interaktiv

Studentenleben live

Meine neue kleine Schwester

Autor:
Hannah

Rubrik:
studium

08.01.2014

Vor ein paar Wochen habe ich eine kleine Schwester bekommen. Nein, meine Mutter hat weder eine ungeplante Spätschwangerschaft hinter sich noch hat sie verbreiteten Trends nacheifernd den Plan ausgeheckt, ein ausländisches Kind zu adoptieren. Meine kleine Schwester kommt zwar aus Griechenland und ist acht Jahre alt, lebt jedoch mit ihrer Familie in Stuttgart und steht nur in einem metaphorischen Verwandtschaftsverhältnis mit meiner Wenigkeit.

Zusammengebracht hat uns das Mentorenprogramm „Ich kann's“ der Organisation „Big Brothers Big Sisters“. Dort werden sogenannte Lerntandems aus einem Abiturienten/Studenten/FSJler/Azubi und einem Grundschulkind mit besonderem Förderbedarf (ausgelöst durch Migrationshintergrund, problematische Familienverhältnisse, körperliche/geistige Behinderungen etc.) gebildet. Diese Tandems treffen sich dann einmal wöchentlich, um zwei Stunden Zeit miteinander zu verbringen, die sehr individuell gestaltet werden können. Es gibt zwar einen Förderplan und es muss bei jedem Treffen dokumentiert werden, welche Ziele und Intentionen sich der Mentor gesetzt hat und was konkret gemacht wurde, aber ansonsten gibt es außer Regeln wie dem Nachkommen der Vorbildfunktion und dem Einhalten von Sicherheitsbestimmungen keinerlei Einschränkungen.

Ich muss zugeben, das komplizierte Bewerbungsverfahren hat mir ordentlich Nerven geraubt und auch jetzt ist die Fahrerei (40 Minuten dauert die Strecke zu meiner „kleinen Schwester“) durchaus aufwendig, aber ich finde es schön zu sehen, wie durchdacht das Programm ist und wie viel Zeit sich dafür genommen wird, die Tandems sorgfältig auszuwählen, sodass beide viel davon mitnehmen können und die Basis für eine ungewöhnliche Freundschaft geschaffen wird.

Diese Aktion wird nicht direkt vergütet, aber ich bekomme für das „ehrenamtliche“ Engagement in der Organisation ein kleines Stipendium, um mein Studium besser finanzieren zu können. Dass Geld bei solchen Sachen überhaupt eine Rolle spielen muss, ist fast ein bisschen traurig. Natürlich regiert Geld unsere Welt und es wäre absurd zu glauben, dass sich daran etwas ändern ließe, aber wenn ich erfahre, dass so eine liebevolle Institution ihrem Untergang entgegensehen muss und reihenweise ihre Anlaufstellen schließt, weil ihre Förderung zum Jahresende 2014 gekündigt wurde, dann finde ich das einfach schade. Es macht mich jedoch umso glücklicher, dass ich in einem letzten Jahrgang noch dabei sein darf und ein sicherlich schönes Jahr mit meiner neuen kleinen Schwester erleben darf.

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