interaktiv

Studentenleben live

Ein gallisches Dorf heute

Autor:
Inga

Rubrik:
orientieren

12.03.2014

Nach langem Hin und Her hat es dann doch geklappt mit meinem Praktikum in einem Freizeitzentrum in Frankreich. Jetzt bin ich also hier, in einem gefühlten Drei-Seelen-Dorf irgendwo im Nirgendwo zwischen Belfort und der Schweiz, das offensichtlich vom Rest der Welt schon längst vergessen worden ist.
Die Sonne strahlt am Himmel, mitten im Winter ist es 15 Grad warm und die Vögel zwitschern laut. Die Bäume fangen an zu blühen, bunte Häuser reihen sich neckisch aneinander, ausgestattet mit Fensterläden, die in allen Farben leuchten und mit pittoresken, liebevoll mit Figuren ausstaffierten Vorgärten. Wenn irgendwo die Welt noch in Ordnung ist, dann hier.
Zwei Frisöre, eine Apotheke, eine immer geschlossene Post, zwei Bäcker und ein Tante-Emma-Lädchen buhlen um die Gunst ihrer wenigen Kunden. Die einzige Straße, die es wert ist als solche bezeichnet zu werden, führt nach Belfort.
Am Samstagvormittag machte ich mich auf, diese „Metropole“ näher zu erkunden. Ich startete beim Tante-Emma-Laden, da ich befürchtete, dass dieser bald schließen würde und ich dringend Zahnpasta brauchte – Fehlanzeige. Überhaupt gab es in dem Lädchen von jedem Produkt nur ein einziges. Ich fühlte mich wie ein kapitalistischer Massenkonsument, kaufte einen Apfel und verließ den Laden wieder, nachdem mich die Kassiererin ob meines Akzents mitleidig belächelt hatte. Ich stapfte weiter, bis mich plötzlich ein tiefes Knurren aus meinen Gedanken riss. Entsetzt hüpfte ich auf die andere Straßenseite, vergewisserte mich, dass der Zaun hoch genug für den Riesenhund war, der mir da seine Missgunst entgegenschleuderte und lächelte dem plötzlich hinter einer Gardine hervorlugenden Gesicht entschuldigend zu. Etwas weiter spielten drei Kinder am Straßenrand. Als ich vorbeiging, unterbrachen sie ihr Spiel und schauten mir lange hinterher. Irgendwie fühlte ich mich wie eine Fremde.

Diesen Artikel teilen