interaktiv

Medizin studieren

Schlaflos durch die Nacht

Autor:
Johannes

Rubrik:
studium

18.06.2018

Seit Anfang des Jahres habe ich einen neuen Nebenjob. Als studentischer Pflegehelfer unterstütze ich examinierte Pflegekräfte im Krankenhaus bei deren Nachtschichten – immer im gleichen Krankenhaus, immer auf der gleichen Station. Die Nachtschicht dauert von 20 Uhr bis 6.15 Uhr des folgenden Tages, zehn Stunden und 15 Minuten also. Schlafen ist dabei nicht erlaubt und abgesehen davon auch nicht möglich: Bei circa 40 Patienten findet sich immer jemand, der etwas von einem möchte. Ob das jetzt eine alte Frau ist, der man beim Toilettengang helfen muss, ein 40-Jähriger, der wegen seines schwer atmenden Zimmerkameraden nicht schlafen kann und eine Beruhigungstablette verlangt, oder eben der eben erwähnte Patient mit Luftnot – irgendwer hat immer was. Und so renne ich ab 20 Uhr quasi dauerhaft von Klingel zu Klingel, schenke Wasser in Schnabeltassen ein, wechsle die Windel eines Vollpflege-Patienten oder kümmere mich, soweit es meine Zeit zulässt, um eine weinende, angsterfüllte 90-Jährige. Und zwischendrin muss ich mich auch noch um Notfälle kümmern. Das kann zum Beispiel ein Patient sein, der sich über die Bettkante gerollt hat und jetzt auf dem Boden liegend um Hilfe schreit.
Doch ab und an ist es für zwei Stunden absolut ruhig. Die Patienten schlafen, der diensthabende Arzt auch, und ich kann mich dem Bereitstellen der Tabletten für die nächsten Tage, mit etwas Glück sogar einem Buch widmen.
Für mich ist diese Arbeit eine gute Gelegenheit, nicht nur Praktikums-, sondern auch Arbeitserfahrung im Krankenhaus zu sammeln, bevor es in den Arztberuf geht.

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