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Die Lehrer von morgen

Semesterticket auf der Kippe

Autor:
Janna

Rubrik:
studium

09.10.2017

Koalitionsverhandlungen im Bundestag? Was für eine Lappalie! Das Studierendenparlament tagte nun zu einer viel gravierenderen Angelegenheit: dem Semesterticket.
Seit fünf Jahren genieße ich die Vorzüge des Semestertickets: In ganz Nordrhein-Westfalen nutze ich den öffentlichen Personennahverkehr, nach 9 Uhr und am Wochenende darf ich auch mein Fahrrad in Bus und Bahn mitnehmen und nach 19 Uhr und am Wochenende eine weitere Person. In Bonn brauche ich das Ticket eher weniger, denn mit dem Fahrrad bin ich schneller. Aber spontan nach Köln oder in sonstige relevante Städte fahren zu können, ist schon ganz nett.
Dieses Ticket stand jetzt auf der Kippe. Der hiesige Verkehrsverbund Rhein-Sieg (kurz: VRS) hatte angekündigt, im neuen Vertrag nicht nur die übliche Preiserhöhung (dieses Mal ging es um 1,70 Euro Mehrkosten pro Semester) umzusetzen, sondern auch die Fahrradmitnahme einzuschränken. Das gefiel dem AStA – dem Allgemeinen Studierendenausschuss – nicht und es wurde angedroht, den Vertrag nicht zu unterschreiben. Das hätte bedeutet, dass es im nächsten Semester kein Semesterticket gegeben hätte, was den meisten Studierenden natürlich bitter aufstieß.
Auf der Studierenden-App Jodel ging es tagelang nur um dieses Thema. Neben ernsthaften Diskussionen wurde es auch durch den Kakao gezogen mit Beiträgen wie „Eilmeldung: AStA will Gepäckträger der Fahrradkuriere ab jetzt für den öffentlichen Nahverkehr einsetzen“ oder „Eilmeldung: AStA will eigenes Busunternehmen gründen, um VRS weiter unter Druck zu setzen“.
Abends kam dann die Entwarnung: Der Vertrag ist unterzeichnet, ab nächstem Semester darf das Fahrrad allerdings nur noch abends und am Wochenende kostenlos in der Bahn mitfahren.
Ich habe durch den Vorfall mal darüber nachgedacht, was es für mich bedeuten würde, kein Semesterticket zu haben. Ich kam zu dem Schluss, das wäre gar nicht so schlimm: In Bonn möchte ich nur dann nicht auf den Bus verzichten, wenn ich nach Hause oder zum Blutspenden ins Uniklinikum auf den Venusberg hochfahre. Denn das würde mich ohne Ticket 22 Euro kosten, bei durchschnittlich einem Heimatbesuch pro Monat und zweimal Blutspenden pro Semester etwa genau so viel wie die 140 Euro, die das Semesterticket kostet. Trotzdem bin ich froh, dass der AStA an der Stelle klein beigegeben hat. Das NRW-Ticket bringt einem schon eine ganze Menge Freiheit!

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