben Schrift. Auf ihr ist angegeben, wann der nächste Bus kommen soll. Sie zeigt seit Stunden dieselbe Zeit an.

Ich sehe mein Ticket an. Ich kaufte es am Automaten und muss es nur noch im Bus abstempeln, dann ist es gültig. Doch der kommt nicht. Sie sagten, es sei so einfach. Ich solle einfach ein Ticket kaufen, dann ginge es wie von selbst, teilte man mir mit. Und nun sitze ich hier und warte.

Es ist unfassbar still. Nichts bewegt sich. Ich will nicht auffallen, aber trotzdem weiterkommen. Der Bus wird kommen, aber soll ich wirklich einsteigen? Ich stehe auf. Ich muss einen anderen Weg finden. Doch da verschwindet die Bushaltestelle. Ich drehe mich um und sehe auch hinter mir nur das öde Grau, das unendlich scheint. Orientierungslos und verloren stehe ich an dem Platz, an dem ich eben wenigstens noch einen Stuhl hatte. Der ist jetzt weg. Ich wage einen Schritt. Es kann doch nicht schaden. Ich setze den rechten Fuß vor den Linken. Es fühlt sich falsch an. Ich probiere die andere Richtung. Auch das ist falsch. Ich versuche jede mögliche Richtung, mache mal große, mal kleine Schritte, springe mal dabei oder gehe in die Hocke. Auch Krabbeln hilft nicht. Es gibt kein „richtig“. Niemand sagt mir, was richtig ist.

Ich warte weiter. Noch ein bisschen. Und da! Plötzlich sehe ich etwas. Es kommt auf mich zu, ausgestattet mit zwei Lichtern. Es rast. Es ist der Bus. Doch ist er nicht die Rettung. Als der Busfahrer mich nach der Fahrkarte fragt, händige ich sie ihm aus. Ich verharre. Mit einem kurzen Blick auf das Ticket bedeute ich ihm, dass er es behalten kann. Ich fahre nicht mit.

Ich warte noch ein bisschen.

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  Sep 25, 2014
Autor: Thilo
Rubrik: orientieren
Sep 25, 2014

Was tun nach dem Abi?

Vom Studium zum FSJ, nicht andersherum

Welch Ironie! Da statuiert man irgendwelche Sachen in seinem ersten Eintrag und behauptet, dass ein FSJ für sich selbst keinen Sinn machte. Und nun? Tja, hat sich alles geändert! Wie kam das bloß zustande?

Es war, als käme die Erkenntnis. Ganz plötzlich. Mein Plan war es, in diesem Jahr mit dem Medizinstudium zu beginnen, um ja keine Zeit zu verlieren. Wenn man darüber ein bisschen sinniert, ist es doch irgendwie sehr langweilig, wenn das Leben so linear verläuft. Schule, Studium, Beruf. Nichts dazwischen. Das kann es nicht sein. Aber dieser Gedanke kam mir nicht sofort, er entwickelte sich dadurch, dass mein Studienplatz nicht so sicher ist, wie es den Anschein gemacht hat. Verdammte Selbstüberschätzung! Passiert sogar dem Besten immer wieder.

Die Studienplätze für Medizin werden zentral über die Seite hochschulstart.de vergeben. Bei dieser muss man sich vor dem 15. Juli als Neu-Abiturient registriert haben, sodass man seine Unterlagen (Abiturzeugnis, Bestätigungen für Ortsanträge) einsenden kann. Man wählt in drei verschiedenen Verfahren bis zu sechs Universitäten aus, an denen man studieren möchte. Als Neu-Abiturient entfiel für mich der Weg über die Wartesemesterquote. Somit habe ich es hauptsächlich über die Abiturbestenquote versucht. Dort wählte ich sechs Universitäten aus und habe gehofft, dass ich mit meinem Schnitt von 1,0 direkt und ohne Probleme einen Platz bekomme. Das war aber nichts. Zum Glück reichte meine Arroganz nicht so weit, dass ich es nicht auch über das Auswahlverfahren der Hochschulen versucht habe. Aber hier holte mich etwas ein, das jedem Schüler während der gesamten Schulzeit vorgeworfen wird: mangelnde Information. Immer habe ich das abgestritten, es belächelt, so getan, als sei das nicht so. Hier also die Quittung.

Naiv, wie ich bin, habe ich mich darauf verlassen, dass mit der Anmeldung bei hochschulstart.de und mit dem Einsenden meiner Unterlagen alles zum Selbstläufer wird. Was ich aber übersehen habe ist, dass manche Hochschulen der Zentrale nicht alle Rechte einräumen und wollen, dass man sich bei ihnen zusätzlich anmeldet. So ist das in Heidelberg und Mannhein. Hier habe ich keine Möglichkeit mehr, an einen Studienplatz zu kommen.

Eine weitere Information, die mir fehlte, war das Datum des TMS (Test für medizinische Studiengänge), der nicht nur dazu dient, für sich selbst zu testen, ob man für das Medizinstudium geeignet ist, sondern der oft eine ganz hohe Relevanz bei den Universitäten hat. So auch für die Universität Marburg. Auch dort werde ich keinen Platz bekommen, da ich den TMS natürlich versäumt habe. Um drei Tage.

Zuletzt bleibt Oldenburg. Meine erste Ortspräferenz. Der Bescheid kommt spätestens am 24. September. Meine Unsicherheit wuchs jedenfalls. Und da kam die Idee: Mach doch ein FSJ!

Dann ging alles ganz schnell. Ich informierte mich über etliche Organisationen, schrieb Nachrichten, notierte mir Telefonnummern und habe sehr motiviert alles in die Wege geleitet. Ich bin zwar spät dran, doch vielleicht funktioniert das alles noch. Mit ein wenig Glück.

Eine Frage bleibt trotzdem: Ist das so richtig?

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  Sep 23, 2014
Autor: Thilo
Rubrik: orientieren
Sep 23, 2014

Zwischen Schule & Beruf

Was tun?

Wer ich bin? Ich bin Thilo, 18 Jahre alt, habe in diesem Jahr mein Abitur gemacht und strebe nun ein Medizinstudium an der Carl Ossietzky Universität Oldenburg an. Während ich hier schreibe, vergeht die Zeit, die ich noch warten muss, bis die Bestätigung dafür endlich kommt. Wenn es denn eine Bestätigung ist. Aber ich bin besser mal zuversichtlich, sonst werde ich noch verrückt.

18 Jahre alt und direkt studieren? Ist das nicht ein bisschen langweilig, Thilo? Ja und nein. Ich denke, dass man bei einem Auslandsjahr oder freiwilligem sozialen Jahr tolle Erfahrungen macht, die sehr geschätzt werden. Doch sehe ich die zwölf Semester Studium, die ich vor mir habe, und die darauf folgenden drei Jahre als Assistenzarzt. Darum möchte ich so früh wie möglich beginnen, um nicht erst mit 30 fertig zu sein. Auch habe ich so die Möglichkeit, nach dem Studium ins Ausland zu gehen, um an humanitären Projekten teilzunehmen. Dort kann ich maßgeblich etwas dazu beitragen, da ich dann einfach eine gute Ausbildung habe, die mir hilft, anderen Menschen zu helfen.

Gut. Aber warum denn überhaupt Medizin? Damit verdient man ganz gut, richtig? Wenn es mir darum ginge, Geld zu verdienen, könne ich auch BWL studieren, in die Wirtschaft gehen und nur für die Karriere arbeiten. Dann hätte ich viel Geld und müsste mich keiner psychischen Belastung aussetzen. Aber um das gute Gehalt geht es mir nicht. Wenn ich ehrlich bin, kommt meine Motivation, Arzt zu werden, daher, dass ich während der achten und neunten Klasse sehr viel „Scrubs – die Anfänger“ und „Dr. House“ geguckt habe. Ja, ich weiß, Serien bilden in keiner Weise die Realität ab. Und doch haben sie mich fasziniert. Ich finde die Arbeit mit den und am Patienten spannend, finde wunderbar, wie man als Team selbst die schwierigsten Fälle löst, und wie die Medizin nie aufhört, sich weiterzuentwickeln. Momentan übe ich ein Ehrenamt beim Kinder- und Jugendhospiz in Oldenburg aus, in dem es darum geht, Jugendliche und junge Erwachsene durch Trauerphasen hindurch zu begleiten. Dieses Ehrenamt hat mich nochmal darin bestärkt, Arzt werden zu wollen.

Warum eigentlich Oldenburg? Ich möchte in Oldenburg studieren, weil es quasi um die Ecke ist und ich dann noch eine Zeit lang bei meinen Eltern wohnen bleiben kann, um so den ersten Umbruch meines Lebens nicht zu groß werden zu lassen (Langweiler!). Außerdem finde ich, dass der Studiengang wirklich modern ist, und mich reizt es, für ein Jahr nach Groningen zu gehen, um dort auf Englisch zu studieren und auch noch Niederländisch zu lernen.

Und was machst du sonst so? Seit elf Jahren spiele ich Fußball beim örtlichen Verein, fünf Jahre lang hatte ich Gitarrenunterricht. Zeitweise habe ich sogar in einer Band gespielt, mit der ich den einen oder anderen Auftritt hatte. Sonst ist es das klassische Leben eines Abiturienten, denke ich. Ich habe so viel Freizeit, dass ich nicht weiß, wohin damit. Jeden Tag ist Samstag. Mein Zeitgefühl ist mir völlig abhandengekommen. Dieses Leben in der Luft habe ich auch langsam satt und bin deshalb händeringend auf der Suche nach einem Nebenjob. Mal sehen, wo die Suche schließlich endet. Zur Auswahl stehen ein Pizzalieferdienst, eine Spielothek, ein Restaurant und ein Supermarkt. Ich berichte dann.

Warte, du möchtest Medizin studieren? Das bedeutet ja auch, dass dein Abitur gar nicht so schlecht gewesen sein kann. Bist du so einer, der die ganze Zeit nur lernt und sich für nichts einbringt? Nicht ganz. Während meiner Schulzeit gab es einiges, wofür ich mich engagiert habe. Ich war fünf Jahre lang Mitarbeiter in einer Schülerfirma namens „Brainstorm“, die sich selbst als Marketing-Firma betitelt und jedes Jahr das Jahrbuch der Schule herausbringt. Parallel dazu wurde ich gegen Ende der zehnten Klasse zum Schülersprecher gewählt. In der zwölften Klasse habe ich das Amt dann niedergelegt, um mich voll auf das Abitur zu konzentrieren (Ha! Also doch so einer!). Tja, Pustekuchen. In einem Abiturjahrgang gibt es deutlich mehr zu tun, als man sich vorstellen kann. Organisiert werden mussten Partys, die Abizeitung, der Abigag, die Mottowoche, der Abiball, die Entlassungsfeier und das Finanzkomitee. Ich stand mir selbst im Weg. Ich hätte wohl zu allem „Ja“ gesagt, wenn ich um Hilfe gebeten worden wäre. Glücklicherweise landete ich „nur“ in den Komitees für die Abizeitung, die Finanzen und den Abigag. Arbeit genug war dies trotzdem. Jammerlappen. Ich weiß.

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  Sep 16, 2014
Autor: Thilo
Rubrik: orientieren
Sep 16, 2014