interaktiv

Studentenleben live

Telefon-Phobie

Autor:
Janna

Rubrik:
studium

18.09.2014

Ich erinnere mich an eine Party im letzten Jahr. Eine Gruppe von Leuten, die zusammen ein Spiel spielten. Ein Spiel, bei dem in einer Runde jeder seine größte Phobie nennen musste. Es wurden die Klassiker genannt: Spinnen, Clowns, große Höhen. Dann die etwas außergewöhnlichen Ängste: Zombies, die auf dem Rücksitz sitzen, dass das neue Profilfoto bei Facebook weniger als 20 Likes bekommt, aufwachen und plötzlich entstellt sein. Dann kam ich an die Reihe: „Ich habe eine Telefon-Phobie.“

Die eine oder andere Phobie an jenem Abend mag nicht ganz ernst gemeint gewesen sein und auch wenn Telefone und das Telefonieren an sich nicht wirklich das ist, was in mir die größten Ängste weckt, steckte doch mehr als ein Funken Wahrheit darin.

Telefonieren ist eine Interaktionsform, die auf sämtliche Vorteile anderer Kommunikationsmedien verzichtet. Man kann nicht – wie bei Mails oder Briefen – jeden Satz einzeln abwägen und von Betalesern absegnen lassen, sondern muss selbst innerhalb von Sekundenbruchteilen reagieren und genau wissen, was man antwortet. Und während im direkten Gespräch von Angesicht zu Angesicht Körpersprache, Gestik und Mimik zusätzliche Informationen über das Gegenüber preisgeben, hat man am Telefon nur die Stimme des anderen, die es zu interpretieren gilt.

Es gibt ungefähr zehn Menschen auf dieser Welt (inklusive der eigenen Familie), bei denen ich mich traue anzurufen, ohne vorher minutenlang von Herzklopfen und Schnappatmung gepeinigt vor dem Hörer hin- und herzugehen und zu überlegen, ob es nicht eine Möglichkeit gibt, das Gespräch zu umgehen. Und es sind nur wenige Menschen mehr, bei denen ich, wenn sie mich anrufen, nicht zumindest ein paar Sekunden lang überlege, ob es nicht schlauer wäre, die Mailbox rangehen zu lassen und später eine SMS zu schicken, um jeweils Bedenkzeit zum Antworten zu haben.

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