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Praktikum im Studium

Langsam, aber sicher

Autor:
Annika

Rubrik:
studium

01.12.2016

Langsam gewöhne ich mich tatsächlich hier in Kampala ein. Dass ich das bereits in der dritten Woche sagen werde, hätte ich an meinem Ankunftstag nicht gedacht. Vieles, was in den ersten Tagen so schlimm war, wird langsam besser oder ich lerne eben, damit umzugehen.
Bei Wakisa Ministries, meiner Praktikumsstelle, leben Mädchen, die wegen einer Schwangerschaft von ihrer Familie fortgeschickt wurden. Bei manchen liegt es daran, dass die Familie eine uneheliche Schwangerschaft nicht akzeptieren will, diese gar als Schande wahrnimmt und nichts damit zu tun haben möchte. Bei anderen ist es eher die Armut. Die Mädchen, die bei Wakisa landen, leben gemeinsam im sogenannten „Crisis Pregnancy Center“, einem Schwangerschaftszentrum für Notfälle. Der Tagesablauf hier ist strikt durchgeplant. Um 6 Uhr geht es los: Die Mädchen putzen zwei Stunden lang das Haus, bevor sie frühstücken und um 8.20 Uhr an einer Morgenandacht teilnehmen, bei der auch ich dabei bin. Anschließend geht es zum Morgensport und der ersten Unterrichtsstunde. Um 11 Uhr gibt es Tee und eine kurze Pause, bevor die nächste Schulstunde beginnt. Um 13 Uhr wird gegessen. Danach muss erneut geputzt werden, bevor von 14 bis 15 Uhr tatsächlich alle machen dürfen, was sie wollen. Von 15 bis 17 Uhr findet der Nachmittagsunterricht statt. Wenn der geschafft ist, darf ich heimgehen. Die Mädchen aber duschen, essen zu Abend, besuchen eine Abendandacht, gucken ein wenig fern und um 22 Uhr sind die Lichter aus. Von den Mädchen wird sehr viel Disziplin gefordert und ich bin beeindruckt, wie gut und mit wie wenig Beschwerden sie das durchhalten, obwohl sie schwanger sind.
Eine meiner Aufgaben ist es, mich in diesem Tagesablauf einzubringen und bald mal selbst einen der Kurse zu übernehmen. Meine eigentliche Aufgabe ist aber die Evaluation der Arbeit von Wakisa. Dafür darf ich nun an vier Tagen der Woche mit einer Kollegin durch die Gegend fahren und ehemalige Wakisa-Mädchen befragen. Das ist eine spannende Aufgabe. Bisher habe ich zwölf Mädchen befragt und alle kamen aus ziemlich armen Verhältnissen. Positiv ist, dass die meisten Mädchen nach der Geburt ihres Kindes zurück zu ihrer Familie konnten. Nur wenige Eltern lassen sich nicht davon überzeugen, ihre Tochter wieder aufzunehmen. Leider schafft es aber kaum eines der Mädchen, nach der Schwangerschaft einen Schulabschluss zu machen oder eine gute Arbeit zu finden. Ohne einen Sponsor kann sich keines der Mädchen, das ich befragt habe, die Schulgebühren leisten. Diese Informationen sind deprimierend. Schön ist es dafür zu hören, dass alle Mädchen die Zeit bei Wakisa genossen und die Umgebung als hoffnungstiftend erlebt haben. Ich bin beeindruckt von der Stärke dieser Mädchen und jungen Frauen, die aus meiner Perspektive ein hartes Leben haben, aber trotzdem nicht aufgeben und sogar glücklich sind.

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