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Mein Freiwilliges Jahr

Die nächsten drei

Autor:
Thilo

Rubrik:
orientieren

24.04.2015

An meinem zweiten Tag im OP durfte ich gleich bei drei Operationen dabei sein. In einer mehr als drei Stunden dauernden Operation wurde einer Patientin ein kleines Implantat hinter dem linken Ohr eingesetzt, das Töne und Geräusche aufnehmen und über die Reizung des Hörnervs an das Gehirn weitergeben kann,. Auf diese Weise sollte sie wieder hören können. Interessant war besonders, wie überprüft wurde, ob der Chirurg auch an der richtigen Stelle arbeitet und nicht unnötig Knochen und Gewebe entfernt: Über einen Apparat konnte ein Klopfen vernommen werden, das aus einer Reizung des Hörnervs resultierte und an späterer Stelle über Lautsprecher ausgegeben wurde. Faszinierend.

Danach ging es um ein gerissenes Kreuzband. Das Implantat, das im Knie neu eingesetzt wurde, wurde nicht etwa aus künstlichem Material hergestellt, sondern unmittelbar vor der Operation aus dem Gewebe der Patientin gewonnen (oder aus den Muskeln, ich bin mir da gar nicht mehr so sicher). Wunderbar sehen konnte man mithilfe einer Kamera, die ins Knie geführt wurde, wo das Präparat entnommen wurde. Es wurde in einem recht komplizierten Verfahren eingesetzt, das ich mehr als genial fand. Zuerst wurden blaue Fäden durch das Knie gezogen, die später dazu dienten, das Kreuzband leichter einsetzen zu können. Dieses wurde von unten nach oben durch das Knie gezogen und befestigte sich dadurch selbst, dass ein Zwischenglied innerhalb des Knies so kippte, dass ein Verrutschen unmöglich war. Beeindruckend.

Alle guten Dinge sind drei, somit ging ich anschließend noch zu einer Wirbelzementierung, die wirklich schnell ging. Der Chirurg setzte zwei Kanäle im Bereich der Lendenwirbel ein und kontrollierte stetig über Röntgenaufnahmen, dass er auch an der richtigen Stelle war. Ich musste mich komplett in Strahlenschutzkleidung einhüllen, die wirklich viel Gewicht hatte. Die Operationstechnische Assistentin fertigte währenddessen den Zement an und füllte ihn in kleine Spritzen ab, die der Chirurg daraufhin nutzte, um den Zement über die Kanäle zwischen die Wirbel zu spritzen. Auf den Röntgenaufnahmen konnte ich wunderbar sehen, wie sich der Zement verteilte und die Zwischenräume schloss. Unglaublich.

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