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Studentenleben live

Das große Warten

Meine Praktikumsbewerbungen sind mittlerweile alle rausgeschickt. Nun heißt es warten. Warten auf ein Zeichen. Warten auf eine Rückmeldung. Auf einen Anruf. Auf eine Mail. Auf irgendetwas. Mein Handy ist nonstop eingeschaltet und wird ab sofort während der Vorlesungszeiten auf Vibration gestellt, damit ich auch ja keinen Anruf verpasse. Ich habe mir schon überlegt, mich lieber ganz außen an den Gang in Türnähe zu setzen, damit ich mehr oder weniger unauffällig hinauslaufen kann, wenn mein Handy vibriert. Ich bin echt unglaublich gespannt auf die nächsten Tage. Ich fühle mich schon fast wie ein kleines Kind, das es kaum noch erwarten kann, seine Weihnachtsgeschenke auszupacken. Dabei weiß ich ja noch nicht einmal, ob ich Grund zur Freude haben werde. Immerhin bin ich weitem nicht die einzige, die sich auf das Marketingpraktikum eines großen Hamburger Unternehmens beworben hat. Ich trete praktisch gegen den Rest der Bundesrepublik Deutschland an. Zumindest gegen den Teil, der sich, wie ich, zu einer Bewerbung entschlossen hat. Ich male aber lieber mit bunten Farben – soll heißen: Ich weiß, was ich drauf habe, bin äußerst motiviert, dies auch unter Beweis zu stellen und lasse mich erst recht nicht von anderen verunsichern.

Am liebsten würde ich diesen ganzen Warteprozess vorspulen, und zwar genau bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich meinen Praktikumsvertrag unterschreibe. Aber wenn ich dazu in der Lage wäre, dann würde ich jetzt wahrscheinlich gerade an meiner Rede für die Nobelpreisübergabe feilen…

Autor: Jacqueline  |  Rubrik: studium  |  Nov 14, 2011
Autor: Jacqueline
Rubrik: studium
Nov 14, 2011

Studentenleben live

Kulturspagat mit Union Jack

Ich war in England. Und ich habe gestaunt. Ich war das erste Mal im Vereinigten Königreich und hatte bereits von Anfang an „Probleme“ damit, mich in diesem Land zurecht zu finden. Damit will ich nicht sagen, dass ich wie ein orientierungsloses Etwas durch die Gegend geirrt bin, sondern vielmehr, dass ich es kaum unterdrücken konnte, alle paar Minuten „Oh mein Gott“ zu denken. Es ging schon beim Frühstück los. „A Full English Breakfast?“ Lieber nicht! Davon mal abgesehen, dass ich so oder so keine Pilze mag, bekomme ich um halb neun doch keine Würstchen runter! Da ziehe ich doch lieber Toast mit „Jam“ vor.

Danach ein kleiner Stadtbummel. Überall, aber auch wirklich überall, gibt es Studentenrabatte. Sogar in Klamottenläden dürfen sich Studenten über „20% off“ freuen (bei mir zu Hause sind mir ungelogen nur zwei Einrichtungen bekannt, in denen Studenten Vergünstigungen erhalten: Die eine ist eine Diskothek und die andere ein Café). Auf der anderen Seite sollte man nicht vergessen, dass die Engländer für ihr Studium so einiges an Gebühren abdrücken müssen.

Den größten „Schock“ hatte ich allerdings immer abends, sobald ich mit meinem Freund durch die Straßen schlenderte (was nicht ganz ungefährlich war, da ich die Sache mit dem Linksverkehr irgendwie nicht so ganz auf die Reihe kriegen wollte): Ich fühlte mich richtig „underdressed“ und total fehl am Platz. Dabei war ich ganz normal angezogen: schwarze Strumpfhose mit einem altrosafarbenen Sommerkleidchen. Im Vergleich zu den Engländerinnen sah ich jedoch aus wie die brünette Prusseliese von Pippi Langstrumpf! Die überwiegende Mehrheit scheint einem überdeutlichen Kontrastdenken nachzueifern: Morgens ordentliche Schuluniform und abends das große Bling-Bling. Auffällig auffallend oder auffallend auffällig?

Autor: Jacqueline  |  Rubrik: studium  |  Nov 8, 2011
Autor: Jacqueline
Rubrik: studium
Nov 8, 2011

Studentenleben live

Müdigkeitsgesellschaft

Wir sind müde, aber keiner mag es zugeben. Müdigkeit ist out und uncool. Wir Studenten sind frei. Wir können uns Tag und Nacht, Woche und Monat, Arbeit und Ruhe einteilen wie wir wollen. Wann das Licht ausgeht, bestimmen wir, nicht die Sonne. Supermärkte haben bis 22 Uhr oder länger geöffnet, ansonsten gibt es immer noch die Spätis an jeder zweiten Ecke. Die Campusbibliothek hat 24 Stunden, also rund um die Uhr geöffnet. Lernen, kommunizieren, einkaufen können wir am Computer oder mit dem Smartphone im Internet wann und wo wir wollen. Diese „Gleitzeit“ verlangt jedoch folgendes: „Zwinge dich selbst!“ – „Raffe dich auf!“ – „Mach was!“ – „Schaff was!“ Wir als „Leistungsgesellschaft“ messen einander daran. Der Mythos von völliger sozialer Mobilität lässt uns hoffen und der omni- weil medienpräsente Lebensstil von diesen sonderbaren Vorbildern – Medienstar und Manager – lässt uns eifern.

Morgens ein weckender Kaffee ist Alltag, für viele Ritual. Red Bull, diese Mischung aus Zucker, Wasser, Koffeien und Aromen, ist extrem populär. Der Hersteller fährt so hohe Gewinne ein, dass er mit einem Millionenbudget die Formel 1, Fußballvereine und viele weitere Sportler sponsern kann. Er profitiert von unserem Schaffenswahn, von unserer Angst abgehängt zu werden, etwas nicht mitzubekommen oder nicht so produktiv wie die anderen zu sein. Die Fitten geben das Tempo vor, die anderen hecheln hinterher – und irgendwann sind wir ausgebrannt.

Autor:   |  Rubrik: studium  |  Nov 7, 2011
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Rubrik: studium
Nov 7, 2011