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Master live

Internationale Soziale Arbeit - Teil 2

Autor:
Annika

Rubrik:
studium

23.06.2017

Neben konkreten Studieninhalten war für mich der wesentliche Aspekt im Studium „Internationale Soziale Arbeit“ ein Perspektivwechsel. Zunächst einer auf individueller Ebene – wie ich Menschen und deren Vielfältigkeit wahrnehme, wie sich zum Beispiel meine Einstellung zu und mein Verständnis von Rassismus und Sexismus verändert haben oder wie ich nicht mehr weghören will, wenn jemand eine rassistische oder sexistische Aussage „ja gar nicht so gemeint hat“.
Aber auch mein Denken hinsichtlich globaler Zusammenhänge auf politischer, wirtschaftlicher und sozialer Ebene hat sich verändert. Mir ist es wichtiger geworden zu verstehen, wie die Welt auf diesen Ebenen zusammenhängt und dass Konflikte, Armut oder Kriege keine Naturgewalten sind, die aus dem Nichts entstanden sind, sondern in den meisten Fällen durch Ausbeutung, Unterdrückung und Diskriminierung ausgelöst werden. Mir wird immer klarer, wie unheimlich privilegiert ich bin, einfach nur weil meine Eltern und ich in Deutschland geboren sind. So eine Erkenntnis kann einen angreifen, weil sie die eigene Position infrage stellt. Ich muss mich aber auch nicht permanent schlecht fühlen, weil es mir besser geht als Milliarden anderer Menschen. So ein schlechtes Gewissen wäre falsch, weil es lähmt und letztlich niemandem etwas bringt.
Oft verspüre ich Unruhe. Zum Beispiel, wenn jemand besorgt ist wegen der geflüchteten Menschen in Deutschland und dabei Fluchtgründe außer Acht lässt. Wenn Leute also nicht sehen wollen, dass es Menschen in ihrer Heimat so schlecht geht, weil der Westen den eigenen Wohlstand auf dem Rücken anderer erlangt hat. Oder wenn Menschen sexistische Witze immer noch witzig finden und ignorieren, dass Frauen überall auf der Welt (auch in Deutschland!) benachteiligt, gar unterdrückt werden. Oder, oder, oder. Die Liste an Reizthemen ist lang. Diese Unruhe sollte nicht zu Arroganz führen, die einen dazu bringt, Mitmenschen von oben herab zurechtzuweisen. Ich will mich aber auch nicht zurücklehnen und alles akzeptieren, was mir missfällt.
Mein Studiengang lehrt mich Fakten, die ich weitergeben kann, wenn ich denke, dass Menschen falschliegen. Er öffnet mir die Augen für die Probleme in dieser Welt. Er ermutigt mich, nicht vor Bestürzung zu erlahmen sondern zeigt mir Perspektiven auf, wie ich als Sozialarbeiterin reagieren und damit ein klitzekleines bisschen Veränderung bewirken kann.

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