interaktiv

Freiwilligendienst im Ausland

Das Paket

Autor:
Hannes

Rubrik:
orientieren

17.07.2018

Ungeduldig fuhr ich mit dem Motorrad zum Post Office von Kayanga. Das Gebäude ist von außen schmucklos, die Fassade besteht fast ausschließlich aus Postfächern. Da nämlich kaum eine Straße hier offiziell ist und somit auch keinen Straßennamen hat, ist eine direkte Postzustellung unmöglich. Wenn man also den analogsten aller Kommunikationswege nutzen will, muss man sich ein kleines schwarzes Postfach mieten.
Doch darum ging es jetzt nicht: Ich war nicht für Briefsendungen gekommen, mich erwartete Größeres. Also trat ich ein. Der Raum mit drei Schaltern an der Stirnseite war gefüllt mit Menschen. Verständnislos schaute ich ihnen dabei zu, wie sie irgendwelche Formulare ausfüllten, dann wurde ein Schalter frei und ich widmete meine Aufmerksamkeit dem freundlich dreinschauenden Postbeamten.
„Ich habe ein Paket hierherschicken lassen“, sagte ich auf Englisch. „Katempris?“ fragte der Beamte nur. Seine Scharfsinnigkeit überrumpelte mich ein wenig. Ein Weißer in Kayanga wird wohl mittlerweile zwangsläufig mit der Grundschule Katempris in Verbindung gebracht, da sie immer wieder Freiwillige beschäftigt.
Widerwillig nickte ich, mochte nicht zu viel von mir preisgeben. Dennoch ist das Postfach auf die Schule gemeldet und somit musste ich dieses Zugeständnis machen, um an mein Päckchen zu kommen.
Der Beamte ging in ein Hinterzimmer und kam nach einigen Minuten mit einem recht zerschlissenen Paket zurück. Ich schaute auf den Absender: Tatsache, es war aus Deutschland, von daheim! Ohne Protest zahlte ich eine Empfangsgebühr – von der mir zuvor versichert worden war, dass ich sie nicht zu bezahlen hätte – stopfte den braunen Karton in meinen Rucksack und machte mich auf den Weg nach Hause, um meine neuen Schätze in Augenschein zu nehmen.
Dort angekommen offenbarte sich mir, was meine Mutter vor etwa vier Wochen in die Hände der Deutschen Post gegeben hatte: Zuckerrübensirup, Streichpasteten sowie kaputte und geschmolzene Schokolade – meine Food-Most-Wanted, die ich in Tansania sehr vermisst habe. Prompt schmierte ich mir ein Weißbrot mit Sirup, aß eine Tafel Schokolade und begann, die restlichen Tafeln zu zählen, um sie für meine restliche Zeit hier zu rationieren. Ich hielt ein Stück Heimat in Händen und fühlte mich glücklich.

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