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Master live

Experimentelle Psychopathologie

Autor:
Lukas

Rubrik:
studium

03.03.2017

Eine sehr interessante Vorlesung hatte ich dieses Semester im Fachbereich Experimentelle Psychopathologie. Kurz gesagt geht es dabei um die experimentelle Erforschung psychischer Störungen, meist anhand von Tierversuchen. Der Dozent war auf experimentelle Suchtforschung spezialisiert. Dabei wird beispielsweise untersucht, wie Laborratten auf Drogen reagieren. Ein tierexperimentelles Paradigma der Depression ist zum Beispiel die sogenannte „gelernte Hilflosigkeit“. Diese misst, wie viel Aufwand Tiere einsetzen, um einer bedrohlichen Situation zu entgehen. Ratten werden für fünf Minuten in ein Wasserbecken gesetzt und die Zeit gemessen, die sie aufwenden, sich zu befreien. Depressive Ratten versuchen kaum, herauszukommen. Laut des Dozenten bestehe daher die Theorie, dass Depressionen im Wesentlichen darauf zurückzuführen sind, dass Lebewesen die Erfahrung gemacht haben, schlimmen Situationen nicht entgehen zu können. Dieses Verhalten hängt mit bestimmten neuronalen Veränderungen zusammen, zum Beispiel der Verkleinerung gewisser Gehirnareale oder einer Senkung bestimmter Neurotransmitter. Entfernt man einer gesunden Ratte ein bestimmtes Gehirnareal, zeigt sie sofort mehr „gelernte Hilflosigkeit“. Wenn getestet wird, ob der Langzeitgebrauch von Drogen zu Depressionen führt, wird den Ratten diese Droge über Wochen induziert und dann überprüft, wie apathisch sie auf bedrohliche Situationen reagieren. Ebensolche Paradigmen gibt es auch für Angststörungen, Zwangsstörungen und Schizophrenie.
Aber auch am Menschen wird geforscht. Patienten, die drogensüchtig sind oder eine Gehirnverletzung haben, werden in ihrer Performance in Tests und Experimenten verglichen. So können Menschen, deren präfrontaler Cortex beschädigt ist, weniger flexibel auf Regeländerungen in Spielen reagieren, obwohl ihnen diese mitgeteilt wurden und sie diese auch sprachlich verstanden haben.
Sehr interessant sind auch Studien mit Hirnschrittmacherpatienten. Bei Morbus Parkinson zum Beispiel kann eine dauerhafte Elektrode in motorischen Arealen installiert werden, die Strom injiziert und so die unkontrollierten Bewegungen der Patienten normalisiert.

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