interaktiv

Was tun nach dem Abi?

Warten.

Autor:
Thilo

Rubrik:
orientieren

25.09.2014

Das ist das, was ich tue.

„Warten, worauf?“, fragt mich eine herrenlose Stimme. Ich blicke auf. Ich weiß es nicht.

Beim Umschauen fällt mir nur der graue Raum auf, der mich umgibt. Und die Leuchttafel mit der gelben Schrift. Auf ihr ist angegeben, wann der nächste Bus kommen soll. Sie zeigt seit Stunden dieselbe Zeit an.

Ich sehe mein Ticket an. Ich kaufte es am Automaten und muss es nur noch im Bus abstempeln, dann ist es gültig. Doch der kommt nicht. Sie sagten, es sei so einfach. Ich solle einfach ein Ticket kaufen, dann ginge es wie von selbst, teilte man mir mit. Und nun sitze ich hier und warte.

Es ist unfassbar still. Nichts bewegt sich. Ich will nicht auffallen, aber trotzdem weiterkommen. Der Bus wird kommen, aber soll ich wirklich einsteigen? Ich stehe auf. Ich muss einen anderen Weg finden. Doch da verschwindet die Bushaltestelle. Ich drehe mich um und sehe auch hinter mir nur das öde Grau, das unendlich scheint. Orientierungslos und verloren stehe ich an dem Platz, an dem ich eben wenigstens noch einen Stuhl hatte. Der ist jetzt weg. Ich wage einen Schritt. Es kann doch nicht schaden. Ich setze den rechten Fuß vor den Linken. Es fühlt sich falsch an. Ich probiere die andere Richtung. Auch das ist falsch. Ich versuche jede mögliche Richtung, mache mal große, mal kleine Schritte, springe mal dabei oder gehe in die Hocke. Auch Krabbeln hilft nicht. Es gibt kein „richtig“. Niemand sagt mir, was richtig ist.

Ich warte weiter. Noch ein bisschen. Und da! Plötzlich sehe ich etwas. Es kommt auf mich zu, ausgestattet mit zwei Lichtern. Es rast. Es ist der Bus. Doch ist er nicht die Rettung. Als der Busfahrer mich nach der Fahrkarte fragt, händige ich sie ihm aus. Ich verharre. Mit einem kurzen Blick auf das Ticket bedeute ich ihm, dass er es behalten kann. Ich fahre nicht mit.

Ich warte noch ein bisschen.

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