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Medizin studieren

Spendensammeln auf Deutschlands Straßen - 2

Autor:
Thilo

Rubrik:
studium

31.05.2017

Einfach alle ansprechen, die hier vorbeikommen – jeden, ausnahmslos – und so viele Gespräche führen wie möglich. Auf diese Art lerne ich, mit welchen Menschen ich am besten reden kann, wer am wahrscheinlichsten einer Kinderhilfsorganisation wie World Vision helfen würde oder ihr eher missbilligend gegenübersteht. Nach dem ersten Tag als Fundraiser fühle ich vor allem Frust. Frust wegen der ganzen Ablehnung, des eigenen Misserfolges, während die Erfahreneren im Team allesamt Leute überzeugen wie die Weltmeister.
Mein Team setzt sich in der ersten Station in München zusammen aus einer Afrikanistikstudentin aus Leipzig, die jedes Jahr für drei Monate in Uganda ihrer Familie in deren privaten Hilfseinrichtungen aushilft, einer Psychologiestudentin aus Tübingen, die an Herzlichkeit und Wärme nicht zu übertreffen ist, einem Soziologiestudenten aus Mainz, der mir in den nächsten vier Tagen zu einem guten Freund werden sollte, und einer Studentin der chemischen Biologie aus Dortmund, die uns leider nach drei Tagen bereits wieder verlassen musste. Diese Mischung war wahnsinnig bereichernd.
Die ersten Tage waren vollgepackt mit Informationen, Schulungen, Weiterbildungen, mit Kritik und eigener Entwicklung. Abends gab es jeweils eine Schulung, in der uns die Teamleiter erzählten, wie man gewisse Einwände behandelt, Beiträge neu verhandelt und wie wichtig eine gute persönliche Ebene beim Fundraising ist. Weiterhin erfuhren wir von einigen Kniffen, wie man Ruhe in ein Gespräch bringt. Der eigene Pavillon wird dabei zur Wohlfühloase, in der sich die angesprochene Person ein paar Minuten entspannen kann, um zu helfen und ein gutes Gefühl zu verspüren.
Natürlich gibt es einen gewissen Erfolgsdruck, weshalb von einem gefordert wird, sich in den ersten Tagen sichtlich zu verbessern. Die Zahlen, die man am Tag erbringt, sind nachrangig. Wichtig ist den Teamleiter und Coaches, dass man Kritik annimmt und dazulernt. Ich habe aber schnell gemerkt, dass für mich Erfolg der Schlüssel dazu ist, diesen belastenden Job auszuhalten.
Meine erste Woche lief sehr durchwachsen. Ich entwickelte mich zwar, doch merkte ich auch, dass es schwer ist, alle Anforderungen unter einen Hut zu bekommen. Ich lernte, mich ständig aufzuraffen, Druck in absolute Motivation umzuwandeln und aus jedem guten Gespräch Kraft zu schöpfen. Und sie lehrte mich, dass ein gutes Team unbezahlbar ist.

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