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Studentenleben live

Seitenwechsel

Autor:
Janna

Rubrik:
studium

01.04.2015

Zitternde Knie, abgekaute Fingernägel: Ich war unglaublich aufgeregt. Und das nicht ohne Grund. Schließlich sollte ich das erste Mal vor einer Klasse eine Stunde halten. Der Sowi-Lehrer, bei dem ich hauptsächlich aus Eigeninteresse für das Fach hospitierte, hatte mich gefragt, ob ich denn gerne mal selber unterrichten wollte. Ich hatte mich bislang darauf eingestellt, in diesem Fach nur zuzuschauen, sagte aber zu. Wir besprachen kurz, welches Thema ich mit welchem Aufbau behandeln sollte, überlegte am Wochenende davor ein bisschen, wie ich genau anfangen und weitermachen sollte. Vor dem Unterricht hatte ich noch kurz Zeit, mit dem Lehrer meine Pläne zu besprechen, dann wurde es ernst. Statt hospitierend in der letzten Reihe, stand ich plötzlich nur mit Kreide, Buch und meinen Notizen bewaffnet vor der Klasse.

Um es kurz zu machen: Es war sicherlich keine Meisterleistung. Schon während der Stunde fielen mir ein paar Sachen auf, die ich hätte besser machen können. Ein Reinfall war es aber gewiss auch nicht. Die Schüler arbeiteten mit und wussten nach den 45 Minuten zumindest ein bisschen mehr über Ingleharts Forschung zu Materialismus und Postmaterialismus als vorher. Das Stundenziel wurde zwar nur knapp erreicht, weil mir der Gong zuvorkam, aber hey, die befürchteten Worst-Case-Szenarien wie Rotwerden, plötzliche Weinkrämpfe, Ohnmachtsanfälle oder ähnliches sind auch nicht eingetreten. Für meine allererste Unterrichtsstunde gar nicht schlecht, fand ich – und der Lehrer war auch mit mir zufrieden: Er hatte zwar genau die Sachen zu kritisieren, die mir auch schon aufgefallen waren, lobte aber insgesamt mein Auftreten und sogar meine Vorgehensweise bei der Textbesprechung am Ende, bei der ich ein paar Kniffe, die mir beim Hospitieren aufgefallen waren, versucht hatte anzuwenden – offenbar erfolgreich.

In drei weiteren Kursen darf ich in den nächsten Tagen ebenfalls unterrichten. Ich bin weiterhin aufgeregt, aber nach dem guten Start hoffe ich, dass es ähnlich glimpflich laufen wird.

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