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Was tun nach dem Abi?

Auf dem Bau

Abwechslung bekam ich, als ich Nick und drei weitere Techniker bei einer Installation von Solarmodulen begleitete. Am frühen Morgen brachen wir mit dem Auto auf und fuhren aus der Stadt raus aufs Land. Überall waren kleine Häuser, Behälter voll mit Maiskolben, Hühnerställe und Weizenfelder zu sehen. Hier gab es nichts als Landwirtschaft.
Die nötigen Materialien für die Installation waren bereits von einem LKW angeliefert worden. Daher konnten wir direkt mit dem Aufbau starten. Das „Fundament“ auf dem Dach bildete ein Metallgerüst, auf dem die Solarmodule später im optimalen Winkel Richtung Süden aufliegen würden. Wir transportierten große Zementwürfel und meterweise mit Löchern versehene Stahlstangen auf das Dach. Zum Glück war an der Hauswand ein kleiner Aufzug angebracht, der uns das Leben sehr erleichterte. Die Zementwürfel reihten wir in regelmäßigen Abständen auf dem Dach auf. Die ganze Ausrichtung dauerte relativ lange, sodass wir erst am Mittag fertig waren.
Nach der Mittagspause montierten wir die Stahlstangen so, dass eine diagonale, nach der Südseite ausgerichtete Ebene entstand, die als Auflage für die Module diente. Ein Hindernis bei dem Aufbau war das Dach, denn so wirklich flach war es nicht. Durch die leichte Wölbung mussten wir das bestehende Gerüst immer wieder zurechtbiegen, damit die Schrauben passten. Kurz nach Sonnenuntergang war unser Arbeitstag beendet.
Im nächsten größeren Dorf bezogen wir das einzige Hotel und gingen in ein Gasthaus. Ich brachte den Kollegen „prost“ bei und lernte im Gegenzug „ganbei“, das chinesische Äquivalent. Dann servierte eine Kellnerin jede Menge Essen, vor allem Fleisch. In China gab es jeden Abend vegetarisches Dal Bhat. Hier war die Abwechslung deutlich größer, dafür aber sehr fleischlastig. Für Vegetarier ist China kein gutes Pflaster.
Während des Essens wurde ganz ungehemmt geschmatzt, gerülpst und gefurzt. Viele Männer krempelten ihr T-Shirt hoch oder zogen es direkt aus. Tischmanieren gab es nicht. Ich fand das irritierend und gewöhnungsbedürftig, hatte aber kein großes Problem damit, weil es zumindest nicht unhygienisch war. Am Ende des Abends hatte ich so viel gegessen, dass ich mich schon sehr auf mein Bett freute.

Autor: Max  |  Rubrik: orientieren  |  Sep 2, 2019

Was tun nach dem Abi?

Was soll ich tun?

Wirklich etwas zu tun gab es für mich in der International-Business-Abteilung zunächst nicht. Die ersten Tage verbrachte ich deshalb in verschiedenen Fabrikhallen, um mir die Produktion kleiner, handlicher Solarkocher anzuschauen. Letztendlich arbeitete ich dann einfach ein bisschen mit. Eigentlich konnte ich mich mit dem Gedanken anfreunden, in nächster Zeit verschiedene Produktionsstätten anzuschauen und die Abläufe kennenzulernen. Trotzdem hatte ich mir ursprünglich vorgestellt, mich intensiver mit Solartechnik auseinanderzusetzen. Dem stand aber allein schon die Sprachbarriere im Weg, denn nicht nur Andys Englisch hatte Verbesserungsbedarf. In der ganzen Abteilung gab es niemanden, der die Sprache fließend beherrschte.
Hinzu kam, dass niemand Zeit für mich hatte. Die meiste Zeit wusste ich nicht, was ich tun sollte. Nicht mal im Internet recherchieren konnte ich, weil Google durch die chinesische Firewall nicht funktionierte und die anderen Suchmaschinen auf Chinesisch waren. Zahlreiche andere Webseiten konnte ich wegen der Firewall ebenfalls nicht abrufen.
Um etwas die Stadt zu erkunden, schnürte ich mir am Abend die Laufschuhe und joggte in Richtung des Stadtkerns. Ursprünglich vermutete ich, dass sich am Abend zwielichtige Gestalten rumtreiben würden, aber das Gegenteil war der Fall. Auf einem kleinen Platz hatte sich eine Gruppe älterer Menschen zum Thai-Chi versammelt, und auch sonst begegnete ich auf dem Weg immer wieder Spazier- und Gassigängern. Je länger ich an einem Fluss in Richtung Stadtkern entlanglief, desto mehr Orte passierte ich, an denen sich das Leben draußen abspielte. Ich kam an einem Basketballplatz vorbei, auf dem auch im Dunkeln noch reges Treiben herrschte. Eine Gruppe älterer Damen führte dahinter eine amüsante Mischung aus Hip-Hop und Militärschritt aus. Auch wenn der Tanz ein bisschen merkwürdig aussah, fand ich es sehr schön zu sehen, dass sich eine solche Gruppe draußen für ein bisschen Bewegung versammelt hatte. Außerdem war ich unheimlich dankbar, joggen gehen zu können, ohne mir dabei wie in Kathmandu die Lunge zu verpesten. Das war für mich schon ein großes Stück Lebensqualität.

 

Autor: Max  |  Rubrik: orientieren  |  Aug 7, 2019
Autor: Max
Rubrik: orientieren
Aug 7, 2019

Was tun nach dem Abi?

Mein neues Zuhause

Am nächsten Tag machten wir uns auf den Weg ins Büro, wo ich Jany kennenlernte. Sie war die Leiterin der International-Business-Abteilung von Hi-min. Dort sollte mein Praktikum beginnen. Ich bekam einen eigenen Arbeitsplatz inklusive Computer zugewiesen. Daraufhin führte Andy mich ein bisschen herum. Das Gebäude wirkte auf mich etwas schäbig. Da hatte ich bei dem Hauptsitz einer solch großen Firma schon ein bisschen mehr erwartet – immerhin produziert Hi-min chinaweit die meisten Solarprodukte. Dafür war das Bauwerk von außen recht imposant.
Am Nachmittag hieß es dann umziehen. Ich bekam mein eigenes Zimmer im ersten Stock eines anderen Gebäudes, für das ich keine Miete zahlen musste. Lediglich die Kostendeckung für Wasser und Strom wurde von mir eingefordert. Als ich mein Zimmer sah, war ich mir ziemlich sicher, dass die Strom- und Wasserrechnung am Ende der vier Wochen nicht hoch sein würde. Im Zimmer standen nur ein Bett und zwei Schränke – keine Kücheneinrichtung. Das bedeutete, ich würde immer auswärts essen müssen, was hier zum Glück genauso billig war wie in Nepal. Über dem Boden und den paar Möbeln meines Zimmers klebte eine dicke Staubschicht, die ich erstmal beseitigte. Das Bad war immerhin nicht ganz so schlimm wie bei Andy, allerdings suppte altes Dreckwasser über den Boden und lief nicht ab. Ich teilte mir das Bad mit einem Amerikaner, der im Zimmer nebenan wohnte.
Am Abend ging ich nochmal bei Andy vorbei, um bei ihm meine Wäsche zu waschen. Er hatte mich gestern von Bahnhof abgeholt, sich heute den halben Tag um mich gekümmert und jetzt ließ er mich auch noch seine Waschmaschine benutzen – ich hätte nicht gewusst, wie ich ohne ihn klargekommen wäre. Aufgrund seines eher schlechten Englischs haperte die Kommunikation zwar immer wieder, aber seine Fürsorge war dafür umso herzlicher.
Mir fiel auf, was für einen Unterschied es war, in einem Land zu sein, dessen Sprache man nicht sprach und man nur von Einheimischen umgeben war. In Nepal war das anders, weil ich mit den anderen Volontären Deutsch sprechen konnte. Hier wurde ich nochmal ins kalte Wasser geschmissen. Aber ich war mir relativ sicher, dass ich mich schnell daran gewöhnen würde.

 

Autor: Max  |  Rubrik: orientieren  |  Jul 26, 2019
Autor: Max
Rubrik: orientieren
Jul 26, 2019