interaktiv

Master live

Schnaps und Orangensaft

Autor:
Franca

Rubrik:
studium

26.11.2018

In Leipzig findet jedes Jahr ein großes Dokumentar- und Animationsfilmfestival statt. Vor einigen Jahren habe ich dort schon einmal ehrenamtlich gearbeitet und auch dieses Jahr habe ich mich wieder dafür beworben. Ich hatte Glück und durfte für eine Woche das Festival als Kinohelferin begleiten. Das bedeutet, dass ich ungefähr die Hälfte der Festivalzeit in einem Kino am Eingang stand und Gäste begrüßt, Fragen geklärt und Tickets eingescannt habe. Die andere Hälfte der Zeit durfte ich mir kostenlos alle Filme anschauen. Das habe ich natürlich ausgenutzt und so in einer Woche 15 Lang- und ebenso viele Kurzfilme gesehen. Aufgrund der Themen der Dokus schwankten meine Emotionen dabei von einem Extrem ins andere.
Am Anfang der Woche habe ich mir eher schwere Kost zugemutet und Filme über Traumatisierung, Krieg und sexuelle Übergriffe angesehen. Ich habe jedoch schnell gemerkt, dass die Filme teilweise so intensiv sind, dass ich sie emotional schwer verkraften konnte. Ein Film war so tragisch und grausam, dass am Ende, als das Licht anging, niemand aufstand, sondern alle Menschen im Kinosaal wie gelähmt auf ihren Sitzen saßen – so etwas hatte ich vorher noch nie erlebt. Daraufhin beschloss ich, mir auch bewusst Filme mit leichteren Themen auszusuchen. Und ich wurde positiv überrascht! Ich muss zugeben, dass ich oft dachte, dass nur ernste Themen in einer Doku tiefgründig dargestellt werden können, aber ich habe mich getäuscht. Ich habe viele herzerwärmende, intensive und schöne Filme gesehen, die mich wirklich begeistert haben. Ein Freund meinte zu mir: „Das ist wie mit Alkohol – man kann mal ein kleines Glas Schnaps trinken, aber zwischendrin braucht man doch immer mal etwas Orangensaft.“

 

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