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Studentenleben live

Studentenjobs in Leipzig

Autor:

Rubrik:
studium

21.03.2014

Mein Mitbewohner scheint auf keinen grünen Zweig zu kommen. Da er sein BWL-Studium im vierten Semester abgebrochen hat, um dann doch was Pädagogisches zu machen, musste er erst einmal lange suchen, bis er eine Möglichkeit fand, seine Ausbildung zu finanzieren. Jetzt bekommt er Meister-BAföG, was schon mal nicht schlecht ist, aber wohl nicht so gut und flexibel wie das studentische BAföG. Obwohl Leipzig zum Glück keine so teure Stadt ist, muss er nebenbei noch jobben, um über die Runden zu kommen. Und die Job-Situation ist leider nicht so rosig. DHL und Amazon sind zwei große Arbeitgeber am Stadtrand – von beiden habe ich nicht viel Gutes gehört. Kellnern oder Call-Center ist für meinen Mitbewohner auch nichts – so extrovertiert ist er nun doch nicht. Also hat er bei einer Bäckerei in der Nähe angefragt. Jeden Samstag und Sonntag darf er dort früh morgens antanzen und für 6,50 Euro die Stunde je nach Bedarf sechs bis zehn Stunden arbeiten. Nach sechs Stunden hat er 39 und nach ermattenden zehn Stunden hat er 65 Taler. Freizeit? Fehlanzeige. Sechs oder sieben Tage die Woche muss der gute Kerl früh raus. Ein Mindestlohn von 8,50 Euro wäre schon eine deutliche Verbesserung für ihn. Denn seine Eltern um etwas Unterstützung zu bitten, dazu ist er zu stolz.

Spätestens im Herbst muss auch ich wieder arbeiten, dann trampe ich nach Frankreich zur Weinlese. Dort gibt es schon einen Mindestlohn von 9,53 Euro! Und ich kann noch mein Französisch aufbessern und ein bisschen Sonne tanken. Klingt gut, oder?

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