interaktiv

Mit dem Fahrrad durch Afrika

Auf den jemenitschen Gipfeln

Autor:
Benny

Rubrik:
auszeit nach dem abi

15.05.2008

Der Jemen ist ein sehr bergiges Land. Viele Berge sind über 3.000 Meter hoch und Sana'a liegt im Landesinneren auf einer über 2.000 Meter hohen Hochebene. So fahre ich von Meer aus bis nach Sana'a beständig bergauf und muss dabei den einen oder anderen steilen Pass erklimmen. In Taiz beschließe ich zudem noch an meinem „Ruhetag" auf den Djebel Sabir mit seinen 3.006 Metern hoch zu radeln. Bereits zu Beginn in der Stadt ist die Straße teilweise äußerst steil und ich hoffe, dass es flacher wird, wenn ich die letzten Häuser hinter mir gelassen habe. Das ist leider nicht der Fall. Mit durchschnittlichen 9 Prozent schlängelt sich die Straße über 20 Kilometer bis zum Gipfel. Die faszinierenden Ausblicke auf die Ackerbauterrassen und auf die tief im Tal liegende Großstadt Taiz entschädigen aber für die Mühen. Nach drei Stunden habe ich die am Gipfel liegende Militärbasis erreicht und werde von den freundlichen, dort stationierten Soldaten zu einem Festessen eingeladen.

Am nächsten Tag fahre ich weiter in den kleinen idyllischen Ort Djibbla. Dieser Ort hat eine faszinierende Ausstrahlung. Am Morgen auf dem kleinen Markt in der Altstadt scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Hier wird in den kleinen, engen Gassen um Schafe und Ziegen gefeilscht, in kleinen Geschäften Gemüse verkauft oder die Hühner fürs Mittagessen an Ort und Stelle geschlachtet und zubereitet. Am Nachmittag wird in den Gassen nur noch Qat gehandelt und gekaut. Qat ist der Whisky des Jemens. Von der Pflanze kaut man die Blätter und stopft diese danach in seine Backe. Das kauen soll entspannen und einen wach halten. Fast 80 Prozent der Jemeniten sind der Droge verfallen und kauen fast täglich ab dem frühen Nachmittag die Blätter. Der Qat ist ein großes Laster für das Land, so gehen nach verschiedenen Studien der Volkswirtschaft an die 14 Millionen Arbeitstunden pro Tag verloren. Denn nicht nur der Nachmittag, während des Kauens geht verloren, nein auch der Morgen, da die Jemeniten auf Grund der aufpuschenden Wirkung erst sehr spät einschlafen können und somit morgens auch nicht früh aus dem Bett kommen. Darüber hinaus werden von dem in den Wintermonaten sehr rarem Wasser auch über 50 Prozent für die Qatanpflanzungen verwendet und über 20 Prozent des Einkommens geben Qat-Süchtige durchschnittlich für ihre Droge aus. In den Wintermonaten kann eine Ration schon mal, je nach Qualität, bis zu 6 Euro kosten. Das wohl Einzige, was für den Qat spricht ist, dass dadurch immer noch viele Menschen im ländlichen Raum gehalten werden, da der Qat eine gut Einnahmequelle ist.

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