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Barrierefrei studieren?

War früher nicht alles besser?

Autor:
Daniela

Rubrik:
studium

12.08.2008

Als ich noch zur Schule ging, hatten wir - wir waren zwei Blinde in der gleichen Jahrgangsstufe - einen Zivildienstleistenden, der sich um die Aufbereitung unserer Materialien kümmerte. Er scannte Texte ein oder schnitt zahlreiche Buchstaben aus Moosgummi aus, damit wir diese anschließend auf einem Tisch vor uns ausbreiten konnten, um so die Mendelschen Regeln einzuüben. Auch übertrug er wichtige Zeichnungen für uns auf eine spezielle Folie, auf der wir sie, wenn der Maßstab groß genug gewählt war, anschließend abtasten konnten. Allerdings verwirrten solche Zeichnungen meistens mehr als dass sie halfen.

Der Punkt ist aber: Während meiner Schulzeit war stets eine Hilfskraft da, auf die ich bei Bedarf zurückgreifen konnte. Der Zivi stand gewissermaßen zwischen den Lehrern und den blinden Schülern und unterstützte beide Seiten dabei, dass wir im Unterricht möglichst die gleichen Bedingungen bekamen wie die sehenden Klassenkameraden.

Seit ich in der Uni bin, hat sich diesbezüglich einiges geändert. Zwar organisierte der Behindertenbeauftragte für das vergangene Semester eine Hilfe für mich, aber selbstverständlich war das nicht. Aus den verschiedensten Gründen, die ich hier nicht im Einzelnen erläutern möchte, hatte ich lange Zeit nur zwei Möglichkeiten: Entweder ich scanne die Texte selbst ein und lese sie anschließend mit einem Sehenden Korrektur. Oder ich bezahle aus der eigenen Tasche dafür, dass die Texte ordentlich umgesetzt werden. Geschenkt wurde mir da vorerst nichts mehr.

 

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