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Barrierefrei promovieren

Nur von Vorteil

Autor:
Daniela

Rubrik:
studium

21.11.2012

„Und“, erkundigte sich mein Vater während eines Telefonats, „hast du Bauchweh wegen morgen?“

„Ja“, räumte ich widerstrebend ein, „schon.“

Eine kleine Pause entstand. Dann erkannte er, dass ich nicht mehr dazu sagen wollte und stellte abschließend fest: „Dir ist nicht ganz wohl dabei.“

Diese Umschreibung trifft sehr gut, was ich jedes Mal empfinde, wenn mir der nächste Gesprächstermin bei meiner Doktormutter bevorsteht.

Ich bin angespannt, nervös und, je näher das Treffen rückt, auch unsicher und verängstigt: Habe ich in den letzten Wochen alles richtig gemacht? Wie wird sie auf meine Ergebnisse reagieren? Was wird sie kritisieren?

Wirft mich die kritische Bestandsaufnahme zurück? Wenn, dann bloß kurzfristig. Denn mittel- bis langfristig kann das nur bedeuten, dass meine Betreuerin mich davor bewahrt, noch größeren Schaden anzurichten. Noch mehr Zeit in eine Sache zu investieren, die es nicht wert ist, weil sie der Zielsetzung meiner Dissertation so nicht dient.

Einmal habe ich das bereits erlebt. Es war keine angenehme Erfahrung. Vielmehr fühlte ich mich danach entmutigt, erschöpft und – vor allem – stark verunsichert.

Aber jetzt, mit einigem Abstand, bin ich froh deswegen und dankbar dafür.

So ein Gespräch mit meiner Doktormutter kann also nur von Vorteil sein. Sie hält mich auf, bevor ich mich verrenne. Sie korrigiert, gibt Ratschläge, beantwortet Fragen und diskutiert mit mir über Unklarheiten. Erklärt mir, was ich nicht verstehe. Manchmal aber verstehe ich danach, wie ich meine, weniger als vorher.

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