interaktiv

Geschichte und Philosophie

Trampen noch möglich

Autor:

Rubrik:
studium

16.06.2010

Ja, Trampen ist noch möglich – dieses Wochenende habe ich es wieder festgestellt! Am Freitag startete ich an der Auffahrt Leipzig Süd und fuhr, erst in kleinen, dann in größeren Stücken, in den Taunus. Für ca. 400 Kilometer benötigte ich etwas mehr als fünf Stunden. Mit dem Zug hätte es fast genauso lang gedauert, nur hätte dieser nun so gar nicht in mein studentisches Budget gepasst.

An der Auffahrt hatte es einen Augenblick gedauert, dann gelangte ich von Raststätte zu Raststätte. Am Eingang der Tankstellenläden sprach ich die Leute höflich an: „Verzeihung, fahren Sie in Richtung Erfurt? Entschuldigen Sie bitte, biegen Sie auf die A4 ab?“ Vierzig oder mehr Male stellte ich diese Fragen, aber irgendwann fand sich jemand, der bereit war, einen freundlich fragenden jungen Mann auf seiner Fahrt mitzunehmen. Männer und Frauen, Jüngere und Ältere, Familien, Paare und Geschäftsreisende. Viele reagierten etwas verstört auf meine Frage, manche dachten, ich wolle nur den Weg wissen und sei selber mit dem Auto unterwegs, andere winkten gleich ab oder antworteten, ohne mich aussprechen zu lassen einsilbig: „Nee“, „Nein“, „Weg“, „Eile“, auch die Varianten „keine Zeit!“ und „ja, aber ich reise alleine“, gab es.

Die letzten fünfzig Kilometer führten über eine Landstraße, kleine Städte und Käffer – doch obwohl es schon dämmerte, ja bald richtig dunkel wurde, fanden sich noch zwei Leute, die anhielten, mich mitnahmen und sogar einen kleinen Schlenker zu machen bereit waren, um mich meinem Ziel zu schon später Stunde näher zu bringen. Am Ende hätte ich nur noch zwei Kilometer auf einsamer Straße laufen müssen, doch nach hundert Metern fand sich noch ein netter Mensch, der mich auch das letzte Stück mitnahm und in das Zehn-Seelen-Dorf brachte. „Auf dem Land ist man halt ohne Auto aufgeschmissen“, meinte er zu mir, als ich mich zwar sehr freute, aber auch ein wenig wunderte, dass er, der erste, der vorbeifuhr, gleich angehalten hatte und mich mitnahm. Ein herrliches Gefühl, sich vorzustellen, in diesem Strom von Autos, der kreuz und quer durch und über das ganze Land fährt, mitzureisen.

 

Anm. d. Redaktion: Eine gute Alternative, die ebenfalls den studentischen Geldbeutel schont, sind Mitfahrzentralen, die vor allem auch für Frauen ungefährlicher sind.

Diesen Artikel teilen