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Studentenleben live

Pilsen 2015

Autor:
Inga

Rubrik:
studium

07.04.2015

Es ist mir nicht so ganz klar, warum ausgerechnet Pilsen Kulturhauptstadt des Jahres 2015 geworden ist. Die Tatsache ist in jedem Fall ebenso umstritten wie gefeiert in Tschechien.
Von Prag erreicht man die neue Kulturhauptstadt in knapp anderthalb Stunden mit dem Zug. Und wer nicht allzu stark an dem Phänomen Hauptstadtarroganz leidet, macht sich gerne mal auf den Weg in die Provinz, um zu schauen, was Pilsen so kann.
Schon am Bahnhof empfangen einen Baustellen, improvisierte Gleise, Bagger und Kräne. Das war zu erwarten – der Titel Kulturhauptstadt bedeutet ja auch (europäische) Finanzmittel für Investitionen.

Pilsen kann Bier, das ist unumstritten. Ein Besuch in der Brauerei lohnt sich vor allem, um einen Eindruck von der hervorragenden Marketing-Strategie von Pilsner Urquell zu bekommen. Aber kann Pilsen auch Kultur? Es bemüht sich. Es gibt Initiativen, alternativ angehaucht, die aus Pilsen einen Ort der Kulturbaustelle machen. Das alte Straßenbahndepot wurde kurzerhand umfunktioniert zu einem Veranstaltungszentrum der cooleren Art. Anlässlich des Lightfestivals (das in Pilsen übrigens wesentlich eindrucksvoller war als zuvor in Prag), wirbelten überall gelbe Engel herum (nein, nicht die vom ADAC, sondern Freiwillige in der Kultur in neongelben „Pilsen2015“-Westen), schenkten Glühwein aus, beantworteten Fragen und beugten sich erklärend über Stadtpläne. Die Stimmung war gut und plötzlich hatte man den Eindruck, die Stadt stünde zusammen. „Wir in Pilsen“ hieß es nicht nur von den Organisatoren, sondern von Einheimischen wie Ausländern in der Kulturhauptstadt 2015.

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