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Medizin studieren

Die Endgegner

Autor:
Thilo

Rubrik:
studium

10.03.2017

Am Ende des Semesters standen noch zwei richtige Brocken an. Beim Gedanken an sie stellten sich mir die Nackenhaare auf, der Schweiß rann die Schläfe herab, mir wurde kalt, der Atem flacher, ein starkes Kribbeln fuhr mir die Brust hinauf, nervös begann ich zu zucken, zu stottern, wild um mich zu blicken – das lösten die Gedanken an Biochemie und Histologie in mir aus.
Im vorigen Semester schon nicht leicht zu meistern, machte es mir die Biochemie gehörig schwer. Hormone, Immunologie, Molekularbiologie und extrazelluläre Matrix sind Themen dieses Fachs. Meine Nächte waren unruhig, denn ich sollte wissen, wie die DNA aufgebaut ist, wie die Bereiche Hypothalamus und Hypophyse, Abschnitte unseres Gehirns, unser Leben steuern und wie wir auf Viren reagieren. 50 Fragen musste ich in der Prüfung beantworten, die auf kleinste Details abzielen.
Ich hatte mich einige Wochen lang damit beschäftigt, wie der weibliche Menstruationszyklus hormonell funktioniert, wie Antikörper wirken und wie wir DNA vervielfältigen und sequenzieren können. Auch erfuhr ich von Krankheiten, die man sich kaum vorstellen kann, lernte Formeln auswendig und dann war es an der Zeit, mich ein weiteres Mal zu beweisen.
Ebenso umfangreich ist die Histologie, die mikroskopische Anatomie. Was unterscheidet den Dünn- vom Zwölffingerdarm? Wie sieht die oberste Hautschicht unserer Körperhaut aus? Beim Lernen bin ich auf wunderbares Material der Medizinischen Hochschule Hannover gestoßen, die auf ihrer Website im „Online-Atlas Histologie“ allerlei mikroskopische Präparate frei zur Verfügung stellt, damit Studierende aus ganz Deutschland mit ihnen lernen können. So habe ich mir ein Lernsystem zu jedem Organ zusammenpuzzlen können.
Was bedeuten diese beiden Klausuren für die nächsten Wochen? Es bedeutet, dass ich meine Freunde leider wieder sehr selten außerhalb der Uni zu Gesicht bekomme. Demnächst steht noch ein Bildgebungskurs an, in dem wir Grundlagen zu Verfahren wie dem Röntgen, der Computertomografie oder dem Ultraschall lernen. Aber dazu bald mehr. Nun heißt es erst einmal: Leben aus, Lernen an.

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