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Bachelor live

Großstadtliebe

Autor:
Marie

Rubrik:
studium

22.01.2018

Da wir als Nachwuchsredaktionsteam des Tagesspiegel im März zu den Paralympischen Spielen in Pyeongchang fliegen werden, nahmen wir zur Vorbereitung gemeinsam an einem Seminar in Berlin teil. Als ich dort ankam und meine Zimmermitbewohnerin mich fragte, ob ich schon einmal in unserer Hauptstadt gewesen war, musste ich erst einmal zählen: In den vergangenen zwölf Monaten war ich vier Mal dort. Und jedes Mal habe ich mich gefreut, wenn es einen Grund gab, nach Berlin zu fahren: Ich fand die Vielzahl an Sprachen auf den Straßen, die langen U-Bahn-Fahrten, die alternativen Viertel und die leckeren, multikulturellen Restaurants einfach super. Könnte ich mir vorstellen, dort zu leben? Das habe ich mich oft gefragt, aber noch keine Antwort darauf gefunden.
Als ich diesmal in Berlin ankam, war ich zunächst gar nicht so begeistert. Vermutlich lag das auch daran, dass mein Zug Verspätung gehabt hatte. Ich stand abends im Dunkeln an diesem riesigen Bahnhof und wusste gar nicht, wo die Busse eigentlich losfuhren, die mich zum Hostel bringen sollten. Die Busfahrt war mir zu lang, mein Koffer zu schwer, das Wetter zu kalt, die Menschen zu unfreundlich. Alles fühlte sich so anonym und riesig an.
Nach meinem Abitur bin ich für ein Jahr für einen Freiwilligendienst in die spanische Hauptstadt Madrid gezogen und habe sie sowohl davor als auch danach immer wieder mit Berlin verglichen. Madrid ist aber anders, weiß ich jetzt. Vielleicht nehme ich die Stadt nur anders wahr, weil ich dort selbst gewohnt habe, aber Madrid ist für mich aufregender und weniger kalt, näher an der Natur und doch voller Menschen. Auch Brüssel mag ich unglaublich gerne. Die südafrikanische Metropole Kapstadt ist die einzige wirklich riesige Stadt, die mich bislang nicht überzeugen konnte.
Daran musste ich zurückdenken, als ich in Berlin ankam. Kann es sein, dass es zum Großteil von der Größe einer Stadt abhängt, ob wir uns dort wohlfühlen? In Bonn, der Stadt, in der ich studiere, habe ich tolle Freunde gefunden, mir gefällt mein Studium, ich wohne dort gerne – nur den Flair, den eine Großstadt hat, den hat Bonn eben nicht. Da bekomme ich dann doch manchmal Großstadtsehnsucht.

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