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Geschichte und Philosophie

USA nach einem Jahr

Autor:

Rubrik:
studium

28.09.2009

Vor 13 Monaten verließ ich die USA, besser gesagt Philadelphia, nachdem ich dort ein Jahr gelebt hatte. Jetzt bin ich wieder hier, nur kurz.

Das Erste, was mir auffiel, als ich meinen Freund wieder besuchte und die Straße zu seinem Haus entlang fuhr: Der Fordhändler, an dem wir so häufig vorbei gelaufen und gefahren sind, er ist nicht mehr. Das Zweite: Die New York Times ist geschrumpft - als ob man sie zu heiß gewaschen hätte.

Ich bin nicht zum Urlaub hierher gekommen. Wir haben viele Ideen auszutauschen, von interessanten Büchern und Artikeln zu berichten. Dazu gehen wir gerne, wie auch damals, ins Café, eine mir sehr vertraute Umgebung. Es ist interessant, von einer Welt in eine ganz andere einzutauchen, eine Welt, die einem aber doch so vertraut ist. Als ob alles in einem Dornröschenschlaf lag. So ist das wohl - man lebt während einer längeren Zeit irgendwo und verinnerlicht diese Umgebung, man macht sich diesen Ort zu eigen. Man selber denkt, alles sei beim Alten, die Gesichter sind vielerorts die gleichen, und nur man selber habe sich in dieser Zeit sehr verändert. Das stimmt natürlich nicht, aber es kommt einem so vor.

In dem Café schlägt der Inhaber aber einen anderen Ton an - im Vorbeigehen meint er zu einer Gruppe Stammgäste, die das Café gerade betreten haben, freundlich aber doch ernst: „Help to pay the rent!" Der Deutsche, den ich hier letztes Jahr kennen lernte - er war in den 50er Jahren hierhergekommen - hat sich nun entschlossen, im Dezember den USA den Rücken zu kehren. Nachdem er hier nun ein halbes Jahrhundert gelebt hat, ist er von dem Land seiner Träume enttäuscht.

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