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Master live

Ein rasiertes Pferd

In der Zeit vor Weihnachten hatte ich einen Nebenjob über eine studentische Jobvermittlung gefunden. Eine Firma für Fotodruck suchte in der Nähe von Leipzig saisonale Unterstützung für die Vorweihnachts-Produktion. Also habe ich ein paar achtstündige Schichten in der sogenannten Fun-Abteilung der Firma übernommen. In dieser werden verschiedene Dinge mit Fotos bedruckt, die von Privatpersonen bestellt wurden, zum Beispiel Textilien wie T-Shirts, Kissenbezüge und Jutebeutel, aber auch Tassen, Magnete und Foto-Aufsteller. Die Schichten waren für mich ziemlich anstrengend, da ich an den Bügelmaschinen im Stehen arbeiten musste und anfangs auch keine so langen Arbeitstage gewohnt war. Die meisten Fotos zeigten Familien, ganz viele Babys und Kleinkinder, Hochzeiten und Tiere. So viele Gesichter habe ich noch nie zuvor in so kurzer Zeit gesehen!
Zwischendrin gab es aber auch kleine Highlights. Mein Favorit war ein Foto von einem rasierten Pferd, das ich auf einen Kissenbezug drucken sollte. Das Pferd war an der Unterseite rasiert und an seinem Hinterteil waren drei Sterne aus Fell stehen gelassen worden. Das fand ich ziemlich witzig!
Intellektuell gesehen war die Arbeit gar nicht anspruchsvoll und ich war immer sehr froh, wenn ich wieder eine Schicht hinter mich gebracht hatte. Jedoch war es eine gute und wichtige Erfahrung für mich, den Arbeitsalltag von vielen Menschen in Deutschland mal eine Zeitlang mitzumachen. Es gibt so viele Jobs, die für eine Studentin wie mich unsichtbar bleiben, die einfach erledigt werden, ohne, dass ich auch nur einen Gedanken daran verschwenden muss: Ich bestelle im Internet einen Fotoaufsteller und drei Tage später kommt er bei mir an. Die ganzen Zwischenschritte bräuchten mich nicht zu interessieren. Jedoch finde ich es wichtig, auch diese Arbeiten wertzuschätzen und mir bewusst zu machen, dass viele Menschen für einen geringen Lohn in den verschiedenen Wertschöpfungsketten arbeiten und fast grenzenlosen Konsum für unsere Gesellschaft ermöglichen.

Autor: Franca  |  Rubrik: studium  |  Jan 31, 2017
Autor: Franca
Rubrik: studium
Jan 31, 2017

Master live

Schöne Bescherung?

Als ich am 24. Dezember den Weg zu meinen Eltern fürs Weihnachtsfest antrat, plagten mich Rückenschmerzen. Mir ging deshalb durch den Kopf: „Ist ja interessant, ich kann mich nicht erinnern, an Weihnachten jemals krank gewesen zu sein, obwohl ich ja im Winter oft erkältet bin. Vielleicht gibt’s ja sowas wie eine Feiertags-Virenabwehr.“
Zwei Stunden später lag ich im elterlichen Gästebett darnieder. Eigentlich wollte ich mich vor dem Weihnachtsgottesdienst, an dem ich meine Mutter mit der Querflöte begleiten sollte, nur kurz hinlegen. Aufgestanden bin ich aber erst mal nicht mehr. Die Rückenschmerzen waren Vorboten einer Grippe und bald darauf folgte das Fieber. Meine Weihnachtsvirenabwehr-Hypothese musste ich schmerzlich verwerfen. Die Feiertage habe ich komplett im Bett verbracht. Dabei hatte ich mich so sehr auf die Feierlichkeiten mit den Verwandten, dem guten Essen, vielen Geschenken, Musik und Gesprächen gefreut. Schöne Bescherung!
Am ersten Weihnachtsfeiertag wurde ich eher waagrecht zu den Schwiegereltern verfrachtet, war am Fest selbst aber immerhin teilweise anwesend.
Meine Weihnachtsferien waren trotz der Krankheit wirklich schön. Ich hatte auch noch Geburtstag und konnte mit ein paar Freunden feiern. Und weil mir die vielen Geschenke wohl nicht ausreichten, hab ich mir ein neues Handy, einen neuen Mantel, neue Schuhe und Kleider gekauft und einen neuen Haarschnitt verpassen lassen. Jetzt starte ich mit neuem Look in das neue Jahr.
Mal schauen, was das Jahr 2017 bringt. Es könnte sein, dass ich mein Studium abschließe und das wäre ein riesiges Geschenk – bis zu dieser „Abschlussbescherung“ liegt aber noch viel Arbeit vor mir.

Autor: Mia  |  Rubrik: studium  |  Jan 27, 2017
Autor: Mia
Rubrik: studium
Jan 27, 2017

Master live

Ein philosophisches Seminar

Jeder Studierende, der keine Geisteswissenschaft studiert, wird heute meistens mithilfe von Powerpoint zugetextet, sowohl in Studierendenreferaten als auch von den Lehrenden. Philosophieseminare sind dagegen powerpointfreie Zonen, es ist quasi verpönt: Ein echter Philosoph monologisiert gefälligst 20 Minuten vor sich hin und wer dies nicht versteht, ist eben nicht schlau genug. Das ist zwar etwas übertrieben, aber in diese Richtung geht es – und ich finde es angenehm!
Mir persönlich gefällt am Philosophiestudium, dass ich signifikant weniger Zeit vor irgendwelchen Bildschirmen verbringe, sowohl in den Lehrveranstaltungen als auch in der Vor- und Nachbereitung. In einem typischen Seminar gehen wir nach dem obligatorischen Referat Stück für Stück die Literatur durch. Der Dozent moderiert die Diskussion und versucht uns nahezubringen, was er selbst am Text relevant findet. Aber meist entstehen die wildesten Diskussionen von alleine. Und an dieser Stelle stört mich, dass viele die Texte auseinander nehmen wollen, bevor sie sie richtig verstanden haben. Natürlich versteht man irgendetwas beim Lesen, oberflächlich gesehen sicher auch viele Kernpunkte. Aber die Tiefendimension eines Textes erschließt sich erst nach einer langen Beschäftigung inklusive Zwischenphasen, in denen man die Inhalte auch mal sacken lässt und sich eigene Gedanken macht. Daher würde ich mir von manchen Kommilitonen wünschen, dass sie versuchen, den Autor nachzuvollziehen.
Dennoch sind natürlich viele Diskussionen spannend und auch unabdingbar, denn in der Beschäftigung mit den Texten hat man immer blinde Flecken, die nur durch den Austausch mit anderen ausgefüllt werden können. Jedenfalls sind unsere Diskussionen oft sehr hitzig und am ergiebigsten, wenn jemand diese gut moderiert. Und dies ist meines Erachtens eine Kernkompetenz für Lehrende – in der Philosophie vielleicht sogar mehr als in den meisten anderen Wissenschaften.

Autor: Lukas  |  Rubrik: studium  |  Jan 23, 2017
Autor: Lukas
Rubrik: studium
Jan 23, 2017